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von 1431—76. (1876—78, Bd. 1 u. 2,
bearbeitet von v. d. Ropp).
Lardenberz, Karl August, Fürst
von, preuß. Staatsmann, geb. 31. Mai
1750 zu Essenroda im Lüneburzgischen,
studierte in Göttingen und Leipzig undtrat
1770 in den hannöverschen Staatsdienst.
Er machte dann Reisen, gab 1782 infolge
eines Privatzwistes mit dem Prinzen von
Wales seine Stellung in Hannover auf
und wurde Präsident des Klosterrats
im Herzogtum Braunschweig. Infolge der
Emfeölung des preußischen Ministers
Hertzberg übertrug der Markgraf Alexan-
der von Ansbach-Baireuth d 1790 die
Verwaltung seines Landes; bald darauf
wurde dieser preußischer Kabinettsminister
und führte auch, als Ansbach-Baireuth
an Preußen fiel, die Regierung weiter.
1795 leitete er die Verhandlungen, welche
zu dem Baseler Frieden führten, und war
nach dem Frieden von Lüneville, allerdings
ohne Erfolg, bemüht, die Bistümer Würz-
burg und Bamberg für Preußen zu er-
werben. Nachdem er den Grafen Haug-
witz schon 1803 einige Zeit vertreten hatte,
wurde er 1804 dessen Nachfolger in der
Leitung der auswärtigen Angelegenheiten
Preußens. Ohne rechte Ahnung von der
fKroßen Gefahr, welche in Frankreichs
ermacht auch für Preußen lag, sah er
es als seine vornehmste Aufgabe an, die
Lage der Dinge zu einer Vergrößerung
Preußens zu benutzen, und amgeeignetsten
schien ihm die Erwerbung Hannovers.
Obwohl Preußen mit Rußland insgeheim
verbündet war, sicherte er 1805 Napoleon dem A
für das Zugeständnis Hannovers die preu-
Kische Neutralität während des bevorstehen-
den Kriegs gegen Osterreich und Rußland
zu und war selbst, als nach der Verletzung
ansbachischen Gebiets durch die Franzo-
sen der König auf Krieg gegen Napoleon
drang, einem so entschiedenen Schritt ab-
eneigt. Er nahm dann das Bündnis mit
Kramrreich im Schönbrunner Vertrag im
Prinzip an und veranlaßte darauf den
König, die Rüstungen einzustellen. Als
dann Haufwig den ungünstigen Pariser
Vertrag (1806) schloß, sah er seine auf
Napoleons Aufrichtigkeit basierende Poli-
tik gescheitert und nam im Aprilk die Ent-
Hardenberg.
lassung, zumal da auch Napoleon, der sich
über Hardenbergs Absichten täuschte, ihn
im Moniteur- auf das heftigste angriff.
Seitdem ist eine Wendung in seiner tel-
lung Frankreich gegenüber unverkennbar,
t wurde ein entschiedener Gegner Napo-
eons.
Im April 1807 berief ihn der König
wieder an die Spitze der Slaatsgeschäfte
und H. veranlaßte den innigen Anschluß
an Rußland, sah sich aber schon im Juli
wieder zum Rücktritt genötigt, da Na-
poleon in- Entlassung als Vorbedin-
gung des Tilsiter Friedens forderte. Er
verfaßte dann für den König eine Denk-
schrift, welche Vorschläge zu unerläßli-
chen Reformen enthielt, und schrieb 1808
seine Memoiren über die Verwaltung in
den letzten fünf Jahren nieder. Als der
Minister v. Altenstein die Kriegsentschä-
digung für Frankreich nicht aufzubringen
vermochte, übernahm H. 6. Juni 1810
als Staatskanzler die Leitung der öffent-
lichen Angelegenheiten. Er ordnete nun
die Finanzen, vollendete die von Stein be-
gonnenen Reformen (s. Preußen) und
rängte schon 1811 im Einverständnis mit
Scharnhorst und Gneisenau zur Wieder-
aufnahme des Kriegs gegen Frankreich.
Doch hielt diesen der König noch für ver-
früht und schloß vielmehr 1812 ein Bünd-
nis mit Napoleon gegen Rußland. Kaum
warder unglückliche Ausgang des russischen
Feldzugs bekannt, so drängte H. wiederum
um Krieg, kam aber erst nach Yorks selb-
Kände em Vorgehen zu seinem Ziel. Bei
schluß des Bündnisses mit Rußland
1813 kam es H. weniger auf Vergröße-
rungen in Polen an, auf Hannover und
die fränkischen Fürstentümer verzichtete er
gern und verpflichtete nur Rußland zum
Ausharren, bis Preußen wiederhergestellt
sei; eine Entschädigung durch Sachsen und
in Westfalen sowie die Erwerbung der
Hegemonie in Norddeutschland galt ihm
als das Wesentlichste. Während des “
Rigte er sich gleich Metternich und Knese-
beck wiederholt bereit, Napoleon als Frie-
densbedingung die Rheingrenze zu bewil-
ligen; zum Glück ging jener darauf nicht
ein. Dagegen hätte H. 1814 gern das El-
saß für Deutschland erworben, mußte diese