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fektion der Impfstelle zur Beobachtung. In allen Fällen handelte es sich um sekundäre
Infektion von aufgekratzten oder mit unreinen Lappen und ranzigem Ol verbundenen Impfpusteln,
und als Folgekrankheiten einer ungeeigneten Behandlung geöffneter Pusteln traten
dann sehr verschiedene Krankheitsformen auf, welche meist schon nach wenigen sachgemäßen
Verbänden der Impfstelle zur Heilung gebracht werden konnten. Abgesehen von den leichteren
Fällen, unter den vornehmlich Geschwürsbildungen an einigen oder allen Impfstellen
mit Nekrose der Hautränder zu beobachten war, erscheinen drei Erkrankungen erwähnenswert.
Ein Kind, dessen Impfstelle mit dem unter dem Namen „Impfschutz“ in Münchener
Apotheken käuflichen Verbande bedeckt worden war, wurde mit starkem Oedem des ganzen
Armes und nässendem übelriechendem Ekzem der Haut der Impfstelle sowie geschwürigem
Zerfall der Impfpusteln vorgestellt. Vor der Anlegung des „Impfschutzes“ hatten die
Pusteln nach Aussage der Mutter ein völlig normales Aussehen geboten. Durch gründliche
Desinfektion der Haut und einige antiseptische Verbände wurde in kurzer Zeit Heilung
erzielt. Zwei Impflinge zeigten auf der Impfstelle einen großen derben Schorf von konfluierenden
Pusteln, in dessen Umgebung sich infolge von Selbstinfektion durch das unter
dem Schorfe zurückgehaltene Pustelsekret alltäglich neue Pustelgruppen bildeten, indem sie
immer weitere Kreise der umgebenden Haut in Mitleidenschaft zogen und dabei durch Zusammenfließen
mit der borkigen Masse den zentralen Schorf immer vergrößerten. Als dann
der große Schorf erweicht und entfernt und der Boden des Geschwüres desinfiziert war,
hörte die Neubildung von sekundären Pusteln auf und die Heilung nahm einen völlig
glatten Verlauf.
Nach Dresden wurde berichtet, daß sich bei einem Erstimpfling allgemeine Vaccine
gezeigt habe; bei einem andern Erstimpfling trat Früherysipel auf. Für die letztere Erkrankung
war die Ansteckungsquelle in demselben Hause zu suchen, wo 2 Erwachsene an
Erysipel litten. «
In Leipzig kamen von krankhaften Erscheinungen im Gefolge der Impfungen
einige Fälle von leichtem Impfausschlag, 2 Fälle von sekundären Impfpusteln auf früher
ekzematös erkrankt gewesenen Hautstellen und ein Fall von Späterysipel vor, die sämtlich
günstig verliesen. Ein Vorkommnis ist seiner Seltenheit wegen genauer geschildert. Am
11. Juni wurden etwa 100 Erstimpflinge mit frischer, am Tage zuvor erst abgenommener
Lymphe geimpft, weil die Lymphe des vorhergehenden Kalbes wegen Krankheit verworfen war
und diejenige des vorletzten in ihrer Wirkung abgeschwächt erschien. Bei 10 dieser Kinder
zeigten sich am Nachschautage an einer, einmal auch an zwei der im übrigen gut
ausgebildeten, nicht abnorm geröteten Pocken kleinkirsch= bis mandelkerngroße, wasserhelle
dünnhäutige Blasen, die am Rande der Pockeneffloreszenz ansitzend sich seitlich entwickelt
hatten. Dieselben wuchsen in den nächsten zwei Tagen weiter und verbreiteten sich
bei einigen Kindern über die ganze Impfstelle. Die Haut unter den Blasen, die bald
platzten, sah genau aus wie unter Vesikatorblasen; es trat keine stärkere Entzündung ein,
und die Abheilung fand in 14 Tagen statt. Das Allgemeinbefinden der Kinder war nicht
weiter gestört. Die erkrankten Kinder stammten aus den verschiedensten Stadtteilen und
waren auch im Termin nicht unmittelbar nach einander geimpft worden; eine gegenseitige
Ansteckung der Kinder im Impftermin oder eine gemeinschaftliche außerhalb desselben liegende
Krankheitsursache scheint ausgeschlossen zu sein. Mit derselben Lymphe wurden am 12.
und 16. Juni etwa 600 Schulkinder mit gutem Erfolg geimpft, ohne daß im Verlaufe
eine Störung eintrat. Ebenso ist von keinem der Impfärzte, an welche bis zum Nachschautage
Lymphe dieses Kalbs versandt worden war, eine Nachricht über ungewöhnliche Vorkommnisse
eingegangen. Bei einem der oben erwähnten Kinder konnten am Tage nach der