138 IV. DIE EINKREISUNG DEUTSCHLANDS.
geflüchteten Schiffe Streit zwischen Deutschland und Japan entstehen
und Japan sich bei England auf den casus foederis berufen
könnte. Er war sehr befriedigt, als ihm Graf Metternich alsbald
mitteilte, daß nach den völkerrechtlichen Regeln die russischen
Schiffe entwaffnet wären und die Besatzungen festgehalten würden.
Mit den absoluten Garantien, die der Kaiser in dem Briefe
an den Zaren vom 7. Dezember 1904 forderte, hat es folgende
Bewandtnis:
Am 27. Oktober 1904 schrieb der Kaiser an den Zaren mit
Vorwissen des Grafen Bülow, im Hinblick auf die Gefahr eines
Konflikts mit England wegen der Kohlenversorgung empfehle
es sich, Frankreich auf seine im Zweibund übernommenen
Pflichten hinzuweisen; obgleich Delcasse ein begeisterter Anhänger
Englands sei, würde er doch begreifen, daß die britische
Flotte ganz außerstande sei, Paris zu schützen. Dieser Gedanke
deckte sich ungefähr mit der obenerwähnten Geiseltheorie
Holsteins. Auf diese Weise würde sich eine mächtige Gruppe
von drei der stärksten Kontinentalmächte bilden. Vorher, am
24. Oktober, hatte Holstein bereits den Vorschlag eines
Kontinentalbündnisses, das sich im Endeffekt nur wenig
von dem von Bülow im Jahre 1902 abgelehnten neuen ostasiatischen
Dreibund unterschied, mit dem russischen Botschafter
Grafen Osten-Sacken besprochen*). Am 30. Oktober ging ein
vom Zaten gewünschter Vertragsentwutf nach Petersburg ab,
nach dem sich beide Teile für den Fall eines Angriffes einer
europäischen Macht mit allen ihren Kräften zu Lande und zur
See beistehen und daß sie gemeinsam Frankreich an die von ihm
in dem französisch-russischen Zweibund übernommenen Pflichten
erinnern sollten. Der Vertragsentwurf war von einem langen
*, Wie Admiral v. Tirpitz in seinen „Erinnerungen“ mitteilt,
wurde am 31. Oktober 1904 eine Konferenz beim Reichskanzler abgehalten,
der außer dem Admiral der Chef des Generalstabs Graf Schlieffen,
der Staatssekretär Frhr. v. Richthofen und Herr v. Holstein beiwohnten.
Herr v. Tirpitz und Frhr. v. Richthofen hielten die Psychologie Holsteins
für falsch, der in seinem Vortrag meinte, der militärische Druck der vereinigten
Mächte Deutschland und Rußland würde den Franzosen zum
Beitritt veranlassen.