355
—— ——— — — — — —
Auch die Hresse arbeitete an der Zersetzung der öffentlichen
Meinung, und es gelang der Obersten Heeresleitung trotz aller Bemũhungen
nicht, sie einheitlich dem Vaterlande dienstbar zu machen.
Der Reichskanzler lehnte, wahrscheinlich in Rücksicht auf die Cinksparteien,
die Forderung ab, eine Stelle für ihre einheitliche Führung
zu schaffen. Auch fehlte das Derständnis für ihre Bedeutung, und so
arbeitete sie nach wie vor im zersetzenden Einfluß der Harteien und
verbreitete im Dolk unklare Ideen über die Segnungen eines Derständigungsfriedens
und einer dem Namen nach freisinnigeren Derfassung.
Sie gab dem Auslande ein zutreffendes Bild von der
inneren Zerfahrenheit und der politischen Unreife des deutschen
Dolkes. Auch die Sensur vermochte diese Sustände nicht zu ändern;
die Regierung aber sah in haltloser Schwäche zu und wagte es nicht,
energisch einzuschreiten. So wurde das Gift der falschen und unklaren
Meinungen im Interesse der vaterlandslosen Harteien immer weiter
verbreitet. Es war eine wahre Sispphusarbeit, die die Gberste
Beeresleitung politisch zu leisten hatte. Sie sah das Rotwendige ein,
stieß aber überall nur auf Schwäche, Tatenlosigkeit und unendlichen
Formelkram, der in Seiten, in denen es um das Dasein und die Ehre
des deutschen Dolkes ging, unendlich ernst genommen wurde, um
jede Tat zu vermeiden. Die Sozialdemokratie arbeitete ganz offen
an dem TNiedergange Deutschlands. Schon im Jahre 1015 bekannte
der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Ströbel, daß ein voller
Sieg des Reiches den sozialdemokratischen Interessen nicht entsprechen
würde. Wenn man dazu die ungeheure Tätigkeit der feindlichen
Dropaganda nimmt, die mit allen Mitteln arbeitete und in
Deutschland, das einer nachhaltigen Begeisterung unfähig zu sein
scheint, den Boden wohlvorbereitet fand, dann versteht man, daß
Kindenburg in seinen vaterländischen Zestrebungen immer wieder
scheiterte und nur in der Armee Wertvolles und Bleibendes erreichte.
Swar war diese durch die vielen Verluste ihrer Besten tief erschüttert,
aber noch war der Geist des Heeres gut, wenn es auch aus der
Heimat keinen Suwachs an moralischer Kraft erhielt. Es gelang
denn auch im Laufe des Winters, ihm die taktische Kraft der vergangenen
Seit wenigstens zum Teil wiederzugeben und Außerordentliches
auf diesem Gebiete zu leisten.
Sunächst wurden 15 Divisionen, allerdings auf Kosten der Bataillonsstärken,
neugebildet. Es wurden ferner zahlreiche TMeuformationen
an Feld- und schwerer Artillerie aufgestellt; eine eigene
Heeresfeldartillerie wurde geschaffen, die an den verschiedenen.
Kampffronten eingesetzt werden konnte. Die TLuftstreitkräfte und besonders
die Fliegerwaffe wurden sehr erheblich ausgebaut; Oberst
Thomsen machte sich besonders darum verdient. Die Fliegerabwehr
wurde verbessert. Aus einem großen Teile der Kavallerie wurden
Kavallerieschützenregimenter in Bataillonsstärke gebildet. Kolonnen
und Trains wurden bodenständig gemacht, weil ihr häufiger Trans-