430 Bismarck verweist auf außerdeutsche Kompensationen.
Angriff leichter als die jetzigen zu verteidigen wären“. Benedetti schloß aus
diesen Worten, zweifellos mit Recht, daß Bismarck ihn zu einer Außerung
darüber verlocken wolle, ob Frankreich eventuell mit einer Vergrößerung seines
Gebietes nach diesen Richtungen hin zufrieden sein werde, ohne deutsches Gebiet
zu verlangen; aber er kat ihm nicht den Gefallen, irgendwie darauf einzugehen.
Mit diesen Andeutungen, die er in den nächsten Monaten mehrfach wiederholte,
trat Bismarck einen Schritt aus der bisher beobachteten Reserve
heraus. Wohl hatte er auch früher, wenn auch in sehr unverbindlicher Form,
durchblicken lassen, daß er die Vergrößerungswünsche Frankreichs für gerechtfertigt
halte und ihnen nicht unbedingt entgegentreten werde.! Aber jetzt
suchte er selbst die Kompensationsobjekte zu bezeichnen, die dabei in Frage
kommen könnten. Sollte er wirklich gehofft haben, die französischen Annexionsgelüste
auf Belgien und die Schweiz ablenken zu können? Das ist schwer
zu glauben; jedenfalls gedachte er aber auch jetzt den Franzosen die Hoffnung
auf deutsche Gebiete nicht zu nehmen; mit verblüffender Kühnheit erweckte er
bei Benedekti die Hoffnung, daß nach einer Niederlage Preußens sein König
das Bündnis Napoleons auch um diesen Preis zu erkaufen gezwungen sein
werde. Er wußte sicherlich, daß man in Paris Österreich für skärker hielt als
Preußen, daß man hier also den Falleiner preußischen Niederlage alsrecht wahrscheinlich
betrachten zukönnen glaubte. Waser beabsichtigte, tritt hier ganz deutlich
hervor: Frankreich viel hoffen zu lassen, ohne das Geringste zu versprechen.
Im Laufe des Sommers r868 rückte, wie es schien, der Bruch mit Österreich
in unmittelbare Nähe. Bekanntlich wurde in einem während der Sommerreise
des Königs in ganz ungewöhnlicher Weise schnell zusammenberufenen
Ministerrat zu Regensburg am .ar. Juli der Beschluß gefaßt, Österreich ein
Ultimatum wegen seiner Duldung der augustenburgischen Umtriebe zu
stellen und bei dessen Ablehnung zum Schwert zu greifen. Auch Goltz war
aus Paris dorthin entbofen worden. Nach Sybels: Angaben hatte Bismarck
damals dem Grafen Goltz die Instruktion gegeben, „den Abschluß
eines Neutralitätsvertrages mit Frankreich und nach Umständen die Feststellung
weiterer gegenseitiger Verpflichtungen vorzubereiten“. Auch diese
Angabe ist nicht korrekt. Der Auftrag, den Bismarck dem Botschafter am
4. August zugehen ließ?, unterschied vielmehr zwei Möglichkeiten; die bevorstehenden
mündlichen Verhandlungen mit dem Kaiser von Österreich könnten
1 Schon im August sagte er Gramont, er habe den englischen Botschafter, als dieser mit
einem englisch französischen Bündnls gedroht habe, darauf hingewiesen, daß England Frankreich
nichts zu bleten habe; nur der könne Frankreich rheinische Geblete geben, der sie besie
(Ber. Gramonts v. 28. Aug. Nr. 874).
* 4, 153.
* Er hat mir nicht vorgelegen, sedoch gibt Blomarck folgendes ausführliche Resümee in
dem Erlaß vom 16. August: Er habe in selnen srüheren Erlassen darauf hingewiesen, daß