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2. Karl Marx und Genossen.
Schon bei der kurzen Schilderung von Lassalle's Wirken ist
der Name von Karl Marx wiederholt genannt worden, und wir
müssen nun mit diesem unheilvollen Manne uns näher beschäftigen,
welcher, im Gegensatze zu der von Lassalle in's Leben gerufenen
deutsch-nationalen, gesetzlichen und nur im Rahmen der heutigen
staatlich-politischen und gesellschaftlichen Ordnung sich haltenden
Arbeiterbewegung, jenen vaterlandslosen, kommnnistischen, revolu-
tionären und zuchtlosen Geist heraufbeschworen hat, welcher unsere
heutige deutsche Sozialdemokratie allein erfüllt. Nur wenn wir
Karl Marx näher treten, kann die verhängnißvolle Entwickelung
richtig verstanden werden, welcher die deutsche Sozialdemokratie seit
dem Tode Lassalle's sich ergeben hat.
Karl Marx war 1818 in Trier als Sohn eines höheren
Juristen oder Bergbeamten geboren. Er studirte in Bonn und
Berlin und wurde durch philosophische Studien von der Rechts-
wissenschaft, welcher er sich widmen sollte, abgezogen. Er wollte
sich in Bonn als Privatdozent habilitiren, als die freiere Regung,
welche mit der Thronbesteigung Friedrich Wilhelm's IV. in Preußen
erwachte, ihn der Journalistik zuführte. Seit 1843 lebte er im
Ausland, zuerst in Paris, seit 1845 in Brüssel. Hier begann
Marx auch seine agitatorische Thätigkeit, welcher er fortan bis zu
seinem 1883 erfolgten Tode nie wieder entsagt hat, wenn er auch,
je nach den Zeitumständen, dabei bald persönlich grell hervortrat,
bald ganz im Dunkel verschwand. Fast vierzig Jahre lang hat
Marx dieses traurige Handwerk der Aufwiegelung und Verhetzung
der ungebildeten Massen durch die niedrigsten Leidenschaften be-
trieben. Die unlösliche Verschmelzung von wissenschaftlichem Streben
und gemeinster Demagogie in seinem Wesen hat von jeher Freund
und Feind am meisten von ihm abgestoßen. So schreibt sein
glühender Bewunderer, der preußische Exlieutenant von Techow,
welcher mit Marx in den fünfziger Jahren das Exil in London
theilte, von ihm: „Ich bedauere um unseres Zieles willen, daß
dieser Mensch nicht neben seinem eminenten Geiste ein edles Herz
zur Verfügung zu stellen hat. Aber ich habe die Ueberzeugung,
daß der gefährlichste persönliche Ehrgeiz in ihm alles Gute zer-
fressen hat. Er lacht über die Narren, die ihm seinen Proletarier-
katechismus nachbeten, so gut wie über die Kommunisten, so gut
wie über die Bourgeois. Die einzigen, die er achtet, sind ihm die
Aristokraten. Um sie von der Herrschaft zu verdrängen, braucht er
eine Kraft, die er allein in den Proletariern findet, deshalb hat er
sein System auf sie zugeschnitten. Trotz all seiner Versicherungen
vom Gegentheile habe ich den Eindruck mitgenommen, daß seine