Volltext : Kaiser Wilhelm II als Schloßherr auf elsässischem und auf lothringischem Boden.

22

Negiment  brach  das  Verhängnis  über  das  einst  so  stolze  elsässische
Bergschloß  herein.  Nachdem  nämlich  die  Schweden  etwa  sechs
Wochen  auf  Hohkönigsburg  verbracht  hatten,  steckten  sie  in  der
ersten  Hälfte  des  Oktober  die  alte  Feste  in  Brand  und  überließen
sie  ihrem  Schicksal.

Als  dann  das  Land  endgültig  der  französischen  Krone  einverleibt
  wurde  und  wieder  geordnete  Zustände  allenthalben  nach
den  Schrecken  des  Krieges  eintraten,  erhielten  die  Nachkommen  von
Franz  Friedrich  von  Sickingen  durch  einen  Beschluß  des  elsässischen
Provinzialrates  vom  27.  August  1672  das  zerstörte  Schloß  wieder.
Bis  1770  waren  die  Sickingen  Herren  der  Burg  und  der  umliegenden
  Güter,  als  sie  durch  regelrechten  Verkauf  ihre  Rechte  und
Ansprüche  an  Ilessire  Henry  brancois  de  Boug,  Dräsidenten
des  elsässischen  Hohen  Rates,  abtraten.

Für  das  stolze  mittelalterliche  Bergschloß  bedeutete  der  Beginn
französischer  Herrschaft  zunächst  den  Anfang  eines  entsagungsvollen
Lebensabends.  Sie  brachte  ihm  aber  auch  die  Ruhe  und  den
Frieden,  ohne  welchen  ein  erntereicher  Rückblick  auf  Jahrhunderte
tatenfroher  Vergangenheit  nicht  möglich  ist.  Jetzt,  wo  das  gigantische
Kastell  den  Anforderungen  einer  neuen  Kriegstechnik  nicht  mehr
entsprach  und  das  Schwert  von  hier  aus  nicht  mehr  wie  einst  mit
blutigen  Zügen  seine  Eintragungen  in  die  Annalen  des  Landes
machen  konnte,  kam  der  Griffel  der  Geschichte  an  die  Reihe,  um
die  Aufzeichnungen  vergangener  Jahrhunderte  zu  sammeln.  So
muß  denn  neben  Schöpflin  der  erste  französische  Burgherr  auf
Hohkönigsburg,  jener  ritterliche  und  hochgebildete  Herr  de  Boug,
auch  als  einer  der  verständnisvollsten  Sammler  von  Akten  und
Rechtstiteln  des  königlichen  Werkes  auf  dem  Staufen  gelten.  In
der  reichen  Akten-  und  Arkundensammlung  dieses  feinsinnigen  französischen
  Verwaltungs-  und  Justizbeamten  findet  sich  ein  wertvolles
und  wohlgeordnetes  Material  zur  Geschichte  der  Burg.

Trotz  der  Stürme  der  Revolution,  welche  auch  über  sie  und