Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1867. (58)

Die  „Silfe“  der  Entente.

Amster  dam,  28.  Jan.  „Tijd“  bespricht
in  ein  go  Artilel  die  Ereignisse  in  Montenegro
und  s###  #ibt:  Die  Unterstützung  der  Entente
beschränkt  sich  offenbar  darauf,  geflüchtete  Kinigshäuser
  kleinerer  Bundesstaaten  aufzunehmen.
  Ohne  jeden  Zweifel  werden  Serbien  und
Montenegro  eine  ernste  Warnung  für  Griechenland
  und  Rumänien  bilden,  falls  diese  Länder
überhaupt  noch  daran  denken  sollten,  die  Seite
der  Entente  zu  wählen.

Die  gefangenen  Könige.

Basel,  28.  Jan.  Ein  Belgier,  der  durchaus
  nicht  deutschfreundlich  ist,  denn  sonst  würde
er  sein  Haus  in  Brüssel  nicht  im  Stich  gelassen
  haben  und  in  der  Schweiz  wohnen,  hatte
mit  einem  Reichsdeutschen  eine  Unterhaltung
über  den  merkwürdigen  Umstand,  daß  König
Nikolaus  wie  ein  Gefangener  der  Entente  nach
Frankreich  ins  Exil  gegangen  ist.  Der  belgische
Herr  meinte,  Nikolaus  sei  jetzt  ebenso  ein  Gefangener
  Englands  im  Gewahrsam  Frankreichs,
wie  König  Albert  von  Belgien  schon  längst.
Auf  den  Einwurs,  daß  König  Albert  doch  gewiß
  kein  Gefangener  sei,  sondern  sich  ganz  frei
inmitten  seiner  eigenen  belgischen  Soldaten  bewege,
  erklärte  der  Belgier,  san  sei  in  großem
Irrtum,  wenn  man  glaube,  König  „Albert
ein  freier  Mann  sei.  Wenn  r  frei  wäre,  so
hätte  er  längst  mit  Deutschland  Frieden  gemacht,
  denn  er  habe  längst  erkannt,  daß  er
schlecht  beraten  war,  als  er  als  konstitutioneller
Herrscher  die  Abmachungen  seiner  Minister  mit
England  in  die  Tat  umsetzte.  Seine  Hände
sind  ihm  aber  auch  heute  noch,  nicht  nur  von
England,  sondern  auch  von  seinen  eigenen  Ministern
  in  Le  Haore  gebunden.  (N.)

Englische  Heuchelei.

London,  28.  Jan.  Die  Parlamentssession
wmurde  geschlossen.  In  der  Thronrede  wird  gesagt:
  18  Monate  lang  stehen  meine  Flotte
und  die  Armee  zusammen  mit  den  tapferen
Verbündelen  Englands  im  Kampfe  um  die  gemeinsame
  Freiheit  und  das  öffentliche  Recht
Eurc  gegen  die  unmotivierten  Angriffe  des
Feinocs,  in  einem  Kampfe,  der  uns  ausgezu
  ungen  wurde  von  jenen,  welche  die  Freiheit
und  die  Verträge,  die  wir  beilig  halten,  leicht
nehmen.  Wir  werden  unsere  Wassen  nicht
niederlegen,  bis  wir  der  Sache,  die  die  Zukunft
  und  die  Zivilisation  auf  ihrer  Seite  hat,
zum  Triumph  verholfen  haben.  Ich  verlasse
mich  voller  Vertrauen  und  die  loyalen  vereinigten
  Anstrengungen  aller  meiner  Untertauen,
  die  mich  niemals  im  Stich  gelassen  haben.
  Ich  bete,  daß  der  allmächtige  Gott  uns
seinen  Segen  gebe.

Kardinal  Mercier  in  Romt
u##c  Rom,  28.  (Agenzia  Stefani.)  Der
an  empfing  Kardinal  Mercier  in  einer  langen
Audienz.
Eine  Rede  Wilsons.

Neuyork,  27.  Jan.  (Reuter.)  Wilson  sprach
sich  in  einer  Rede  bei  einem  Bankett  für  militärische
  Bereitschaft  aus.  Er  habe  immer  für
den  Frieden  gelämpft,  aber  Freiheit  und  Ehre
seien  wichtiger  als  der  Friede.  Die  Amerikaner
werden  niemals  einen  Streit  suchen,  ihn  aber
auch  nicht  seige  vermeiden.  Der  Präsident  erllärte:
  Ich  kann  nicht  sagen,  welches  die  internationalen
  Beziehungen  dieses  Landes  morgen
  sein  werden;  ich  meine  morgen  im  buchstäblichen
  Sinne  des  Wortes.

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Amerikas  Vorschlag  für  den
II.  Bootkrieg.

VLondon,  27.  Jan.  Der  Walhingtoner
Korrespondent  der  „Evening  Post“  erklärt,
Staatssekretär  Lansing  habe  vor  einigen  Tagen
dem  englischen  Botschafter  Spreng-Rice,  dem
französischen  Jusserand  und  anderen  Vertretern
von  Regierungen  der  Alliierten  ein  Memorandum
  über  die  Regelung  des  Unterseebootkrieges
überreicht,  in  dem  1.  verlangt  wird,  daß  die
Alliierten  zustimmen,  mit  der  Bewaffnung  ihrer
Handelsschiffe,  welcher  Art  immer  sie  sein  möge,
aufzuhören,  2.  mitgeteilt  wird,  daß,  wenn  dem
obigen  Vorschlag  zugestimmt  werde,  Deutschland
und  Oesterreich=  Ungarn  ersucht  werden,  zu  versprechen,
  kein  Handelsschiff  ohne  Warnung  zu
torpedieren,  sondern  von  dem  Rechte,  an  Bord
der  Schiffe  zu  gehen,  die  zu  untersuchen  sind,
Gebrauch  zu  machen  und,  wenn  sie  die  Vernichtung
  des  Schiffes  in  gesetzmäßiger  Weise
verfügen,  die  Passagiere  und  die  Mannschaft
in  Sicherheit  zu  bringen.

Die  „Lulitania“-Angelegenheit.

Köln,  28.  Jan.  Die  „Köln.  Ztg.“  meldet
Gus  Washinglon:  Die  „Lusitania“-Angelegenheit
  erscheint  wieder  düsterer.  Die  Regierung  in
Walhington  besteht  darauf,  daß  Deutschland  zugebe,,
  der  Angriff  auf  das  Schiff  sei  völkerrechtswidrig
  gewesen,  wenigstens  insoferne,  als  Amerikaner
  dadurch  zu  Tode  kamen.  Sie  stellt  für
den  Fall,  daß  Deutschland  diese  Auffassung

 

 

  
 
 
 
  
  
   
     

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Use  Lroberung

anerlennt,  Indemnität  in  Aussicht  und  will  die
Sache  Deutschland  nicht  nachtragen.  (I)  Aus
der  Anerkennung,  daß  es  sich  um  eine  ungesetzliche
  Handlung  handle,  ergäbe  es  sich  aber  von
selbst,  daß  ihre  Verweisung  an  das  Haager
Schiedsgericht  unmöglich  sei.  Es  ist  wieder  viel
die  Rede  davon,  daß  die  Irrbandlungen  abgebrochen
  werden  könnten.  (3.)

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Stillst

Was  geht  in  Italien  vor?

Zürich,  28.  Jan.  Der  italienische  Ministerpräsident
  Salandra  soll  nach  Gerüchten  ermordet
  worden  sein.  Die  Meldung  ist  nirgends
bestätigt  worden  und  verdient  auch  keinen  Glauben.
  Die  Verhältnisse  in  Italien  steuern  einer
schweren  Krisis  zu.  Eine  römische  Korrespondenz
  in  der  „Neuen  Zürcher  Zeitung“  berich
tet  über  die  trostlose  Stimmung,  meint  aber,
ein  halbes  Jahr  sei  die  äußerste  Spanne  für
die  Haltbarkeit  der  Dinge.  Bis  dahin  werden
aber  die  jetzigen  Machthaber  Italiens  immer
tiefer  hineingeraten.  Zurzeit  löst  ein  Minister
rat  den  anderen  ab.  Es  handelt  sich  um  Al
banien.

Italiens  Kohlenmangel.

London,  28.  Jan.  Das  „Reutersche  Bureau“
  meldet:  Die  „Times“  erfahren  aus
Rom,  daß  die  Schwefelminen  auf  Sizilien  in
jolge  des  hohen  Preises  der  für  die  Schwefel
gewinnung  nötigen  Kohlen  geschlossen  wurden.
Ungefähr  100.000  Arbeiter  feiern.

Das  Vallanmniernehmen.

Räumung  Valonas.

Lugano,  268.  Jan.  Aus  Bari  wird  ge
meldet:  Aus  Valona  trafen  hier  zwei  Dampfer
  mit  den  Mitgliedern  der  dortigen  italienischen
  Kolonie  ein.  Die  Stadt  wird  von  der
Zivilbevölkerung  verlassen.  (3.)
Militärische  Maßnahmen

in  Griechenland.

Budapest,  28.  Jan.  Der  „Pester  Lloyd“
berichtet  aus  Athen:  Eine  Verordnung  von  heute
stellt  den  Hafen  von  Piräus  unter  militärischen
Oberbefehl.  Die  Zivilpersonen  wurden  angewiesen,
  sich  bei  Einrtitt  der  Dunkelheit  in  ihre  Bebansungen
  zurückzuziehen.  Nach  einer  Meldung
aus  Athen  wurden  gestern  50  000  Mann  der
Fapreskassen  1889,  1890  und  1891  einberuen.
  (J.)

Die  Vergewaltigung  Griechenlands.


VParis,  26.  Jan.  (Agence  Havas.)  Eine
Abteilung  Marinsinfanterie  von  einem  unserer
in  der  Nähe  von  Castellorizo  stationierten
Kriegsschiffe  landete  am  Donnerstag  auf  einer
benachbarten  Insel.  Freiwillige  aus  Castellorizo
  schlossen  sich  den  Marinesoldaten  a#n,  deren
Unternehmen  von  zwei  bewaffneten  Fischerfahrzeugen
  unterstützt  wurde,  welche  die  Garnison
in  Schach  hielten.  Der  Kapitän  und  25  Mann
bemächtigten  sich  zahlreicher  Schriftstücke.  Das
Unternehmen  erlaubte  zahlreichen  griechischen

Familien,  die  vorher  die  Insel  bewohnten,  zu

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fliehen  und  an  n  ihren  Herd  zurückzulehren.

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Die  Lage  der  deulschen  Seilangen.
W'rL  Berlin,  28.  Jan.  Eine  nach  Berlin
  einberufene  von  mehr  als  300  Mitgliedern
aus  alten  Teilen  Deutschlands  besuchte  außerordentliche
  Hauptversammlung  des  Vereins
Deutscher  Zeitungsverleger  beschäftigte  sich  am
23.  de.  Mts.  eingehend  mit  der  überaus  erunen
Lage  der  deutschen  Zeitungen.  Im  Vordergrund
der  Erörterungen  stand  die  Papierfrage.  Es
wurden  folgende  Entschließungen  gefaßt:

Um  die  bereits  eingetretenen  Schwierigkeiten
bei  der  Beschaffung  von  Zeilungedruckpapier
nicht  zu  einer  Papiernolt  ausarten  zu  lassen,  beauftragt
  die  heutige  außerordentliche  Hauptversammlung
  des  Vereins  Deutscher  Zeilungsverleger
  den  Vorstand,  unverzüglich  mit  der  Reichsregierung
  in  Verbindung  zu  treten,  um  diese
zu  veranlassen,  int  Einvernehmen  mit  dem  Vorstande
  des  Vereins  Deutscher  Zeitungsverleger
und  nach  dessen  Vorschlägen  auf  dem  Verordnungewege
  eine  zweckentsprechende  Einschränkung
des  Verbrauchs  von  Zeitungsdruckpapier  während
  der  Kriegsdauer  herbeizuführen.

Die  heutige  außerordentliche  Hauptversammlung
  des  Vereins  Deutscher  Zeitungsverleger
beauftragt  den  Vorstand,  den  Herrn  Reichslanzler
  zu  bilten.  gemeinsame  Verhandlungen
zwiischen  den  deutschen  Zeitungsdruckpapier-Fakrilanen
  und  den  deutschen  Zeitungsverlegern
unter  Leitung  der  zuständigen  Regierungskellle
zu  veranlassen,  um  für  die  Zukunft  Verkaufspreise
  für  Zeitungsdruckpapier  festzuseßen,  die
ein  ungestörtes  Forterscheinen  der  deutschen  Zeitungen
  ermöglichen.  Gleichzeitig  beauftragt  die
außerordentliche  Hauptversammlung  den  Vorstand,
  die  Bestrebungen  der  deutschen  Druckpapierfabriken
  zur  Aufrechterhaltung  ihrer  Betriebe
  mit  allem  Nachdruck  zu  unterstützen.

In  der  Oeffentlichkeit,  selbst  bei  einer  großen
Anzahl  von  Behörden,  ist  die  irrige  Auffassung
verbreitet,  daß  die  Zeitungererleger  durch  die
bei  einzeinen  Blättern  während  des  Rrieges
eingetretene  Steigerung  der  Auflage  mehr  oder
weniger  hohe  Geschäfts-Gewinne  erzielt  hättlen.
  Es  wird  dabei  ganz  übersehen,  daß  die  Einnahmen
  aus  dem  Anzeigengeschäft,  die  das  finanzielle
  Rückgrat  jeder  deutschen  Zeitung  bilden,
  ausnahmslos  siark,  ja  in  vielen  Fällen
um  mehr  als  die  Hälfte  zurückgegangen  sind.
Dabei  sind  die  Ausgaben  für  die  Herstellung
der  Zeitungen,  insbesondere  des  redaktionellen
Teiles,  außerordentlich  gestiegen,  so  daß  sich
das  Jeitungsgeuerbe  durchweg  in  einer  Notlage
  befindet.  Eine  ganze  Anzahl  von  Zeitungen
  ist  daher  seit  Ausbruch  des  Krieges  zum  Erliegen
  gekommen  und  hat  das  Erscheinen  eingestellt.


Die  Versammlung  glaubt  diese  Aufklärung
der  Oeffentlichkeit  unterbreiten  zu  müssen.

Eine  patrieisee  Rebe

Berlin,  28.  Jan.  Die  städtischen  Behörden
  begingen  den  Geburtstag  des  Kaisers  durch
eine  schlichte,  gemeinsame  Feier  im  großen  Festsaal
  des  Rathauses.  In  seiner  Festrede  sagle
Oberbürgermeister  Wermuth  u.  a.:

Auch  diesmal  halten  wir  kein  Fest.  sondern
einen  ernsten  Rückblick  und  Ausblick,  freilich
einen  anderen  als  vor  einem  Jahre.  Die  Kriegszeit
  ist  gereift  und  wir  mit  ihr.  Das  Jahr
zwischen  den  zwei  Geburtstagen  war  in  Kampf
und  Arbeit  mit  Erfolg  auf  Erfolg  gesegnet.
Wohl  weiß  ganz  Deutschland,  daß  noch  mäch- 



 

tige  Wellenber  vor  uns  liegen,  daß  noch  einmal
  die  volle  Wucht  des  Ringens  beginnen  kann.

 

Aber  kein  noch  so  heftiger  Anprall  wird  den
deutschen  und  verbundeten  Heeren  das  Guthaben
  zunichte  machen,  das  sie  in  unendlicher
Mühsal  in  das  Kontobuch  ihrer  Länder  mit
stählernem  Eriffel  eintrugen.  Und  wir  in  der

imat  üben  derweil  geschulten  Mutes  unsere
Stärkungs-  und  Auffrischungspflicht,  selbst  gestärkt
  durch  frohes  Gedenlen  an  das,  was  schon
überwunden  ist,  was  dem  Kaiser  und  dem  Lande
Gutes  beschert  ist.

Unser  Koiser  steht  jetzt  in  der  Mitte  zwischen
dem  Alter,  in  dem  der  große  Friedrich  von  einem
  Schlachtfelde  zum  anderen  flog,  und  den
hohen  Jahren,  deren  Bürde  der  ehrwürdige
erste  Wilhelm  abschüttelte,  um  in  drei  Feldzügen
  das  Reich  zu  schmieden.  Helläugig,  beweglich,
  überall  am  Platze,  nirgends  versagend,
bildet  er  den  Mittelpunkt  der  ungeheuren
Kriegsgewühle.  Sein  Antrieb,  seine  Ermuti
gung  dringt,  wo  er  auch  weilt,  in  die  nahen  und
fernen  Kriegerreihen.  Unablässig  folgt  sein  freudig
  anerkennendes  Urteil  den  Feldherren  und
all  den  Tapferen,  deren  Namen  er  in  die  Blätter
  der  Geschichte  einzutragen  sich  muht.  Nur
über  seinen  eigenen  tieferen  Anteil  an  all  den
retlenden  Ereignissen  schweigt  er,  schweigen  die
amtlichen  und  nichtamtlichen  Tagesberichte.  Da
mag  heute  der  Tag  sein,  an  dem  aus  nicht
schmeichelndem  Burgermunde  ihm  herzliches  Lob
entgegenschallt.  Ganz  und  gar  wacker  hat  er
sich  gehalten  im  Toben  des  Orkans,  unser  lieber
Kaiser,  und  nenn  wir  fur  jetzt  nicht  erfahren,
auf  welchem  Felde  des  Weltschachbretts  der
Konig  stand  und  sieht,  so  viel  erkennen  wir  doch.
daß  ohne  ihn  das  Ineinandergreifen  der  wage
mutigen  Meisterzuge  nicht  so  vollendet  hätten
jein  können,  daß  er  Türme  wie  Bauern  u
sammenhält  und  deckt.  Heil  darum  und  Sie;
auch  ferner  unserem  erprobten,  vor  Gott  demrligen
  Kaiser!

Der  schome  Lohn  des  Handelns  und  Feit
haltens  wird  für  Kaiser  und  Volk  der  Friede
sein.  Aber  nicht  wmir  sind  es,  deren  Sehnen
ihn  näber  bringt.  Gibt  der  Femd  die  kläglich
gescheiterte  Umernehmung  auf,  so  beansoruch:
er  dafur  einen  unvergänglichen  Ebrenplatz  in
der  Geichichte.  Wenn  aler  die  Mittelmäch:
Lond  um  Land  erobern,  so  tun  sie  das  nur  aus
Verzmeiflung.  Da  hüift  nichts  al?  weiterläm
fen.  Mussen  mir  gewärtig  sein,  daß  die  Gegner
zu  einer  neuen,  vielleicht  legten  Prode  aushalten.
muß  Deutichland  sie  abermals  enttäuschen,  damit
sie  endlich  die  nackie  Wahrbeit  sehen,  so  sei
es  darum.  Wer  das  Ende  des  Krieges  will,
soll  den  Krieg  männlich  an  sich  pressen,  bis  dieser
  das  kondare  Gut  des  Friedens  mürrisch
herausgitt.  Deshalb  spricht  unser  Land  nicht
von  Frieden,  es  schreit  nicht  nach  Frieden,  aber
es  ficht  und  arbeitel  für  ihn;  arbeitet  mit  ungeminderter
  Kriegstüchtigkeit  und  mit  täglech
wieder  erweckter  Anspannung.  Wer  an  ein  An
deres,  als  einzig  an  das  bedrängte  Vaterland
denken  lann,  vergeudet  uneindringliche  Kriegswohlfahriszeit
  und  unterbricht  das  gemeinsame
Verantwortlichkeitsgefuhl.

Niemals  lag  eine  so  schwere  Verantwortung
auf  irgend  einem  Volle.  Was  Deutschlaur
heute  erstreitet,  erduldet  oder  ungetan  läßt,  das
wird  illem  auf  hunderte  von  Generationen  zum
Segen  oder  Uniegen  sein.  Wir  sind  geweiht
zu  Zeugen  und  Mitvollziehern  an  der  feierlichen
  Zeit,  mir  sind  ausersehen  zu  ehrfurchts.
voller  Danktarkeit  oder  zu  herbem  Tadel  lom
mender  Ceschlechner.  Und  so  ist  jeder  Deutsche
der  Jeötzeit  Trager  einer  hunderktfachen  Pflicht,
mag  er  selbl  ka:  npien  oder  den  Kämpfern  durch
hingebende  Tat,  ja  auch  nur  durch  Stillehal
ten  und  Entdehren  den  Rücken  stärken.  Sei  es
in  Spannung  der  Rriegsoflicht,  sei  es  im  Dienste
der  Wundenheilung,  die  mit  Friedensschluß  beginnt:
  Wir  alle  stehen  dann  mutig  für  einen
Mann.

Die  Rede  klang  in  ein  begeistert  ausgenomme.
nes  Hoch  auf  den  Kaiser  aus.

Soz'ele  Kundschan.

München.  28.  Jan.  Die  Tarifverhandlungen
  im  deutschen  Malergewerbe,  welche
am  25.  Jonuar  im  Reichsamt  des  Innern
stamsanden,  kamen  noch  am  gleichen  Taoge  zum
Alschluß.  Die  Parteien  lamen  dahin  überein.
für  die  Lauer  des  Krieges  eine  Kriegszulage
von  5  lezm.  6  Pfg.  auf  die  bisherigen  Stun
denlohne  festzulegen.  Die  getroffenen  Verein
Larungen  gelten  bis  15.  Februar  1917.  Wenn
bis  zum  31.  Dezember  1917  unter  den  euro
päischen  Großmächten  keine  Friede  zustande
lommt.  dann  gelten  die  Vereinbarungen  bie.
15.  Gebruar  1918  ohne  weitere  Lohnzusäße.
Leßtere  Erklärung  murde  von  den  Vertretern
der  Arbeitgeber  mit  Vorbehalt  abgegeben.  Die
vertragschließenden  Parteien  haben  bis  zum  15.
Februar  ihre  Zustimmungserklärungen  dem
Reich  amt  mitzuteilen.

Bawerische  Nachrichten.

Candshut.  28.  Jan.  Eine  interessante  Rech
nung  macht  ein  „Eingeweihter"  in  der  „Landsh.
Zig.“.  Er  weist  mit  reichlich  Jahlenmaterial
nach,  daß  im  Jahre  1811  der  Bierbrauer  am
Sud  342  Mk.  verdiente.  Im  Gegeahre  1915
verblieben  den  Bierbrauern  940  Mk.  (1).  Während
  die  Ausgaben  um  7½  Proz.  gestiegen  sind.
stiegen  die  Einnahmen  um  57  Prozent.  Aus