!IV. Reformation und ständisches Negiment. 225
der Evangelischen. Auch nach dieser Seite wollten die Herren,
die nach der Mühlberger Schlacht vom Kaiser verfügte Herstellung
der Reichonnmmittelbarkeit der märkischen Biotümer,
die Joachim in umständlichen juristischen und historischen Deduktionen
bekämpfte, möglichst ausnutzen. Gern hätten sie den
übereifrigen protestantischen Geistlichen Ellerfeld, der dem einträglichen
Geschäft mit den Wilonacker Wunderhostien durch
Verbrennung derselben vor Zeugen hatte ein Ende machen wollen,
selbst verbrannt: Joachim verwies ihn bloß des Landes. Daß
sie Friedrich, als er 1552 Erzbischof von Magdeburg wurde,
zum Verzicht auf das Havelberger Biotum zu drängen suchten,
besserte ihr Verhältnio zu Joachim nicht. Dennoch gab das
Kapitel, als Friedrich im Oktober 1552 starb, dem Drucke
nach und wählte Zoachims Enkel, Joachim Friedrich, den siebenjahrigen
Sohn des Kurprinzen Johann Georg, zum Bischof, für
den der Vater die Regierung übernahm. An dem katholischen
Brauch aber, der in Havelberg herrschte, wurde damit nichts
geändert, und erst nach dem 1561 erfolgten Tode Konradis
trat auch dort die märkische Kirchenordnung in Kraft. Schneller
endete der Kampf zwischen dem altkirchlichen Kapitel und der
evangelischen Bevölkerung im Bistum Lebus. Die gewaltsame
Beseitigung eines wunderthätigen Marienbildes zu Göritz durch
Markgraf Zohann 1551 war nicht nach dem Sinne Joachims;
doch hatte er auch dort im Herbst 1550 nach dem Tode George
von Blumenthal die Wahl eines seiner Prinzen betrieben, dann
den trotzdem gewählten ehemaligen Berliner Dompropst Redorfer,
einen der bedeutendsten Vertreter der alten Kirche in der Mark,
zum Rücktritt genötigt. Andere Umstände machten die Stellung
des ebenfallo gegen seinen Willen gewählten Brandenburger
Dompropstes Horneburg unhaltbar: ohne des Landesherrun Hilfe
drohten dessen Schulden das finanziell bedrängte Bistum vollends
zu ruinieren. So fügte sich das Kapitel endlich nach Horneburgs
Tod dem Verlangen Joachims und wählte im Juli 1555
seinen nun zehnjährigen Enkel Joachim Friedrich zum Bischof.
Die Verwaltung übernahm sein Vater, der Kurprinz. Er leitete
nicht nur die Herstellung finanzieller Ordnung und die Säku—
larisierung des Biotums ein, sondern verhalf auch, nicht ohne
Prutz, Preuhiche Geschi bie. 1. 15