54 I. Stand der Schulkinderspeisungen.
das Abendbrot kommen sollten. Nach dieser Unterscheidung hätten auf
das Frühstück etwas mehr, etwa 308 Kalorien, zu entfallen. Man wird
diesen höheren Wert um so eher als Ausgangspunkt für den Nährwert
eines normalen. Frühstce annehmen können, als in der Mehrzahl der
Städte mit Speisungseinrichtungen zumeist Frühstück oder Mittagessen
allein verabfolgt werden und es sich daher bei einer bestimmten Speisungsart
um bedürftige, zumeist nicht normal ernährte Kinder handelt. Auch
das gewöhnliche Frühstück, bestehend aus etwa ½1 Milch und einer
Semmel, weist seiner Zusammensetzung nach 13 g Eiweiß, 9,5 g Fett
und 37 g Kohlehydrate, das ist zusammen 295 Kalorien auf, eine Nährstoffmenge,
die an 20 % der Tagesration mit 308 Kalorien schon sehr
nahe herankommt. Es zeigt sich auch (siehe Tabelle IXa, S. 47), daß in der
Mehrzahl der Orte, die ein Frühstück zu Beginn des Unterrichts verabreichen,
wohl zumeist K¼ 1 Milch mit einer Schrippe gegeben wird.
Diese Frühstücksnahrung muß daher als völlig ausreichend und entsprechend
bezeichnet werden. Sehr fraglich erscheint es jedoch, ob bei
Verabfolgung von Kaffee und Brötchen diesen Anforderungen ebenfalls
entsprochen ist. Wenn z. B. nach norddeutscher Sitte der Milchzusatz
zum gewöhnlichen, wenig nahrhaften Zichorienabsud ein so geringer ist,
daß damit zum Frühstücke das Kind nur Spuren von Fett und auch
von Eiweiß erhält und die Schrippe den wesentlichsten Nährwert darstellt,
dann muß ein derartiges Frühstück als völlig ungenügend bezeichnet
werden. Wesentlich anders könnte es sich um die Verabreichung einer
Suppe als Frühstück verhalten. Den auf dem Lande Geborenen ist
der augenscheinliche Nährwert dieser Frühstückssuppen nicht unbekannt;
aber immerhin waren Nachforschungen nicht ohne Wert, die den Nährwert
städtischer Frühstückssuppen festzustellen suchten. Die in dieser
Pinsicht gewonnenen Daten sind in der nun folgenden kleinen Tafel I
bersichtlich zur Darstellung gebracht.
Die erste Säule bringt die Normalwerte für ein Frühstück zum
Ausdrucke, während die nachfolgenden Säulen die Mengen an Eiweiß,
Fett und Kohlehydraten für das Suppenfrühstück in fünf verschiedenen
tädten darstellen. Die unter den einzelnen Säulen eingetragenen
Prozentzahlen lassen erkennen, wie weit die tasächlichen Werte in
den verschledenen Orten an die Normalwerte heranreichen, bezw. sie
übersteigen. Für Essen zeigt es sich, daß das dort vom Vaterländischen
Frauenverein an eine große Zahl von Kindern (1112) abgegebene
Frühstück fast völlig Normalwerten entspricht, nur in der Eiweißmenge
etwas zurückbleibt. Das Frühstück besteht auf hundert
Portionen berechnet aus 251 Milch, 2 ½ kg Gries, Reis oder Graupen
und etwas Zucker. Das Frühstück muß als ein sehr zweckmäßiges und
auch leicht verdauliches betrachtet werden. Weitaus nicht so günstig stellen
sich die nachfolgenden Frühstücksarten für Hirs chberg, Mainz, Mühlhausen
i. Th. und Worms dar. Auffallend gering ist bei allen der
Eiweißgehalt. Namentlich für die Falersloebensunee in Mainz konnten
nur Spuren von Eiweiß nachgewiesen werden. Aber auch die Mehlsuppen
von Hirschberg und Mühlhausen, wie die Hafermehlsuppe
von Worms sind namentlich hinsichtlich der Eiweiß= und Kohlehydratmengen
völlig ungenügend.