Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

61.  Jahrgang

 

Rosenheim

 

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ß  Telephon-Anschlüsse:  Redaktion  und  Verlag:  Nr.  72;  Inseralen-Abtellung:  235.

 

 

Rosenheimer  Tagblakt

 

91

 

Dienstag,-20.  April  1915

eiger

 

den  sechs  Flliol-  Expei#monen  der

breite  Peltitzelle  oder

 

Das  Abonnement  wU##  ür  Rosenbelm  in  der  M.  Niedermayr'schen  Buchdruckerel  sormle  in
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Amlliches  Bablikations-Organ

 

—  .  s  Neklamen  und  Bellagen  durch  die  —  Expedinon  Haasensiein  x  Vogler  A.-G.  Rosenheim,  München,  —  Berlin,  Bern.  —  Deesden.  Erfurt.  Fronktur  o  a.  Wi.  Hamburg,  „Hannover.  Lnnsbruc.  Karloruhe,  Köln  rc.
chlub  der  Inseraten-Unnahme  1  Uhr  mlktags.  Nach  diesem  Zeitpunkt  kann  für  Aufnahme  in  die  lausende  Tagesnummer  nicht  meht  gatantiert  werden.  Für  schlechtgeschriebenes  Manuftriot  wird  kelne  Berantwortung  Übernomm  nen.

 

Neue  eruss.  Niederlagen  im  Waldgebirge  der  Karpathen

Erkolpreiche  Eliegertatlorct  aul  der  Westfront  —  Reuc  englische  Schillsverluste.  —  örgen  die  amerikanlschen  waffemlescrungen.  —  der
Kricg  in  onafeika.  —  Erweiterung  der  landlsturmpfiicht  in  Oesterreich-Ungarn.  —  bie  schweren  Orrtzicesperlustc  der  Rullen  in  den  Kar,

patben.

Spaniens  Erwachen.

Die  Meldung  der  „Köln.  Ztg.“  aus  Madrid,
eine  Mittelmeergroßmacht  habe  Spanien  aufgefordert,
  Tanger  zu  besenen  und  zu  verhindern,
daß  sich  England  an  beiden  Seiten  des  Einganges
  zum  Mittelmeer  festsenze,  hat  in  Deutschland
  lebhaftes  Interesse  erweckt.  Dem  Kenner

der  Verhältnisse  Spaniens  erscheint  die  Richtigleit

  dieser  aufsehenerregenden  Meldung  nichr
nur  möglich,  sondern  wahrscheinlich.  Neu  ist
nur,  daß  eine  andere  Macht,  welche,  braucht
mohl  nicht  gesagt  zu  werden,  die  Besetzung

Tangers  durch  Spanien  jordert.

dieser  neutralen  Macht  im  Mittelmeer  gehen

eben  mil  den  Interessen  Spaniens  selbit  überein.

Seit  langer  Zeit  bereils  ist  in  der  spanischen

  Presse  ein  lebhafter  Umschwung  eingetreten.
  Bu  Anfang  des  Wellkrieges  glaubte  wohl
jedermann,  das  jahrelange  Liebeswerben  Frankreiche
  und  Englands  sei  nicht  umsonst  gewesen
und  Spanien  werde  sich  an  die  Seite  unserer
Feinde  slellen.  Wie  wesentlich  anders  aber  haben
  sich  die  Dinge  entwickelt.  Eine  Broschüre
des  Madrider  Rechtsawalts  und  Redakteurs
des  „Corrio  Espanol“,  Orlitz,  die  den  Ruf
ausstoßt,  Gibraltar  zurückzuerobern,  Tanger  zu
besetzen,  mit  Portugal  ein  Pyrenäenreich  zu
bilden  und  sich  mit  den  lateinischen  Staaten
Mittel-  und  Südamerilas  zu  einem  Seebunde
zu  vereinigen,  der  England  die  Spitze  bieten
könne,  hat  die  öffentliche  Meinung  völlig  umgewandelt.


Die  Besetzung  von  Tanger  wird  als  erster
:Programmpunkt  der  zukünftigen  spanischen
(  Weltpolitik  von  der  überwiegenden  Mehrzahl
der  spanischen  Blätter  seit  längerer  Zeit  gefordert.
  Mit  drohenden  Fingern  weist  man  aber
1  auch  auf  das  englische  Gibraltar,  diesem  Pfahl
im  eigenen  Fleisch,  das  eine  Schmach  für  Spanien
  und  ein  Aergernis  Europas  sei.  Die  Madrider
  Zeitungen  „A  B  C“,  „Tribuna“,  „Correo
  Espanol“  und  „Correo  Catalan“  sowie  die
ganze  Provinzpresse  erklären  rund  heraus,  Spanien
  msse  jetzt  hervortreten,  weil  der  Sieg
Deutschlands  so  gut  wie  sicher  sei.  Die  Parteien
  der  Rechten,  Katholiken,  Konservativen
,.  und  ein  großer  Teil  der  Liberalen  stehen  auf
der  Seile  Deutschlands.  Lediglich  die  Ferrer-Peesse,
  an  ihrer  Spitze  der  Abgeordnete  Lerwur
mit  seinen  Blättern  „Liberal“,  „Imparcial“,
„Heraldo“,  hetzt  das  Volk  gegen  Deutschland.
Ein  Sieg  Deutschlands  und  Oesterreichs  wärc
nach  diesen  der  Sieg  der  Reaktion  und  der
4#1  Dunkkelheit  über  das  Licht  des  freien  Gedankens.
in  Frantreich.

Duas  spanische  Ofsizierslorp=  steht  gleichfalls
in  seiner  erdrückenden  Mehrheit
freundlich  gegenüber.  „Nun  ist  sie  gekommen,

die  btunde  Deutschlands,  Deutschlands  Größte:.
und  diese  Größe  wird  die  t  Welt
deuten.  Unter  seinem  Schutze  werden  die  -*-chen
  wieder  Kräfte  sammeln  und  bislang  tränen- 



 

Die  Interessen

 

Deutschland  .

—  einc  neuc  Ollculipc  gegen  Oesterrcich?  —  neuc  englische  miserfolge  Pvor  den  Dardanecilen.

Cngland.  —  bie  Japaner  in  meriko.

Spanien  rüstet.  Es  will  sein  Gewicht  mit  in
die  Wagschale  werfen,  wenn  die  Stunde  der
Abrechnung  gelommen.  Die  Landesverleidigung
wird  außerordemtich  verstärkt  und  die  allgemeine
Wehrpflicht  soll  unter  allen  Umständen  durchgefuhrt
  werden.  Neue  Kasernen  werden  gebaut
für  die  60000  neuen  jungen  Rekruten,  die  der
Einberufung  harren.  Proviantparls  und  Spitäler
  erstehen  und  in  den  Waffenfabriken  herrscht
lebhafte  Tätigleit.  Neue  Stünpunlte  fur  die
Marine  sollen  eingerichtet  werden.  Als  solche
sind  Ferrol,  Cartagena  und  Cadiz  ausersehen.
eplant  ist  weiter  der  Bau  eines  Schlacht.
schisses,  das  70  Millionen,  und  eines  Schuellkreuzero,
  der  41z  Millionen  losten  wird.  Dazu.
kommen  drei  Unterfeeboole  zum  Preise  von  je
drei  Millionen.  Die  nöligen  Geldmittel  hiezu
sind  bereils  bewilligt  oder  liegin  den  Gesetzkorlörpern
  zur  Verfügung  vor.

Spanien  erwacht.  Sein  Lebensinteresse  erheischt
  Unabhängigleit  von  England.  Und  bei
Verfolgung  seiner  Intereisen  wird  sich  Spanien
  auch  von  keinerlei  NRübssicht  auf  seinen  fruhe

ren  Bundesgenossen  Erantreich  leilen  laisen.
Man  erinnert  sich  in  Spanien  nur  zu  gul  der
vielen  Millionen,  welche  die  russische  Allianz

gefordert  hat,  und  an  die  Preisgabe  wichtiger

Inleressen,  welche  man  für  die  Entente  Cordiale

mit  England  opsern  muste.  England  ist  der

Feind.  Für  Spanien  wie  fur  unsk.  (M.  319.1.
r□i  ·  ·

Algemeines  vom  Keieg.

Erweiterung  der  Landsturmpflicht
in  Oesterreich-Ungarn.

Wien,  18.  April.  Ein  amtlicher  Bericht  le
sagt:  Damit  der  Erfolg  der  bisherigen  großen
Anstrengungen  nicht  in  Frage  geniellt  wird.  ist
es  notwendig,  daß  auch  der  weitere  Nachschub
dauernd  sichergestellt  werde.  Dir  derzeit  gelten
den  Bestimmungen  über  die  Landsiurmpflicht
sind  jedoch  keineswegs  ausreichind,  um  dieses
Ziel  zu  erreichen.  Vergleicht  man  beispielsweise
die  zeitliche  Ausdehnung  der  Landsturmpflicht
bei  und  mit  jener  bei  den  anderen  europäischen
Staaten,  so  stehen  wir  beinale  an  letzter  Stielle.
Während  z.  B.  im  Deutschen  Reiche  die  Landsturmpflicht
  vom  18.  bis  45.  Lebensjahre,  in
Frankreich  bis  zum  48.  Lebensjahre,  in  Ser
bien  bis  zum  51/.  Lebensiahre  reicht,  fängt  sie
bei  uns  erst  mit  der  Vollendung  des  19.  Le
bensjahres  an  und  endigt  mit  dem  Ende  des
42.  Lebensjahres.  Um  den  unabweislichen  For
derungen  Rechnung  zu  tragen,  ist  in  Aussicht
genommen,  die  Landsturmpflicht  in  beiden  Staa
#bzeten  der  Monarchie  in  Hinkunft  schon  mit  dem
„  Johrr,  in  dem  das  18.  Lebensjahr  vollendet
wird,  beginnen  und  bis  Ende  des  Jahres  der

nasse  Augen,  Opfer  der  Tyrannei,  werden  sich  Vollstrekung  des  50.  Ledensjahres  währen  zu

danlhar  zu  ihrem  Befreier  erheben.“  So  schrieb
dieser  Tage  ein  spanischer  Ossizier  an  die  Slait.
leitung  einer  deulschen  Zeitung,  und  er

bei,  das  sei  auch  das  Denken  aller  ensege
Miläärs,  zum  wenigsten  9990  derselben.

!
1D

lassen.  Auch  soll  das  1.  Aufgebot  die  Jahrgänge
  bis  zur  Vollstreckung  des  42.  Lebensjahres
  umfassen  und  die  Möglichkeit  geboten  werten,

  in  ganz  besonderen  Ausnahmesällen  auch

 

die  dem  2.  Aufgebot  Angehörenden  zum  Zwecke
der  Ergänzung  des  Heeres  und  der  Landwehr
heranzuziehen.
Der  Bevölkerungsrückgang
in  Frankreich.

Genf,  17.  April.  Der  französische  Arbeits
minister  veröffentlicht  eine  Statiftik  der  Be
völkerungsbewegung  im  1.  Vierteljahr  1915  in
32  Departements,  ausgenommen  die  5  von  den
Deunchen  besetzten.  Das  Resultat  ist  erschrek
kend:  3971  Geburten,  20  815  Sterbefalle,
6445  Ekescheidungen,  dazu  kommen  21000  Hei.
raten  weniger  als  in  der  gleichen  Zeit  des
Vorjahres.  Der  „Tempe“  bemerkt  dazu:  Der
Augenblick  ist  furchtbar.  Das  Publikum  muß
nach  Friedensschluß  energisch  aufgeklärt  werden,
sonst  sind  alle  Opfer  vergebens.  (3.)

Belgische  Widerspenstigkeit.

Brüssel.  I7.  April.  Das  leitende  Komitee
des  beinischen  Roren  Kreuzes  weigerte  sich,  an
der  planmaßigen  Velämpfung  des  gegenwärligen
  Nolltander  in  Bellnien  leiliunehmen.  Es
murde  deralb  auf  Verordnun:  des  Generalrvonverneurs
  ufvelot  und  Graf  Haufeldt-Trachenberg
  mit  der  Verwallung  der  Zentralseelle
betraut.  (I3.)

Drei  Anfragen  an  den
englischen  Premierminister.
Amsterdam.  13.  April.  Der  frühere  eng
lische  Admiral  Lord  Veresford  hat  fur  kom
menden  Mitltwoch  dem  Premicrmi  rifler  folgende
drei  Fragen  angemeldet:  u  Wer  ist  fur  die  Ope
ralionen  gegen  die  5  Lae  verantwortlich:
2.  War  der  Angriff  als  eine  Verbindung  von
Flaite  und  militäriscken  Operationen  gedacht?
J.  Wird  der  Enderfolg  dadurch  beträchtlich  verzogert,
  daß  der  Flonenangriff  ausgeführt
wurdc.  che  die  Armee  gelandet  war?  (3.)  —
Lord  Beresford  fragt  mehr,  als  Asquith  zu
beantworten  lieb  sein  wird.  Seine  Fragen  sind
in  Wirklichkeit  schwach  verhüllte  Umschreibun
gen  der  Festitellung,  daß  England  und  seine
Verbundeten  sich  bei  den  Dardanellen  eine  kolossale
  Blamage  geholt  haben.  .
England  und  Japan.
London,  18.  April.  Für  die  Dienstag
sigung  des  Unterhauses  sind  nicht  weniger  als.
Anfragen  an  Sir  Edward  Grey  über  die
bralnsage  Japans  an  China  angemeldet,  die
meisten  von  den  Abgeordneten  aus  Lancashire.
das  an  dem  Handel  mit  dem  fernen  Osten  desonders
  interessiert  ist.  (Z.)
Gegen  die  amerilanischen
Waffenlieferungen.
London,  18.  April.  Die  „Morning  Post“
meldet  aus  Washington:  Auf  Veranlassung  der
300  000  Mitglieder  zählenden  Zentrale  der  Arbeitergewerlschaften
  fand  in  Newyork  eine  von
3000  Männern  und  Frauen  besuchte  Versammlung
  statt,  in  welcher  die  Angestellten  der  Fabrilen
  für  Kriegsbedarf  zur  Arbeitseinstellung

 

—  FPerslen  gegen  Kußland  und

aufgefordert  wurden,  um  die  Lieferung  von
Waffen  und  Munition  an  die  Kriegführenden
unmoglich  zu  machen.  Prasident  Wilson  wurde
heftig  angegriffen,  weil  er  keinen  Kongreß  der
neutralen  Nationen  einberufen  häne,  um  die
Lieferung  von  Waffen,  Munition  und  Lebensmitteln
  an  die  Kriegführenden  zu  verhindern.
(3.)

Enistobent  deutsche  Offiziere.

Wien,  April.  Nach  hierher  gelangten
Meldungen  unuarn  am  12.  Januar  nachts
aus  dem  ruffischen  Gesangenenlager  Rastnoljie
nächst  Wladiwotock  7  oiterreichische  und  4
deutsche  Offiziere  in  der  Richtung  nach  TChina.
Nach  einem  furchlerlichen  Marsch  durch  die
Schneewüfte  wurden  drei  Offiziere  von  Kosaken
wieder  eingefangen.  Die  übrigen  acht  erfroren
  in  einem  furchterlichen  Schler#tury  bei  30
Grad  Kälte  65  Werst  von  der  chinesischen  Grenze
entsernt,  wo  man  später  ihre  Leichen  fand.  (3.)

Die  Behandlung  der  Deutschen
in  Indien.

Berlin,  18.  April.  Das  .Berliner  Tageblalt“
  veroffentlicht  einen  Brief  eines  Pfälzers
aus  einen  indischen  Gefangenenlager,  in  dem
es  u.  heißt:  „Als  wir  von  Bomban  fort.
deickaint  wurden,  murden  wir  in  der  Tat  wie
Verbrecher  behandelt.  Mit  aufgepflanztem
Bajoneit  wurden  wir  durch  die  Straßen  geführ!,
  nur  um  der  Welt  ein  Schauspiel  zu
bieien.  Es  mwar  einfach  schändlich,  bejonders
wenn  man  Indien  leunt  und  weiß,  daß  man
von  den  Eingeborenen  bisher  fan  als  ein  höhe.
re:  Wesen  angeschaut  wurde.  Jn  der  ersten
Zeit  erhielten  wir  im  Lager  ein  Essen,  das
man  bei  und  zu  Hause  keinem  Hund  hätlie  vorgesetzl.
  Zeitungen,  die  wir  zu  lesen  bekommen,
lassen  lein  gutes  Haar  an  Deutschland.  Die
deutschen  Geschäfte  sind  Lier  vollständig  ruinierl.
  (Z.)

Die  Sulesslage

WITB.  Großes  Hauptquartier,  den

18.  April,  vormittags.  Amnlich.
Westlicher  Kriegsschauplatz.

Nach  Vornahme  von  Sprengungen  drangen
die  Engländer  gestern  abends  südöstlich  von
Wern  in  unsere  Höhenstellung  dicht  nördlich  des
Kanals  ein,  wurden  aber  im  Gegenangriff  sofort
wieder  zuruckgeworfen:  nur  um  drei  von  den
Engländern  besetzte  Sprengtrichter  wird  noch
gekämpft.

In  der  Champagne  sprengten  die  Franzosen
neben  der  vorgestern  von  uns  eroberten  Stellung
  einen  Graben,  ohne  Vorteil  zu  erringen.

Zwischen  Maas  und  Mosel  fanden  nur  Artillerickämpse
  statt.

In  den  Vogesen  bemächtigten  wir  uns  südwestlich
  von  Stoßweier  am  Sattel  einer  vorgeschobenen
  französischen  Stellung.  Südwestlich

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