Metadata : Demokratie und Kaisertum.

Es  wird  nicht  genügen,  hier  bloß  von  einem  weniger  gut  unterrichteten
-Kaiser  an  einen  besser  zu  unterrichtenden  zu  appellieren,  es  kann  nicht  genügen,
  da  dieser  Entwurf  ein  Stück  des  Systems  gewesen  ist,  das  bisher
gewaltet  hat.  Das  System,  zu  dem  er  gehörte,  war  die  Politik  der
„Sammlung“,  die  wir  früher  beschrieben  haben.  Von  diesem  Gesichts—
punkt  aus  wird  das,  was  bisher  geschehen  ist,  in  seiner  traurigen  Not—
wendigkeit  begriffen  werden  können,  und  von  ihm  aus  wird  auch  das
Zutrauen  wachsen,  daß,  wenn  einmal  diese  Politik  der  Sammlung  von
Agrariern  und  Kohlenfürsten  vorüber  ist,  derartiges  nicht  wiederkehrt.
Wenn  es  richtig  ist,  was  wir  ausführen,  daß  der  Kaiser  der  oberste
Kopf  der  neudeutschen  Industrieentwickelung  ist,  so  hat  er  dieselben  Ver—
bindungsmöglichkeiten  wie  die  industrielle  Aristokratie  nach  rechts  und  links.
Solange  die  Verbindung  nach  rechts  besteht,  erneuern  sich  natürlich  die
Versuche  der  Eindämmung  der  Organisation  der  Arbeiter.  Ist  aber  ein—
mal  diese  Verbindung  zu  Ende,  ist  die  Zeit  vorbei,  wo  Kaiser  Wilhelm  II.,
wie  Graf  Douglas  vor  17  Jahren  sich  ausdrückte,  „Kartellkaiser“  ist,
dann  wird  er  es  gerade  sein,  der  mit  seiner  ganzen  persönlichen  Dringlichkeit
  und  mit  dem  ganzen  Erfolge,  den  seine  Worte  bei  den  führenden
Industriellen  haben  müssen,  diesen  klar  macht:  der  Arbeiter  kämpft  um
sein  Zrot;  ihm  gebührt  dabei  gleiches  Recht  und  gleiche  Sonne!  Daß  der
Arbeiter  das  Recht  hat,  für  Derbesserung  seiner  Lage  zu  kämpfen,  hat
Wilhelm  II.  mitten  im  heftigen  Streit  gegen  die  Sozialdemokratie  immer
voll  anerkannt,  noch  1002  in  Breslau,  wo  er  saste:
Sendet  uns  eure  Freunde  und  Kameraden  aus  eurer  Mlitte,  den  einfachen
  schlichten  Mann  aus  der  Werkstatt,  der  euer  Dertrauen  besitzt,  in  die
Dolbsvertretung.  Der  stehe  ein  für  eure  Wünsche  und  Interessen,  und  freudig

werden  wir  ihn  willkommen  heißen  als  Arbeitervertreter  des  deutschen
Arbeiterstandes,  nicht  als  Sozialdemokraten.

In  diesen  Worten  liegt  die  Anerkennung  des  HKlassenstandpunktes
der  Arbeiter,  eine  Anerkennung,  die  grundsätzlich  weit  über  das  binausgeht,
  was  bürgerliche  Redner  dem  Arbeiter  zuzugestehen  pflegen.  Der
-aiser  oder  sein  Machfolger  werden  den  Arbeiter  wie  jeden  anderen
Bürger  begrüßen  und  sich  seiner  politischen  Regsamkeit  freuen,  sobald  sie
selbst  sich  von  der  jetzigen  klerikal-konserrativen  Majorität  loslösen  wollen.

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