424 XIV. Preußen als Großmacht.
Bündniß zwischen Oesterreich und Frankreich wurde im December 1758
erneuert, aber dahin verändert, daß an Stelle von Hülfstruppen die
Kaiserin sich mit Subsidien begnügen wollte, und daß Frankreich
anstatt des „Kampfes bis zur Wiedereroberung Schlesiens“ nur seine
guten Dienste zur Wiedererwerbung versprach. Wie Preußen lehnte
auch England Friedens-Anerbietungen ab, die ihm unter der Bedin—
gung gemacht wurden, daß es sein Bündniß mit Friedrich aufgäbe.
Schweden wurde durch russische Aufmunterung und durch französisches
Geld zur weiteren Theilnahme an dem Kriege bestimmt, ja der neue
Papst Clemens XIII. (seit 1758) suchte die Fürsten gegen Preußen
aufzubringen, das sich ohne päpstliche Erlaubniß den königlichen Titel
angemaßt habe. So ging der blutige Kampf weiter, der je länger
je mehr für Friedrich ein bloßer Vertheidigungskrieg wurde, da alle
Mittel fehlten, angriffsweise zu verfahren. Die Provinz Preußen
war ganz in russischen, die Rheinlande meistens in französischen
Händen, die Neumark und ein Theil von Pommern waren furchtbar
verödet, die übrigen Provinzen mehr oder weniger vom Feinde aus-
gesogen. Seine meisten Hülfsmittel zog Friedrich deshalb aus Sachsen,
Mecklenburg-Schwerin und Güstrow, zum Theil auch aus Schwedisch-
Pommern und Anhalt, welches letztere, namentlich Zerbst, eine feindliche
Stellung gegen ihn angenommen hatte. Abermals mußten Kostbarkeiten
aus dem Berliner Schlosse zu Gelde gemacht werden, und mit England
wurde im December 1758 der Subsidien-Tractat erneuert. Nur mit
Mühe gelang es dem Könige, etwa 100,000 Mann auf die Beine zu brin-
gen, zumal da nach den geringen Erfolgen des vergangenen Jahres der
Zuzug von Ausländern sich bedeutend vermindert hatte. Mit so
geringer Macht sollte er nach allen Seiten hin zahlreichen Feinden
die Stirn bieten; er bedurfte daher bei so trüben Aussichten seiner
ganzen Geisteskraft, und das umsomehr, als er im Jahre 1759 vielfach
von harter Krankheit heimgesucht wurde, der sein schwacher Körper
unterliegen zu müssen schien.
Während der Plan der Feinde dahin ging, daß die Russen und
Oesterreicher sich mit einander verbinden sollten, um den König durch
Uebermacht zu vernichten, wendete dieser alles Mögliche an, um diese
Vereinigung zu verhindern. Deshalb hatte schon im Februar 1759
der General Wobersnow mit 4000 Mann einen Streifzug nach
Polen unternommen, dort bedeutende Magazine zerstört, welche für
das Vorrücken der Russen angelegt waren, und den polnischen
Fürsten Sulkowski gefangen mit sich geführt, der die Russen auf
alle Weise zu unterstützen bemüht war. Mit ebenso großem Glücke
gelang es dem Prinzen Heinrich, im Monat April aus Sachsen nach
Böhmen einzudringen und dort äußerst bedeutende Magazine zu ver-
nichten. Dann wandte er sich im Mai gegen die Reichs-Armee nach
Franken und richtete bis Bamberg und Nürnberg möglichst großen
Schaden an den Vorräthen derselben an, ging darauf nach Sachsen
zurück und schickte von dort aus dem Grafen Dohna Verstärkung, der
das Vorrücken der Russen unter Soltykoff nach Kräften verhindern