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drei Provinzen keine besondere Rolle; erstere haben
vor allem den Kleinhandel in ihrer Hand, während
die Polen als Gutsbesitzer, Kaufleute und Arbeiter
größtenteils in Kurland sowie Riga leben.
Die Fruchtbarkeit des Bodens, das milde Klima,
die Aufgeschlossenheit und die bequemen und billigen
Verlehrsmöglichleiten auf den Flüssen und dem Seewege
haben eine ziemlich starke Volksdichte in den
baltischen Provinzen hervorgerufen, deren Extreme
zwischen 25 und 45 auf 1 aku schwanken.
In dem vom Meer ziemlich abgeschlossenen Litauen
haben wir Kowno schon früher als wichtigste Stadt
am Fuße des westrussischen Landrückens kennengelernt;
Schawli (Schaulen) und Ponewjesch sind die
einzigen namhaften Siedlungen, die aus diesem Gebiet
in neuerer Zeit viel genannt sind. Kurland hat
in den beiden Häfen Libau und Windau an der Ostsee
zwei für den Export seiner vorwiegend land- und
forstwirtschaftlichen Erzeugnisse bequem liegende Häfen.
Libau mit 90000 Einwohnern ist auch wichtiger
Ausfuhrhafen für Innerrußland und für die rus.
sische Marine als einziger stets eisfreier Hafen an
der Ostsee von hervorragender Bedeutung; es führt
besonders Holz, Getreide und Eier aus. Das nördlicher
liegende Windau mit 25000 Einwohnern hat
geringere Bedeutung. In flacher, fruchtbarer Geend
an der schiffbaren Semgaller Aa gelegen, hat
itau als Hauptstadt und geistiger Mittelpunkt Kurlands
unter seinen 40000 Einwohnern rund 10 000
Deutsche. Tukkum, nordwestlich von Mitan, mit 8000
Einwohnern hat keine besondere Bedeutung. 15 km
oberhalb der Mündung der Düna liegt die alte Hansestadt
Riga, nach Petersburg der bedeutendste russische
Ostseehafen. Schon 1201 gegründet, erlangte die
Stadt im 13. Jahrhundert eine führende Stellung in
der östlichen Ostsee. Heute ist Riga der Mittelpunkt
des baltischen Deutschtums. Die Ausfuhr Rigas im
Wert von etwa 200 Millionen Rubel erstreckt sich auf
Holz, Getreide, Olkuchen, Flachs, Hanf, die Einfuhr
von etwa 150 Millionen Rubel auf Steinkohlen. Maschinen
usw. An der Mündung der Düna ist Dünamünde
als Vorhafen für Riga gegründet, da größere
Schiffe den Strom nicht bis Riga hinauffahren lön—
nen; zugleich ist Dünamünde als russischer Flottenstützpunkt
stark befstigt Von den übrigen Siedlungen
Livlands hat die Universitätsstadt Dorpat (Jurjew)
am schiffbaren Embach 50 000 Einwohner; die
Wasserscheide zwischen Embach und der Pernau überquert
mühelos ein Kanal, der die Verbindung zwischen
Peipussee und Rigaischem Meerbusen nach der Stadt
Pernau mit 25000 Einwohnern herstellt. Unter den
Städten Estlands hat Reval mit 100 000 Einwohnern
an der felsigen, buchtenreichen Nordküste nicht
bloß als starke Festung, sondern auch als Handelshafen
hohe Bedeutung; Hauptgegenstände seines Handels
sind Baumwolle, die in den industriereichen Vororten
verarbeitet wird, ferner Steinkohlen, Getreide,
Flachs, Häute usw.; einen besonderen Erwerbszweig
bildet der Versand von gesalzenen Fischen.
Militärgrographische Verhältnisse. Zwei nicht
durch die natürlichen Verhältnisse des Landes bedingte
Faktoren sind bei der Betrachtung der militärgeographischen
Verhältnisse nicht zu übersehen; der eine ist
das weite Ausgreifen Ostpreußens in russisches Gebiet
hinein, der andere das weite Vordringen des polnischen
Keils in das Herz Mitteleuropas. Von zwei
Seiten von russischem Gebiet umklammert, nur in
einer Breite von 120 km mit dem Rumpfe des Staa-II.
Kriegsgeographie und Kriegsgeschichte
tes zusammenhängend, stand Ostpreußen dem Vordringen
der Russen in dem breiten, offenen Pregeltal
offen. Erst unter dem Schutz der starken Festung
Königsberg vollzog sich die Organisation des Widerstandes
gegen die herandringende Russenflut. Auf
der preußischen Seenplatte mit den edehnten
Wäldern und dem verwickelten Wassernetz Masurens
begünstigen die Engen zwischen den vielgliederigen
Seen in wirksamer Weise die Verteidigung (Fort
- bei Lötzen). Der Verlauf der Winterschlacht
in Masuren im Februar 1915 hat die hohe strategische
Bedeutung des Landes deutlich erkennen lassen.
Im nördlichen polnischen Flachland war einer russischen
Offensive gegen Deutschland durch das breue
Weichseltal der gewiesen. Hier legt sich an der
deutschen Grenze Thorn mit seinem breiten Güniel
von starken Forts hindernd einem Vordringen in den
Weg und ermöglicht so das Zusammenziehen großer
Truppenmassen unter dem Schutze seiner Festungswerke.
Unterhalb Thorn gebieten Graudenz und die
Verteidigungsanlagen von Danzig sowie die Überschwemmungsflächen
des Weichseldeltas einem weiteren
russischen Bordringen nach Westen hin Halt.
Die Festungen der russischen Westgrenze halten sich
mit Ausnahme derer an der Düna in annähernd gleichem
Abstand von der deutschen Grenze. Für ihre Anlage
sind Richtung und Beschaffenheit der Flußtäler
bestimmend gewesen. An der Düna schützen Dünomünde
und das stark befestigte Dünaburg den übergang
Über den breiten Strom und ein Vordringen
auf Rußlands Hauptstadt. Die dazwischen liegende
Strecke ist leicht zu verteidigen, da namentlich am
linken Dünaufer breite Moor-- und Sumpfflächen
sich hinziehen, die das Vordringen erschweren. Am
Njemenknie gewährt Kowno als starker Waffenplatz
den nach Westen vordringenden Russen Rückhalt. Bon
hier bis Iwangorod zes nun eine ununterbrochene
Reihe von Festungen nach Süden: Olita, Grodno an der
Niemenlinie; Ossowiec, Lomza, Ostroleka, Rozean.
Pultusk, Nowo Georgiewst, Warschau und Iwangorod
an der Bobr-Narew-Bug-Weichsel-Linie.
Von den natürlichen Faktoren, die die Kriegsoperationen
auf dem nördlichen russischen Kriegsschauplatz
beeinflussen, ist hier vor allem noch des
Klimas zu gedenken und die Frage des russischen
Winters= zu streisen. Im allgemeinen unterscheidet
sich das Winterklima des nördlichen russischen Kriegsschauplatzes
nur wenig von dem des angrenzenden
Ostdeutschlands. Der V##e# ist im ganzen nördlichen
Gebiete überall schneereich; häufige Tauwetter unterbrechen
die Frostperioden, und naßkaltes Wetter ist
nicht selten. Anderseits ist gerade der Winter die einzige
Jahreszeit, wo die berüchtigten Straßen Rußlands
einigermaßen passierbar sind; der weiche Boden
efriert, Sümpfe und Seen bedecken sich mit Eis, die
Flüsse tragen 3—4 Monate hindurch eine Eisdecke.
und die Schneedecke gleicht alle Unebenheiten aus.
Die hierdurch entstehende großartige Schlittenbahn
kann von Tausenden von Schlitten benußt werden,
und die Schnelligkeit des Verkehrs läßt sich so verdoppeln
und verdreifachen, was besonders die Nachschübe
großer Truppenmassen beschleunigt. Den größten
Nachteil des nördlichen russischen Kriegsschauplatzes,
seine Hewaltige räumliche Ausdehnung, dat
die moderne Technik überwunden dank dem Zusammenarbeiten
von Eisenbahnen, deren Bau im Verlauf
des Krieges in den weiten Flachlandgebieten
relativ geringe Schwierigkeiten darbot, Automobilen