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Es stehen hierzu drei Mittel zur Verfügung: die Auflösung des Fleisches durch
starke Säuren, durch starke Alkalien und durch die peptische Verdauung. Die einwandfreieste
Methode darunter ist jedenfalls die letzte, da die Verdauung in schwach
saurer Lösung stattfindet, wobei die Fette praktisch gar nicht angegriffen werden.
Auch von starken Säuren werden die Fette in den in Betracht kommenden Zeiten
kaum hydrolysiert; dagegen bekommt man mit starken Alkalien zunächst Seifen, die
nachträglich auf Fett umzurechnen sind. Dieses Verfahren charakterisiert sich daher
von vornherein als das weniger einfache.
Den Weg der peptischen Verdauung beschritt zuerst Dormeyer!), und es sind
ihm darin N. Schulz?), E. Voit®), Köhler*), Kumagara und Suto?°) u. a. gefolgt.
Ein gewisser Einwand gegen die Methode, der nach Nerking°) darin bestehen sollte,
daß durch dieselbe nicht nur das im Gewebe vorgebildete Fett bestimmt werde,
sondern auch noch Fett, das als Radikal einen Bestandteil der Eiweißstoffe ausmache
und bei der peptischen Verdauung daraus gelöst werde, konnten Posner und Gies’)
zurückweisen. Nach diesen Autoren ist in den Eiweißsubstanzen kein fettartiger
Kern enthalten.
Dormeyer, dem es vor allem auf eine kritische Bearbeitung und Beurteilung
des Extraktionsverfahrens ankam, ging so vor, daß er das getrocknete und gepulverte
Fleisch zunächst einige Zeit mit Äther extrahierte und darauf durch Verdauen mit
Pepsinsalzsäure löste. Nachdem die Hauptmenge des Fleisches sich gelöst hatte,
filtrierte er von ungelösten Resten ab. Diesen Rückstand extrahierte er von neuem
mit Äther, und das Filtrat (das Verdauungsgut) schüttelte er mit Äther aus. Sämtliche
Ätherlösungen wurden vereinigt, verdampft und aus Petroläther umgelöst.
Hat man sich erst für die Brauchbarkeit des Verdauungsverfahrens entschieden,
so liegt es nahe, dieses einfacher zu gestalten. Man wird zunächst die Trocknung
des Fleisches wegfallen lassen, da sie ja für die Verdauung nicht nur nicht benötigt
wird, sondern ihr abträglich ist, da das trockne Fleischpulver von der Pepsinsalzsäure
naturgemäß viel schwerer angegriffen wird. In der Tat löst sich das frische gewiegte
Fleisch darin ohne nennenswerten Rest auf, während vom getrockneten Pulver noch
eine solche Menge übrig bleibt, daß es sich nach Dormeyer verlohnte, dieselbe noch
eigens zu extrahieren.
Bei den unten anzuführenden Versuchen wurde daher so verfahren, daß die
Gewinnung des Fettes in einer Operation erfolgte: das frische, gewiegte Fleisch wurde
in Pepsinsalzsäure gelöst und die durch die Verdauung erhaltene Lösung mit einer
stets gleichen Menge Äther ausgeschüttelt. Das Ausschütteln mit einer bekannten
und immer gleichbleibenden Menge Äther hat den Vorteil, daß die Verunreinigung
des Ätherextraktes mit Nichtfetten, wie Milchsäure, stickstoffhaltigen, basischen
') Ebenda 65, 90 (1897).
”) Ebenda 66, 145 (1897).
?, Zeitschr. f. Biol. 85, 655 (1897).
‘*) Zeitschr. physiol, Chem. 81, 479 (1901).
°, Hofmeisters Beiträge 4, 185 (1904).
°®, Pflügers Archiv 85, 330 (1901).
”) Amer. Journ. Physiol. 7, 331 (1902).