— 107 —
Kolonnen besinden, welche mit Wegräumung der Hindernisse vertraut und
dazu befähigt sind. Außerdem fordert vie neuere Kriegführung jetzt öfter
zur Stelle die fortisicatorische Einrichtung von Oertlichkeiten zu einer hartnäckigeren
Bertheidigung, und es läßt sich erwarten, daß die Anlage
leichter passagerer Werke. für defensive Zwecke in den nächsten Kriegen
eine größere Rolle als sonst spielen wird. Auch durch diesen Umstand
ergiebt sich ein größerer Bedarf von solchen Leuten, in deren Bestimmung
es liegt, die Truppen die dazu nothwendigen Arbeiten nach ihrer
Anleitung ausführen zu lassen.
Wo es sich nun um Aus= und Einübung hoher technischer Fertigkiten
und um Erwerbung dazu nothwendiger Kenntnisse handelt, wie
beim Ingenieur-Corps, ist eine dreizährige Dienstzeit um so mehr gerechtfertigt,
je mehr die erworbene Kenntniß und Fertigkeit dem späteren
bürgerlichen Leben zu gute kommt. —
Daß die Kommission im Abgeordneten-Hause die Kosten für die
neun Train-Bataillone verwerfen wollte, war wohl ein Mißgriff zu
nennen, und es ist ein Glück, daß das Haus hier berichtigend eintrat.
Den Gliedern der Kommission mußte für den Augenblick das Bild nicht
mehr vorschweben, wie bis zur neuesten Zeit solch eine in Marsch gesetzte
unglückliche Train-Kolonne aussah, und wie es damit beschaffen war.
An der Spitze befand sich in der Regel ein alter, pflichttreuer, braver
Kavallerist, der aber seit zwanzig und mehr Jahren Civil -Beamter war;
ihm folgte in unendlicher Ausdehnung eine Reihe von knarrenden, brüchigen,
schlecht beladenen Wagen, fortwährend stutzend, haltend, weil bald bei
den Geschirren etwas riß, bei den Wagen etwas brach, oder sonst irgend
ein Hinderniß der Bewegung eintrat. Diesem Zuge zur Seite waren
zur Aufsicht solche Leute beigegeben, welche bei Kavallerie oder Artillerie
abkömmlich gewesen waren. Auf den Pferden faßen, oder richtiger
hingen, sogenannte Trainknechte, oft willige, gute Leute, aber auch viele
dergleichen, welche der Landrath mit Frenden zum Train abgesandt hatte
um sie los zu werden, darunter manche, welche niemals mit Pferden etwas zu
thun gehabt hatten. In Folge dessen folgten dem Zuge in der Regel in verschiedenen
Stationen Haufen von kranken, durchgezogenen oder gedrückten,
hinkenden und stöhnenden Pferden, von wüsten Kerlen geführt. An vielen
Orten fanden sich zurückgelassene Pferde solcher Kolonnen im jämmerlichsten
Zustande. — Was sollte auch der beste Commandeur mit solchem
Material anfangen! Von einer geregelten, geordneten Verwaltung konnte
laum die Rede sein, und die Annahme ist gerechtfertigt, daß manche dieser
Kolonnen in kurzer Zeit nicht mehr marschfähig gewesen wäre. Die For-