Contents : Bismarck. Sein Leben und sein Werk.

428  16.  Die  auswärtige  Politik  des  deutschen  Kanzlers

doch  für  die  Fenster,  die  seine  Presse  einschlägt,  irgend  einmal
verantwortlich;  die  Rechnung  wird  an  irgendeinem  Tage  prä—
sentiert  in  der  Verstimmung  des  anderen  Landes.  Wir  können
durch  Liebe  und  Wohlwollen  leicht  bestochen  werden  —  vielleicht
zu  leicht  —  aber  durch  Drohungen  ganz  gewiß  nicht!  Wir
Deutsche  fürchten  Gott,  aber  sonst  nichts  in  der  Welt;
und  die  Gottesfurcht  ist  es  schon,  die  uns  den  Frieden
lieben  und  pflegen  läßt.  Wer  ihn  aber  trotzdem  bricht,
der  wird  sich  überzeugen,  daß  die  kampfesfreudige
Vaterlandsliebe,  welche  1813diegesamte  Bevölkerung
des  damals  schwachen,  kleinen  und  ausgesogenen  Preu-Hen
  unter  die  Fahnen  rief,  heutzutage  ein  Gemeingut
der  ganzen  deutschen  Nation  ist,  und  daß  derjenige,
welcher  die  deutsche  Nation  irgendwie  angreift,  sie
einheitlich  gewaffnet  finden  wird  und  jeden  Wehrmann
  mit  dem  festen  Glauben  im  Herzen:  Gott  wird
mit  uns  sein!“

Die  Rede  entfachte  gewaltigen  Beifall.  Der  Abgeordnete
Feldmarschall  Moltke  war  einer  der  ersten,  der  dem  Kanzler
glückwünschend  die  Hand  reichte.  Drei  Tage  vor  Bismarcks
Rede  war  der  Bündnisvertrag  mit  OÖsterreich  veröffentlicht,  um
das  friedliche  Gepräge  der  Verteidigung  aller  Welt  kund  zu  tun
und  allen  Preßverdächtigungen  des  Auslandes  die  Spitze  abzubrechen,
  zugleich  aber  auch  der  Welt  zu  zeigen,  wie  fest  Osterreich
  und  das  Deutsche  Reich  verbunden  waren.

Wer  es  miterlebt  hat,  wie  die  Rede  in  ganz  Deutschland
und  über  seine  Grenzen  hinaus  zündete,  weiß  es,  daß  ihre
Wirkung  der  Kunde  von  einer  siegreichen  Schlacht  gleich  war.
So  wurde  denn  Bismarck  auf  dem  Nachhausewege  von  begeisterten
  Huldigungen  einer  dichten  Menschenmenge  begleitet,
und  vor  dem  Reichskanzlerpalais  wollten  die  begeisterten  Kundgebungen
  kein  Ende  nehmen.  Von  den  Fürsten  Deutschlands
und  aus  dem  Volke  kamen  zahllose  begeisterte  Zustimmungstelegramme,
  der  italienische  Ministerpräsident  Crispi  wünschte
ihm  im  Namen  der  Regierung  Glück  zu  dem  friedlichen  Inhalt
  der  Rede;  die  Presse  aller  Länder  war  fast  einmütig  im