IV. Die Jahre der Enttäuschung und Erniedrigung. 487
höheren Stände bezeichnen eher den Sklaven als den freien
hochgeborenen Deutschen.“ Und Gneisenau urteilte: „Mit Feigheit
haben wir einen Unterwerfungsvertrag unterzeichnet, der
uns mit Schande besudelt, Blut und Vermögen des Volkes
fremder Willkür preisgibt und die königliche Familie der augenfallendsten
Gefahr bloßstellt. Der König gibt sich seinem bittersten
Feinde, Hände und Füße gebunden, hin, der ihn sicherlich,
sofern Rußland besiegt werden sollte, vom Thron stoßen
oder, falls er selbst ein Unglück erfahren sollte, als Geisel bewahren
wird.“ Es gehört der ganze patriotische Idealismus
und die sittliche Energie, die in dieser Feuerseele flammte, dazu,
um nicht verhüllten Hauptes dem Untergange des Staates
zuzusehen, der der Stolz und die Hoffnung Deutschlands gewesen
war und nun von seinem König gehindert wurde, seiner großen
Vergangenheit würdig, wenigstens mit Ehren unterzugehen.
Nur ein ganz unerwarteter und, so darf man sagen, ein
unverdienter Glücksfall konnte den Fridericianischen Staat vor
dem Abgrund bewahren, in den sein König ihn sehenden Auges
und mit verschränkten Armen stürzen ließ. Würde er ihn aber
zu benutzen wissen, zu benutzen den Mut haben? Trat er wirklich
ein, so war es sittliche und patriotische Pflicht des Heeres
und des Volkes, auf dem Wege der Selbsthilfe die Wiederkehr
solcher Vorgänge, wie man sie eben knirschend erlebt, unmöglich
zu machen.
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