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uns bald heimisch, zumal schleunig der Versuch, eine besondere süddeutsche
Fraktion zu gründen, durch den sofortigen Eintritt der meisten
von uns in die national-liberale Fraktion beantwortet worden war.
Lasker war es vor allen, der uns das parlamentarische Leben erschloß
und auf diese höchst praktische Seite in dem Wirken des Idealisten
dürfte hier näher einzugehen sein. Im Preise seiner ganz ungewöhnlichen
Begabung, seiner Kenntnisse und Pflichttreue, der Reinheit und
Uneigennützigkeit seines Charakters stimmen auch diese Erinnerungen
freudig in den allgemeinen Chor ein, dafür bedarf es wahrlich keines
weiteren Zugeständnisses. Aber zur Erklärung der Thatfache, daß
Lasker in jenen Jahren weitaus den größten persönlichen Einfluß,
zumal auf die neueingetretenen Abgeordneten übte, mögen diese Erinnerungen
dienen. Geist und Charakter, feurige, überzeugende, hinreißende
Beredtsamkeit standen ja auch Anderen zu Gebote, es mag
nur an Benningsen erinnert sein. Aber keiner übte wie Lasker das
Amt des Führers. Persönlich trat er allen nah, freundlich, gefällig,
auch in den untergeordneten Dingen, wie in der Sorge für Plätze im
Reichstage, wie dann der Verfasser in dem ersten Sitzungslokal den
Platz neben Lasker durch seine Vermittlung erhielt. Wollte einer seine
Jungfernrede halten, den ersten Antrag stellen, eine Ansicht zur Geltung
bringen — er wandte sich an Lasker. Dieser gab dem Antrag
die korrekte, der Sprache des Gesetzgebers entsprechende Fassung, vermittelte,
daß der Neuling das Wort erhielt, was nicht so leicht ist,
als sich die Herren Wähler oft vorstellen. In der Debatte aber war
Lasker der erwünschte Helfer, der einsprang, wenn etwa die Unterstützung
notwendig wurde. Ebenso riet er ab, wo der Thatendrang
zu unnützer Rede verführen wollte, und wer seinem erfahrenem Rate
folgte, hatte es nicht zu bereuen! Manchem aber konnte er nach dem
Durchfall nachher sagen: ich habe Ihnen ja abgeraten! Lernen konnte
man bei ihm, wie bei keinem zweiten. Ueberall war Lasker zur Stellr,
der erste in der Fraktion, in der Versammlung, stets bereit, Freunden
sein Ohr, seinen Rat zu leihen. Aber noch weit mehr. Mit seiner
Ueberlegenheit war er Jahre lang maßgebend, zumal in der Fraktion.
Andere fehlten oft, Geschäfte riefen oft ab, Lasker fehlte nie. Und
wie viel der erste Eindruck, das erste gescheidte Wort wirkte, das zeigte
Lasker. Da war irgend eine Vorlage ausgegeben, gleichviel welche;
sei es das umfassende Invalidengesetz, oder die Strafnovelle, oder die
Justizgesetze, oder jährlich der Etat. Man kam in die Fraktionssitzung,
die meisten hatten die Vorlage kaum flüchtig angesehen, hatten noch
keine Zeit gehabt, zu lesen, zu studieren. Lasker aber hatte schon die