Volltext : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Achter Band. (8)

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fektion  der  Impfstelle  zur  Beobachtung.  In  allen  Fällen  handelte  es  sich  um  sekundäre
Infektion  von  aufgekratzten  oder  mit  unreinen  Lappen  und  ranzigem  Ol  verbundenen  Impfpusteln,
  und  als  Folgekrankheiten  einer  ungeeigneten  Behandlung  geöffneter  Pusteln  traten
dann  sehr  verschiedene  Krankheitsformen  auf,  welche  meist  schon  nach  wenigen  sachgemäßen
Verbänden  der  Impfstelle  zur  Heilung  gebracht  werden  konnten.  Abgesehen  von  den  leichteren
  Fällen,  unter  den  vornehmlich  Geschwürsbildungen  an  einigen  oder  allen  Impfstellen
mit  Nekrose  der  Hautränder  zu  beobachten  war,  erscheinen  drei  Erkrankungen  erwähnenswert.

Ein  Kind,  dessen  Impfstelle  mit  dem  unter  dem  Namen  „Impfschutz“  in  Münchener
Apotheken  käuflichen  Verbande  bedeckt  worden  war,  wurde  mit  starkem  Oedem  des  ganzen
Armes  und  nässendem  übelriechendem  Ekzem  der  Haut  der  Impfstelle  sowie  geschwürigem
Zerfall  der  Impfpusteln  vorgestellt.  Vor  der  Anlegung  des  „Impfschutzes“  hatten  die
Pusteln  nach  Aussage  der  Mutter  ein  völlig  normales  Aussehen  geboten.  Durch  gründliche
Desinfektion  der  Haut  und  einige  antiseptische  Verbände  wurde  in  kurzer  Zeit  Heilung
erzielt.  Zwei  Impflinge  zeigten  auf  der  Impfstelle  einen  großen  derben  Schorf  von  konfluierenden
  Pusteln,  in  dessen  Umgebung  sich  infolge  von  Selbstinfektion  durch  das  unter
dem  Schorfe  zurückgehaltene  Pustelsekret  alltäglich  neue  Pustelgruppen  bildeten,  indem  sie
immer  weitere  Kreise  der  umgebenden  Haut  in  Mitleidenschaft  zogen  und  dabei  durch  Zusammenfließen
  mit  der  borkigen  Masse  den  zentralen  Schorf  immer  vergrößerten.  Als  dann
der  große  Schorf  erweicht  und  entfernt  und  der  Boden  des  Geschwüres  desinfiziert  war,
hörte  die  Neubildung  von  sekundären  Pusteln  auf  und  die  Heilung  nahm  einen  völlig
glatten  Verlauf.

Nach  Dresden  wurde  berichtet,  daß  sich  bei  einem  Erstimpfling  allgemeine  Vaccine
gezeigt  habe;  bei  einem  andern  Erstimpfling  trat  Früherysipel  auf.  Für  die  letztere  Erkrankung
  war  die  Ansteckungsquelle  in  demselben  Hause  zu  suchen,  wo  2  Erwachsene  an
Erysipel  litten.  «

In  Leipzig  kamen  von  krankhaften  Erscheinungen  im  Gefolge  der  Impfungen
einige  Fälle  von  leichtem  Impfausschlag,  2  Fälle  von  sekundären  Impfpusteln  auf  früher
ekzematös  erkrankt  gewesenen  Hautstellen  und  ein  Fall  von  Späterysipel  vor,  die  sämtlich
günstig  verliesen.  Ein  Vorkommnis  ist  seiner  Seltenheit  wegen  genauer  geschildert.  Am
11.  Juni  wurden  etwa  100  Erstimpflinge  mit  frischer,  am  Tage  zuvor  erst  abgenommener
Lymphe  geimpft,  weil  die  Lymphe  des  vorhergehenden  Kalbes  wegen  Krankheit  verworfen  war
und  diejenige  des  vorletzten  in  ihrer  Wirkung  abgeschwächt  erschien.  Bei  10  dieser  Kinder
zeigten  sich  am  Nachschautage  an  einer,  einmal  auch  an  zwei  der  im  übrigen  gut
ausgebildeten,  nicht  abnorm  geröteten  Pocken  kleinkirsch=  bis  mandelkerngroße,  wasserhelle
  dünnhäutige  Blasen,  die  am  Rande  der  Pockeneffloreszenz  ansitzend  sich  seitlich  entwickelt
  hatten.  Dieselben  wuchsen  in  den  nächsten  zwei  Tagen  weiter  und  verbreiteten  sich
bei  einigen  Kindern  über  die  ganze  Impfstelle.  Die  Haut  unter  den  Blasen,  die  bald
platzten,  sah  genau  aus  wie  unter  Vesikatorblasen;  es  trat  keine  stärkere  Entzündung  ein,
und  die  Abheilung  fand  in  14  Tagen  statt.  Das  Allgemeinbefinden  der  Kinder  war  nicht
weiter  gestört.  Die  erkrankten  Kinder  stammten  aus  den  verschiedensten  Stadtteilen  und
waren  auch  im  Termin  nicht  unmittelbar  nach  einander  geimpft  worden;  eine  gegenseitige
Ansteckung  der  Kinder  im  Impftermin  oder  eine  gemeinschaftliche  außerhalb  desselben  liegende
Krankheitsursache  scheint  ausgeschlossen  zu  sein.  Mit  derselben  Lymphe  wurden  am  12.
und  16.  Juni  etwa  600  Schulkinder  mit  gutem  Erfolg  geimpft,  ohne  daß  im  Verlaufe
eine  Störung  eintrat.  Ebenso  ist  von  keinem  der  Impfärzte,  an  welche  bis  zum  Nachschautage
  Lymphe  dieses  Kalbs  versandt  worden  war,  eine  Nachricht  über  ungewöhnliche  Vorkommnisse
  eingegangen.  Bei  einem  der  oben  erwähnten  Kinder  konnten  am  Tage  nach  der