Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

220  Erstes  Buch.  Die  Elemente  des  vreußischen  Staates  (bis  1598).

und  landeoherrlichen  Autorität  immer  neue  Konflikte,  die  das
Ansehen  des  Staates  schädigten.

Aber  während  Joachim  ein  Stück  Protestantismus  nach
dem  underen  preisgab,  traf  Markgraf  Johann  (Februar  1550)
zu  Königsberg  in  Preußen  bei  Gelegenheit  der  Hochzeit  Herzog
Albrechts  mit  Anna  Maria  von  Braunschweig  und  der  gleichzeitigen
  Verlobung  seiner  Tochter  ersier  Ehe  mit  Johann  Albrecht
von  Mecklenburg  die  ersten  Verabredungen  zur  Rettung  des
Cvangeliums.  Um  Zoachims  Anschluß  warb  man  vergeblich:
er  dachte  nur  daran,  seinem  Sohn  zur  Anerkennung  in  Magdeburg
  zu  verhelfen.  Die  Katholiken  besorgten  nämlich,  dieser
solle  an  der  Elbe  wiederholen,  was  Albrecht  von  Vrandenburg
am  Pregel  gethan  hatte.  Als  aber  Karl  V.  seinem  Sohne
Philivp  auch  im  Reiche  die  Nachfolge  zu  verschaffen  und  dieses
so  dem  spanischen  Absolutiomus  zu  beugen  strebte,  erkannten
die  konfessionellen  Gegner  die  Notwendigkeit  gemeinsamer  Abwehr:
  die  Krise  bereitete  sich  vor,  die  Karl  V.  jählings  von  der
Höhe  der  Macht  stürzen  sollte.  Auch  Joachim  II.  konnte  sich
nur  durch  eine  schnelle  Schwenkung  dauor  bewahren,  zwischen
den  streitenden  Parteien  zermalmt  zu  werden:  was  er  bisher
im  Dienst  der  Habsburger  nicht  bloß  abseiten,  sondern  im  Gegensatz
  zu  den  übrigen  evangelischen  Fürsten  erstrebt  hatte,  suchte
er  nun  mit  der  entgegengesetzten  Strömung  zu  erreichen.

Aber  wieder  muß  dahingestellt  bleiben,  wie  weit  er  das
versönlich  that.  Denn  wie  die  Durchführung,  so  scheint  auch
die  Konzeption  des  neuen  politischen  Systems  dem  erfindungsreichen
  Staatsmanne  zuzugehören,  den  eine  glückliche  Fügung
Joachim  II.  eben  damals  an  die  Seite  stellte.  Ein  Sohn  des
anvassungsfähigen  sächsischen  Stammes,  der  mit  der  Reformation
nicht  bloß  die  geistige  Führung  in  Deutschland  übernahm,
wurde  Lampert  Distelmeyer  in  den  brandenburgischen  Verhältnissen
  so  schnell  und  so  ganz  heimisch,  daß  er  sie  sofort
und  auf  Menschenalter  hinaus  entscheidend  beeinflußte.  Er
zählt  zu  den  damals  nicht  seltenen  Staatsmännern,  die  wie
die  Jtaliener  der  Renaissance  den  Staat  als  Kunstwerk  behandelten
  und  die  Politik  als  Kunst  betrieben.  Ohne  nationale
oder  gar  landomannschaftliche  Voreingenommenheit  machten  sie