muß seine saͤmtlichen Papiere vorzeigen, verschiedentlich
unterschreiben und wird schließlich von einem recht gewöhnlichen
Weib bis aufs Hemd nach Briefen durchsucht, selbst
die Haare sind vor ihren wuͤhlenden Haͤnden nicht sicher.
Endlich ist der Weg zum Schiff freigegeben. Wohlmeinende
Englaͤnder hatten uns mit Entsetzen abfahren sehen, unserem
sicheren Untergang entgegen. Aber wir wollen alles gern
auf uns nehmen, Minen, Krieg, Hungersnot, wenn es nur
heim geht, fort aus diesem entsetzlichen Land. In Rotter—
dam empfinden wir sofort den Gegensatz, wir werden aufs
zuvorkommendste aufgenommen, obgleich alles von Menschen
uͤberfuͤllt ist. Man hat den Eindruck, dieses Land rechnet
es sich zur Ehre, Fremden die bestmoͤglichste Gastfreundschaft
zu erweisen. Leider ist die Gesinnung nicht deutschfreundlich,
sie glauben eben doch an unsere Schuld am Krieg,
und die belgischen Flüchtlinge haben ihnen entsetzliche Greueltaten
der Deurschen, die sie mitangesehen (1), erzählt. Endlich
hat der Zug deutschen Boden erreicht.
Unser grenzenloses Erstaunen ist nicht zu beschreiben,
als da alles war wie immer. Ruhig und unbehindert ging
die Fahrt vor sich, nirgends „rauchende Trümmer“ oder
nur auch zerstampfte Felder, und die Art, wie man sich in
den Bahnhöfen verpflegte, sah nichts weniger als nach
Hungersnot aus. Man sah wohl hin und wieder einzelne
verwundete Soldaten, aber die Beförderung ging so still
und geräuschlos vor sich — man kam sich wie in einem
Traum vor. Wie einem das wohl tat, diese Hilfsbereitschaft
überall, für alles war in einer Weise gesorgt, daß
man nur staunen mußte. So ganz das Gegenteil von England
und von dem, was wir erwartet. Und dann diese
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