1073
hurn usz Eppendorfs Plinius S. 66; ein starker
birsch, der sein gehörne nur vor kurzem abgesetzt
Lichtwer Fab. 4, 2. — gehorsam, zu hören und gehorchen
willig, ahd. gihörsam, mhd. gehörsam: gehorsame
kinder 1. Tim. 3, 4; ein geborsam herz 1. Kön.
3, 9; gehorsam den geboten des herrn 5. Mos. 28, 13;
wolte mein volk mir gehorsam sein Pf. 81, 14; das
ich dem tyrannen bierin gehorsam sein wil 2. Macc.
7, 30; dem vaterländischen ruf gehorsam Platen
Abbass. 2, 1; Gruß= und Höflichkeitssormeln: lhr geborsamster;
mich gehorsamst zu empfehlen; geborsamer
diener; auch ironisch: geborsamer diener, da maebe ich
nicht mit! — Gchorsam, m. Willigkeit zu gehorchen;
in der alten Spr. Fei., ahd. gihörsamt, mhd. gehorsame,
auch noch nhd.: sich aus der gehorsam der
baierischen kunig ziehen Aventin 2, 8; in mitteldeutschen
Quellen aber Masc. gehörsam, bei Luther
überwiegend, später in der Schristspr. durchaus: den
geborsam des glaubens aufzurichten Röm. 16, 26; gehorsam
leisten (Röm. 6, 12), lernen (Hebr. 5, ), fordern,
verlangen; zum gehorsam bringen (Röm. 15, 8); wir
schwöüren dir treu und gehorsam bis in den tod Schiller
gehorsam — Geier.
Münchh. 3, 172; aus gehorsam schweigen, sich zuruck-1074
am leben friszt Goethe Faust I; von gierigen Feinden:
diese geier . die das vaterland angreifen Schiller
Jungfr., Prol. 3; bei Ausruf, Fluch, Verwünschung,
verhüllend für Teusel: dasz dich der geier hole Stieler;
so wird dieh der geier auch noch nicht holen Gaudy
Etʒ. 60; wer geier beiszt Ihnen ein falsches system
haben Lessing Brief 1756.
Geifer, w. ausfließender Speichel; erst spät mhd.
als geiter, sonst nirgends, erscheinendes Wort dunkler
Abstammung: ralire gaister Dief.; sein geiler los jm
(dem Unsinnigen) in den dart 1. Sam. 21, 13; geilser
von kindern, zahnlosen alten; von Tieren: (Pferde)
röthen mit blutgem geiser das gebisz Schiller Phädra
5, 6; (Nattern, deren) dreifach zungelnde rachen grästlich
geifer und qualm schnob Geibel 5, 222; bildlich
für zorniges oder törichtes Reden: das er die beiligen
schrift mit seinem unnutzen geiser begeisert Luther
v. d. Bapstum 1520; und für Zorn selbst: mäsziger zorn
und geiter schafft alten einsiedlerinnen neue lebenskratt
Scheffel Ekkeh. 39. — Geiferer, w. der da geifert;
zorniger oder törichter Schwätzer. — geifern, Geifer
Geiser — Geigenstrich.
t lließen lassen, spät mhd. geifern: geiferen, gragsen,
Räub. 1, 2; wie selbst ibre zunge nun ihrer letzten
luge den gehorsam aufkündigt Kab. 5, 2; den gehorsam, auf dem bart. wie geiferst? Garg. 163; verächtlich für
den er . -and Ranke Päpste 1,24; dasz der burgermeister
gehorsam dem gesetze forderte Immermann der babylonischen gefengnis Luther 8, 68b; neuer aber
geiter fallen lassen Henisch; wie ligt der thau dem
plappern, schwatzen: das aber die Juden geifern von
für zornig und gistig reden: uber dir mag die verziehen;
gehorsam ist besser denn opfern 1. Sam. 15, 22; lümdung geifern Schiller Elegie auf d. Tod eines
mit objectivem Gen.: nemen gelangen alle vernunft Jünglings; was geifert Sie? Kleist zerbr. Krug 6; was
unter den gehorsam Cbristi (gegen Christus) 2. Cor. hat jetzo die muhme gegeifert üderlaut Rosegger
10, 5; daher auch gehet in deinem gehorsam (Gehorsam
meinen sebmerz in dein angesicht geifern kann Schiller
NRäub. Trauersp. 1, 2.
gehorsam laisten Aventin 2, 196; weil die vereinigte
gegen dich) 1. Sam. 22, 14; bezogen auf Unterthänigkeit
und Botmäßigkeit: im als römischen kaiser billiche
Niderlande sich auss dem geborsam der hispanischen
könige eben damahl enthalttert Simpl. 4, 86; daher
gehorsam — bürgerliches Gefängnis (Ort wo der unbotmäßige
Bürger gefangen gehalten wird, auf dem Nathause
oder einem Stadtturme): in den geborsam, burgerlichen
gehorsam gehen, bringen, setzen Adelung. —
gehorsamen, Gehorsam leisten, mhd. gehörsamen: die
sich nicht bekehren oder gehorsamen werden Eimpl.
1, 261; damit ich wisse, wer dem andern kunftig zu
geborsamen schuldig 3, 39; dann jhme die pferdt.
trefflich gebhorsambten 4, 216; wenn sie sich weigern,
woneben hedel (s. d.) nicht verschwindet: #rela, #ell
würden, ihr zu geborsamen Schiller 3, 564; wenn
mein fusz ihm (Christus) folgt, und wenn mein leib
ihm noch gehorsamt Geibel 5,9; ich habe dir nicht
geborsamt CF Meyer Nov. 1, 351; aus gewöhnlicher
Rede verschwunden.
Gehre, t. mehrzinkige Gabel zum Stechen der Ficce
dreieckig. keilsörmig Zugespitztes, im Ackerbau solches
Landstück, bei Nähterinnen Zwickel in Hemden, Kleidern,
in der Baukunst, bei Tischlern, Zimmerleuten Schrägtück,
u. s. w., auch als Masc. der gehren Adelung;
älter geren Rockschoß oder Zipfel Hef. 16, 8. e dazu
ger. — gehren, begehren (s. d.), ahd. gerôön, mhd. gern,
im 16. 9 noch als geren erscheinend, auch bei Henisch
geren neben begeren; dann verschollen, von Hainbundsdichtern
nach dem Mbd. wieder afefrischt deines
freundesblicks werd ien gehren Hölty 93; gebren
keines glucks 149; aber selten und altertümelnd geblieben:
er . . gebre hilfe bei dem Griechenkaiser
Scheffel Ekkeh. 329.
eier, m. Name des bekannten Ranbvogels, ahd.
mbd. gir, nach seiner gefräßigen Art, in Beziehung zu
gier, gern, begebren; der geier mit seiner art 5. Mof.
14, 13; werden unternander laufen marder und geire
Jes. 34, 14; dessen fleisch will ich . hungrigen geiern.
zur speise geben Schiller Ränb. 4, 5; geier börte ich
pfeisen in der lust Rosegger Waldschulm. 5; in Vergleichen
und Bildern: gram. der, wie ein geier, dir
M. Heyne, Deutsches Worterbuch, I.
Waldschulm. 26; tranf.: ich mache mir luft, wenn ich
Geige, k. bekanntes Tonwerkzeng, Fiedel; ahd. nicht
bezengt, mhd. gige; ursprünglich die Handlung des
Geigens bezeichnend, die nach dem wiegenden Gange
des Streichbogens so benanm wurde (mhd. gigen wiegen,
schanteln, altnord. geiga schwanken), dann auf das Ge
rät übertragen; die ursprüngliche Bed. tlingt noch nach
in der Redensart des älteren Nbd. auf einer geige
bleiben (Stieler), — immer dasselbe thun oder sagen,
eigentlich dasselbe Lied anstimmen; befahl er ihr, siesolte
nur bei ihrer alten geigen bleiben (es machen
wie bisher immer) Simpl. 1, 350; der Name gige für
das Gerät im 12. Ih. bekannt und seitdem verbreitet,
gyge, geig Dief.; mit pauken, mit freuden und mit
geigen 1. Sam. 18, 6; harfen, geigen, psalter Dan.
3, 5. 7; zeuch die geig aus dem sack . und mach
uns den tutelei Garg. 188; die geige klingt; lasz die
geige wilder singen Lenau 97; für die geige spielen,
streichen auch die geigen strühten Spee Trutzu. 133;
sprichwörtlich: wer die warbeit geigt, dem schlegt man
die geigen an kopf Henisch; nach eines geige tanzen
mussen, thun müssen, was er will; der bimmel hüngt
voller geigen, es ist lauter Lust und Wohlleben (schon
15. Ih., Fastn. Sp. 752; das Bild knüpft an die Darstellungen
des Himmels mit musizierenden, namentlich
geigenden Engeln an): — Geigenstimme: die erste,
Zwcite geige spielen; übertragen: er will uberall die
erste geige spielen, der Erste sein, den Ton angeben.
geige auch ein Strafwerkzeug von geigenäbnulicher Form
für böse oder leichtfertige Weiber, worein Hals und
Hände gespannt wurden (vgl. fiedel). — Zusammensetzungen:
Geigenbogen, m. Streichbogen für die Geige.
— Geigenharz, u. Kolophonium. Feigenmaheere m.
Verfertiger von Geigen. — Geigenschule, k. Schule für
die Geige; namentlich Titel von Unterrichtswerken für
das Geigenspiel. — Geigenspiel, u. Spiel, Streichen der
Geige. — Geigenspieler, w. der Geige spielt. — Geigenstrich,
m. Strich und dadurch entstandener Ton der
Geige: vorm letzten geigenstrich Heyse 3, 231.
68