61. Jahrgang
Rosenheim
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Rosenheimer Tagblakt
91
Dienstag,-20. April 1915
eiger
den sechs Flliol- Expei#monen der
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chlub der Inseraten-Unnahme 1 Uhr mlktags. Nach diesem Zeitpunkt kann für Aufnahme in die lausende Tagesnummer nicht meht gatantiert werden. Für schlechtgeschriebenes Manuftriot wird kelne Berantwortung Übernomm nen.
Neue eruss. Niederlagen im Waldgebirge der Karpathen
Erkolpreiche Eliegertatlorct aul der Westfront — Reuc englische Schillsverluste. — örgen die amerikanlschen waffemlescrungen. — der
Kricg in onafeika. — Erweiterung der landlsturmpfiicht in Oesterreich-Ungarn. — bie schweren Orrtzicesperlustc der Rullen in den Kar,
patben.
Spaniens Erwachen.
Die Meldung der „Köln. Ztg.“ aus Madrid,
eine Mittelmeergroßmacht habe Spanien aufgefordert,
Tanger zu besenen und zu verhindern,
daß sich England an beiden Seiten des Einganges
zum Mittelmeer festsenze, hat in Deutschland
lebhaftes Interesse erweckt. Dem Kenner
der Verhältnisse Spaniens erscheint die Richtigleit
dieser aufsehenerregenden Meldung nichr
nur möglich, sondern wahrscheinlich. Neu ist
nur, daß eine andere Macht, welche, braucht
mohl nicht gesagt zu werden, die Besetzung
Tangers durch Spanien jordert.
dieser neutralen Macht im Mittelmeer gehen
eben mil den Interessen Spaniens selbit überein.
Seit langer Zeit bereils ist in der spanischen
Presse ein lebhafter Umschwung eingetreten.
Bu Anfang des Wellkrieges glaubte wohl
jedermann, das jahrelange Liebeswerben Frankreiche
und Englands sei nicht umsonst gewesen
und Spanien werde sich an die Seite unserer
Feinde slellen. Wie wesentlich anders aber haben
sich die Dinge entwickelt. Eine Broschüre
des Madrider Rechtsawalts und Redakteurs
des „Corrio Espanol“, Orlitz, die den Ruf
ausstoßt, Gibraltar zurückzuerobern, Tanger zu
besetzen, mit Portugal ein Pyrenäenreich zu
bilden und sich mit den lateinischen Staaten
Mittel- und Südamerilas zu einem Seebunde
zu vereinigen, der England die Spitze bieten
könne, hat die öffentliche Meinung völlig umgewandelt.
Die Besetzung von Tanger wird als erster
:Programmpunkt der zukünftigen spanischen
( Weltpolitik von der überwiegenden Mehrzahl
der spanischen Blätter seit längerer Zeit gefordert.
Mit drohenden Fingern weist man aber
1 auch auf das englische Gibraltar, diesem Pfahl
im eigenen Fleisch, das eine Schmach für Spanien
und ein Aergernis Europas sei. Die Madrider
Zeitungen „A B C“, „Tribuna“, „Correo
Espanol“ und „Correo Catalan“ sowie die
ganze Provinzpresse erklären rund heraus, Spanien
msse jetzt hervortreten, weil der Sieg
Deutschlands so gut wie sicher sei. Die Parteien
der Rechten, Katholiken, Konservativen
,. und ein großer Teil der Liberalen stehen auf
der Seile Deutschlands. Lediglich die Ferrer-Peesse,
an ihrer Spitze der Abgeordnete Lerwur
mit seinen Blättern „Liberal“, „Imparcial“,
„Heraldo“, hetzt das Volk gegen Deutschland.
Ein Sieg Deutschlands und Oesterreichs wärc
nach diesen der Sieg der Reaktion und der
4#1 Dunkkelheit über das Licht des freien Gedankens.
in Frantreich.
Duas spanische Ofsizierslorp= steht gleichfalls
in seiner erdrückenden Mehrheit
freundlich gegenüber. „Nun ist sie gekommen,
die btunde Deutschlands, Deutschlands Größte:.
und diese Größe wird die t Welt
deuten. Unter seinem Schutze werden die -*-chen
wieder Kräfte sammeln und bislang tränen-
Die Interessen
Deutschland .
— einc neuc Ollculipc gegen Oesterrcich? — neuc englische miserfolge Pvor den Dardanecilen.
Cngland. — bie Japaner in meriko.
Spanien rüstet. Es will sein Gewicht mit in
die Wagschale werfen, wenn die Stunde der
Abrechnung gelommen. Die Landesverleidigung
wird außerordemtich verstärkt und die allgemeine
Wehrpflicht soll unter allen Umständen durchgefuhrt
werden. Neue Kasernen werden gebaut
für die 60000 neuen jungen Rekruten, die der
Einberufung harren. Proviantparls und Spitäler
erstehen und in den Waffenfabriken herrscht
lebhafte Tätigleit. Neue Stünpunlte fur die
Marine sollen eingerichtet werden. Als solche
sind Ferrol, Cartagena und Cadiz ausersehen.
eplant ist weiter der Bau eines Schlacht.
schisses, das 70 Millionen, und eines Schuellkreuzero,
der 41z Millionen losten wird. Dazu.
kommen drei Unterfeeboole zum Preise von je
drei Millionen. Die nöligen Geldmittel hiezu
sind bereils bewilligt oder liegin den Gesetzkorlörpern
zur Verfügung vor.
Spanien erwacht. Sein Lebensinteresse erheischt
Unabhängigleit von England. Und bei
Verfolgung seiner Intereisen wird sich Spanien
auch von keinerlei NRübssicht auf seinen fruhe
ren Bundesgenossen Erantreich leilen laisen.
Man erinnert sich in Spanien nur zu gul der
vielen Millionen, welche die russische Allianz
gefordert hat, und an die Preisgabe wichtiger
Inleressen, welche man für die Entente Cordiale
mit England opsern muste. England ist der
Feind. Für Spanien wie fur unsk. (M. 319.1.
r□i · ·
Algemeines vom Keieg.
Erweiterung der Landsturmpflicht
in Oesterreich-Ungarn.
Wien, 18. April. Ein amtlicher Bericht le
sagt: Damit der Erfolg der bisherigen großen
Anstrengungen nicht in Frage geniellt wird. ist
es notwendig, daß auch der weitere Nachschub
dauernd sichergestellt werde. Dir derzeit gelten
den Bestimmungen über die Landsiurmpflicht
sind jedoch keineswegs ausreichind, um dieses
Ziel zu erreichen. Vergleicht man beispielsweise
die zeitliche Ausdehnung der Landsturmpflicht
bei und mit jener bei den anderen europäischen
Staaten, so stehen wir beinale an letzter Stielle.
Während z. B. im Deutschen Reiche die Landsturmpflicht
vom 18. bis 45. Lebensjahre, in
Frankreich bis zum 48. Lebensjahre, in Ser
bien bis zum 51/. Lebensiahre reicht, fängt sie
bei uns erst mit der Vollendung des 19. Le
bensjahres an und endigt mit dem Ende des
42. Lebensjahres. Um den unabweislichen For
derungen Rechnung zu tragen, ist in Aussicht
genommen, die Landsturmpflicht in beiden Staa
#bzeten der Monarchie in Hinkunft schon mit dem
„ Johrr, in dem das 18. Lebensjahr vollendet
wird, beginnen und bis Ende des Jahres der
nasse Augen, Opfer der Tyrannei, werden sich Vollstrekung des 50. Ledensjahres währen zu
danlhar zu ihrem Befreier erheben.“ So schrieb
dieser Tage ein spanischer Ossizier an die Slait.
leitung einer deulschen Zeitung, und er
bei, das sei auch das Denken aller ensege
Miläärs, zum wenigsten 9990 derselben.
!
1D
lassen. Auch soll das 1. Aufgebot die Jahrgänge
bis zur Vollstreckung des 42. Lebensjahres
umfassen und die Möglichkeit geboten werten,
in ganz besonderen Ausnahmesällen auch
die dem 2. Aufgebot Angehörenden zum Zwecke
der Ergänzung des Heeres und der Landwehr
heranzuziehen.
Der Bevölkerungsrückgang
in Frankreich.
Genf, 17. April. Der französische Arbeits
minister veröffentlicht eine Statiftik der Be
völkerungsbewegung im 1. Vierteljahr 1915 in
32 Departements, ausgenommen die 5 von den
Deunchen besetzten. Das Resultat ist erschrek
kend: 3971 Geburten, 20 815 Sterbefalle,
6445 Ekescheidungen, dazu kommen 21000 Hei.
raten weniger als in der gleichen Zeit des
Vorjahres. Der „Tempe“ bemerkt dazu: Der
Augenblick ist furchtbar. Das Publikum muß
nach Friedensschluß energisch aufgeklärt werden,
sonst sind alle Opfer vergebens. (3.)
Belgische Widerspenstigkeit.
Brüssel. I7. April. Das leitende Komitee
des beinischen Roren Kreuzes weigerte sich, an
der planmaßigen Velämpfung des gegenwärligen
Nolltander in Bellnien leiliunehmen. Es
murde deralb auf Verordnun: des Generalrvonverneurs
ufvelot und Graf Haufeldt-Trachenberg
mit der Verwallung der Zentralseelle
betraut. (I3.)
Drei Anfragen an den
englischen Premierminister.
Amsterdam. 13. April. Der frühere eng
lische Admiral Lord Veresford hat fur kom
menden Mitltwoch dem Premicrmi rifler folgende
drei Fragen angemeldet: u Wer ist fur die Ope
ralionen gegen die 5 Lae verantwortlich:
2. War der Angriff als eine Verbindung von
Flaite und militäriscken Operationen gedacht?
J. Wird der Enderfolg dadurch beträchtlich verzogert,
daß der Flonenangriff ausgeführt
wurdc. che die Armee gelandet war? (3.) —
Lord Beresford fragt mehr, als Asquith zu
beantworten lieb sein wird. Seine Fragen sind
in Wirklichkeit schwach verhüllte Umschreibun
gen der Festitellung, daß England und seine
Verbundeten sich bei den Dardanellen eine kolossale
Blamage geholt haben. .
England und Japan.
London, 18. April. Für die Dienstag
sigung des Unterhauses sind nicht weniger als.
Anfragen an Sir Edward Grey über die
bralnsage Japans an China angemeldet, die
meisten von den Abgeordneten aus Lancashire.
das an dem Handel mit dem fernen Osten desonders
interessiert ist. (Z.)
Gegen die amerilanischen
Waffenlieferungen.
London, 18. April. Die „Morning Post“
meldet aus Washington: Auf Veranlassung der
300 000 Mitglieder zählenden Zentrale der Arbeitergewerlschaften
fand in Newyork eine von
3000 Männern und Frauen besuchte Versammlung
statt, in welcher die Angestellten der Fabrilen
für Kriegsbedarf zur Arbeitseinstellung
— FPerslen gegen Kußland und
aufgefordert wurden, um die Lieferung von
Waffen und Munition an die Kriegführenden
unmoglich zu machen. Prasident Wilson wurde
heftig angegriffen, weil er keinen Kongreß der
neutralen Nationen einberufen häne, um die
Lieferung von Waffen, Munition und Lebensmitteln
an die Kriegführenden zu verhindern.
(3.)
Enistobent deutsche Offiziere.
Wien, April. Nach hierher gelangten
Meldungen unuarn am 12. Januar nachts
aus dem ruffischen Gesangenenlager Rastnoljie
nächst Wladiwotock 7 oiterreichische und 4
deutsche Offiziere in der Richtung nach TChina.
Nach einem furchlerlichen Marsch durch die
Schneewüfte wurden drei Offiziere von Kosaken
wieder eingefangen. Die übrigen acht erfroren
in einem furchterlichen Schler#tury bei 30
Grad Kälte 65 Werst von der chinesischen Grenze
entsernt, wo man später ihre Leichen fand. (3.)
Die Behandlung der Deutschen
in Indien.
Berlin, 18. April. Das .Berliner Tageblalt“
veroffentlicht einen Brief eines Pfälzers
aus einen indischen Gefangenenlager, in dem
es u. heißt: „Als wir von Bomban fort.
deickaint wurden, murden wir in der Tat wie
Verbrecher behandelt. Mit aufgepflanztem
Bajoneit wurden wir durch die Straßen geführ!,
nur um der Welt ein Schauspiel zu
bieien. Es mwar einfach schändlich, bejonders
wenn man Indien leunt und weiß, daß man
von den Eingeborenen bisher fan als ein höhe.
re: Wesen angeschaut wurde. Jn der ersten
Zeit erhielten wir im Lager ein Essen, das
man bei und zu Hause keinem Hund hätlie vorgesetzl.
Zeitungen, die wir zu lesen bekommen,
lassen lein gutes Haar an Deutschland. Die
deutschen Geschäfte sind Lier vollständig ruinierl.
(Z.)
Die Sulesslage
WITB. Großes Hauptquartier, den
18. April, vormittags. Amnlich.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Nach Vornahme von Sprengungen drangen
die Engländer gestern abends südöstlich von
Wern in unsere Höhenstellung dicht nördlich des
Kanals ein, wurden aber im Gegenangriff sofort
wieder zuruckgeworfen: nur um drei von den
Engländern besetzte Sprengtrichter wird noch
gekämpft.
In der Champagne sprengten die Franzosen
neben der vorgestern von uns eroberten Stellung
einen Graben, ohne Vorteil zu erringen.
Zwischen Maas und Mosel fanden nur Artillerickämpse
statt.
In den Vogesen bemächtigten wir uns südwestlich
von Stoßweier am Sattel einer vorgeschobenen
französischen Stellung. Südwestlich
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