In Berlin war die Stimmung fuͤr einen Anschluß an die beiden Verbündeten
günstig; man sprach mit Verachtung von Haugwitz und brachte dem
Minister Hardenberg Lebehoch's. Hierzu gingen vom Hofe selbst die Anregungen
aus. Der Prinz Louis Ferdinand, voll Talent und ritterlichen Sinnes,
schritt mit eigenem Beispiele voran und schonte in seinem Grolle gegen die
bisherige furchtsame Nachgiebigkeit selbst den König nicht. Letterer, dessen
stetes Streben nur dahin ging, was seines Volkes wahre Interessen verlangten,
zur Ausführung zu bringen, widerstand dem allgemeinen Drange nicht. Am
Zten November 1805 wurde in Potsdam eine Uebereinkunft zwischen den beiden
Monarchen und für Oestreich durch den Erzherzog Anton vollzogen, daß
Preußen bewaffnet als Vermittler zwischen Frankreich und die verbündeten
Mächte treten und dem Kaiser Napoleon die Bedingungen eines allgemeinen
Friedens vorlegen sollte. Im Falle Napoleon bis zum 15ten Dezember dieses
Anerbieten nicht annehmen würde, so verpflichtete sich Preußen zur bewaffneten
Unterstützung der Verbündeten. Die Entschädigung des Königs von Sardinien,
die Räumung Hollands und der Schweiz, die Trennung der Kronen Frankreich
und Italien waren als wesentliche Bedingungen gefordert; außerdem soll Oestreich
für sich die Feststellung einer besseren Militärgrenze, wahrscheinlich auf
Kosten Baierns, Preußen den Eintausch des Kurfürstenthums Hannover für
die westphälischen Provinzen bedungen haben.
Ehe der Kaiser abreiste, fand ein Umstand statt, wahrscheinlich berechnet,
um aufregend auf das Gefühl zu wirken. Die Abreise Alerander's, auf den
4Aten bestimmt, hatte sich bis nach Mitternacht hinausgezogen. Da wünschte
der Kaiser vor seinem Scheiden die Ruhestätte des großen Königs zu sehen.
Man öffnete die Gruft in der Garnisonkirche, wo Vater und Sohn in prunklosen
Särgen neben einander ruhen, und bei Fackelschein, unter Anwesenheit
der Königin, so wie des ganzen Hofes, schwuren sich die beiden Fürsten über
der Asche des Gründers der preußischen Macht eine ewige Freundschaft. Alles
war tief bewegt; unter diesem Eindruck schied der Monarch.
Zwei Tage vor der Unterzeichnung des Vertrages von Potsdam hatte
Düroc Berlin verlassen, ohne weder den König, noch den Kaiser zuvor gesehen
zu haben. Preußische Truppen waren schon seit dem 26sten Oktober in das
Kurfürstenthum eingerückt; nur Hameln behielt eine französische Besatzung.
Ohne Zweifel war der Potsdamer Vertrag ein der Stellung Preußens
durchaus würdiger Akt, entsprechend dem Gedanken, welcher beim Abschlusse
des Baseler Friedens geleitet hatte, jedoch nicht immer consequent durchgeführt
worden war. Er sicherte einerseits dem preußischen Staate seine unabhängige
Parteilosigkeit und gab ihm schlimmsten Falles die Möglichkeit, in entscheidender
Weise mit seinen schon zum Theil zusammen berufenen Truppen billige Berücksichtigung
seiner Wünsche zu erzwingen. Allein zur Ausführung der durch den
Vertrag erforderlichen Mission bedurfte es eines Mannes von Kraft und eifrigem
Willen. Man wählte Haugwitz und Lombard, wahrscheinlich, weil fie bei