Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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hurn  usz  Eppendorfs  Plinius  S.  66;  ein  starker
birsch,  der  sein  gehörne  nur  vor  kurzem  abgesetzt
Lichtwer  Fab.  4,  2.  —  gehorsam,  zu  hören  und  gehorchen
  willig,  ahd.  gihörsam,  mhd.  gehörsam:  gehorsame
  kinder  1.  Tim.  3,  4;  ein  geborsam  herz  1.  Kön.
3,  9;  gehorsam  den  geboten  des  herrn  5.  Mos.  28,  13;
wolte  mein  volk  mir  gehorsam  sein  Pf.  81,  14;  das
ich  dem  tyrannen  bierin  gehorsam  sein  wil  2.  Macc.
7,  30;  dem  vaterländischen  ruf  gehorsam  Platen
Abbass.  2,  1;  Gruß=  und  Höflichkeitssormeln:  lhr  geborsamster;
  mich  gehorsamst  zu  empfehlen;  geborsamer
diener;  auch  ironisch:  geborsamer  diener,  da  maebe  ich
nicht  mit!  —  Gchorsam,  m.  Willigkeit  zu  gehorchen;
in  der  alten  Spr.  Fei.,  ahd.  gihörsamt,  mhd.  gehorsame,
  auch  noch  nhd.:  sich  aus  der  gehorsam  der
baierischen  kunig  ziehen  Aventin  2,  8;  in  mitteldeutschen
  Quellen  aber  Masc.  gehörsam,  bei  Luther
überwiegend,  später  in  der  Schristspr.  durchaus:  den
geborsam  des  glaubens  aufzurichten  Röm.  16,  26;  gehorsam
  leisten  (Röm.  6,  12),  lernen  (Hebr.  5,  ),  fordern,
verlangen;  zum  gehorsam  bringen  (Röm.  15,  8);  wir
schwöüren  dir  treu  und  gehorsam  bis  in  den  tod  Schiller

gehorsam  —  Geier.

Münchh.  3,  172;  aus  gehorsam  schweigen,  sich  zuruck-1074



am  leben  friszt  Goethe  Faust  I;  von  gierigen  Feinden:
diese  geier  .  die  das  vaterland  angreifen  Schiller
Jungfr.,  Prol.  3;  bei  Ausruf,  Fluch,  Verwünschung,
verhüllend  für  Teusel:  dasz  dich  der  geier  hole  Stieler;
so  wird  dieh  der  geier  auch  noch  nicht  holen  Gaudy
Etʒ.  60;  wer  geier  beiszt  Ihnen  ein  falsches  system
haben  Lessing  Brief  1756.

Geifer,  w.  ausfließender  Speichel;  erst  spät  mhd.
als  geiter,  sonst  nirgends,  erscheinendes  Wort  dunkler
Abstammung:  ralire  gaister  Dief.;  sein  geiler  los  jm
(dem  Unsinnigen)  in  den  dart  1.  Sam.  21,  13;  geilser
von  kindern,  zahnlosen  alten;  von  Tieren:  (Pferde)
röthen  mit  blutgem  geiser  das  gebisz  Schiller  Phädra
5,  6;  (Nattern,  deren)  dreifach  zungelnde  rachen  grästlich
  geifer  und  qualm  schnob  Geibel  5,  222;  bildlich
für  zorniges  oder  törichtes  Reden:  das  er  die  beiligen
schrift  mit  seinem  unnutzen  geiser  begeisert  Luther
v.  d.  Bapstum  1520;  und  für  Zorn  selbst:  mäsziger  zorn
und  geiter  schafft  alten  einsiedlerinnen  neue  lebenskratt
Scheffel  Ekkeh.  39.  —  Geiferer,  w.  der  da  geifert;
zorniger  oder  törichter  Schwätzer.  —  geifern,  Geifer

Geiser  —  Geigenstrich.

t  lließen  lassen,  spät  mhd.  geifern:  geiferen,  gragsen,
Räub.  1,  2;  wie  selbst  ibre  zunge  nun  ihrer  letzten
luge  den  gehorsam  aufkündigt  Kab.  5,  2;  den  gehorsam,  auf  dem  bart.  wie  geiferst?  Garg.  163;  verächtlich  für
den  er  .  -and  Ranke  Päpste  1,24;  dasz  der  burgermeister

  gehorsam  dem  gesetze  forderte  Immermann  der  babylonischen  gefengnis  Luther  8,  68b;  neuer  aber

geiter  fallen  lassen  Henisch;  wie  ligt  der  thau  dem
plappern,  schwatzen:  das  aber  die  Juden  geifern  von

für  zornig  und  gistig  reden:  uber  dir  mag  die  verziehen;

  gehorsam  ist  besser  denn  opfern  1.  Sam.  15,  22;  lümdung  geifern  Schiller  Elegie  auf  d.  Tod  eines
mit  objectivem  Gen.:  nemen  gelangen  alle  vernunft  Jünglings;  was  geifert  Sie?  Kleist  zerbr.  Krug  6;  was
unter  den  gehorsam  Cbristi  (gegen  Christus)  2.  Cor.  hat  jetzo  die  muhme  gegeifert  üderlaut  Rosegger

10,  5;  daher  auch  gehet  in  deinem  gehorsam  (Gehorsam
meinen  sebmerz  in  dein  angesicht  geifern  kann  Schiller
NRäub.  Trauersp.  1,  2.

gehorsam  laisten  Aventin  2,  196;  weil  die  vereinigte

gegen  dich)  1.  Sam.  22,  14;  bezogen  auf  Unterthänigkeit
und  Botmäßigkeit:  im  als  römischen  kaiser  billiche

Niderlande  sich  auss  dem  geborsam  der  hispanischen
könige  eben  damahl  enthalttert  Simpl.  4,  86;  daher
gehorsam  —  bürgerliches  Gefängnis  (Ort  wo  der  unbotmäßige
  Bürger  gefangen  gehalten  wird,  auf  dem  Nathause
  oder  einem  Stadtturme):  in  den  geborsam,  burgerlichen
  gehorsam  gehen,  bringen,  setzen  Adelung.  —
gehorsamen,  Gehorsam  leisten,  mhd.  gehörsamen:  die
sich  nicht  bekehren  oder  gehorsamen  werden  Eimpl.
1,  261;  damit  ich  wisse,  wer  dem  andern  kunftig  zu
geborsamen  schuldig  3,  39;  dann  jhme  die  pferdt.

trefflich  gebhorsambten  4,  216;  wenn  sie  sich  weigern,
woneben  hedel  (s.  d.)  nicht  verschwindet:  #rela,  #ell

würden,  ihr  zu  geborsamen  Schiller  3,  564;  wenn
mein  fusz  ihm  (Christus)  folgt,  und  wenn  mein  leib
ihm  noch  gehorsamt  Geibel  5,9;  ich  habe  dir  nicht
geborsamt  CF  Meyer  Nov.  1,  351;  aus  gewöhnlicher
Rede  verschwunden.

Gehre,  t.  mehrzinkige  Gabel  zum  Stechen  der  Ficce
dreieckig.  keilsörmig  Zugespitztes,  im  Ackerbau  solches
Landstück,  bei  Nähterinnen  Zwickel  in  Hemden,  Kleidern,
in  der  Baukunst,  bei  Tischlern,  Zimmerleuten  Schrägtück,
  u.  s.  w.,  auch  als  Masc.  der  gehren  Adelung;
älter  geren  Rockschoß  oder  Zipfel  Hef.  16,  8.  e  dazu
ger.  —  gehren,  begehren  (s.  d.),  ahd.  gerôön,  mhd.  gern,
im  16.  9  noch  als  geren  erscheinend,  auch  bei  Henisch
geren  neben  begeren;  dann  verschollen,  von  Hainbundsdichtern
  nach  dem  Mbd.  wieder  afefrischt  deines
freundesblicks  werd  ien  gehren  Hölty  93;  gebren
keines  glucks  149;  aber  selten  und  altertümelnd  geblieben:
  er  .  .  gebre  hilfe  bei  dem  Griechenkaiser
Scheffel  Ekkeh.  329.

eier,  m.  Name  des  bekannten  Ranbvogels,  ahd.
mbd.  gir,  nach  seiner  gefräßigen  Art,  in  Beziehung  zu
gier,  gern,  begebren;  der  geier  mit  seiner  art  5.  Mof.
14,  13;  werden  unternander  laufen  marder  und  geire

Jes.  34,  14;  dessen  fleisch  will  ich  .  hungrigen  geiern.

zur  speise  geben  Schiller  Ränb.  4,  5;  geier  börte  ich

pfeisen  in  der  lust  Rosegger  Waldschulm.  5;  in  Vergleichen

  und  Bildern:  gram.  der,  wie  ein  geier,  dir
M.  Heyne,  Deutsches  Worterbuch,  I.

Waldschulm.  26;  tranf.:  ich  mache  mir  luft,  wenn  ich

Geige,  k.  bekanntes  Tonwerkzeng,  Fiedel;  ahd.  nicht
bezengt,  mhd.  gige;  ursprünglich  die  Handlung  des
Geigens  bezeichnend,  die  nach  dem  wiegenden  Gange
des  Streichbogens  so  benanm  wurde  (mhd.  gigen  wiegen,
schanteln,  altnord.  geiga  schwanken),  dann  auf  das  Ge

rät  übertragen;  die  ursprüngliche  Bed.  tlingt  noch  nach

in  der  Redensart  des  älteren  Nbd.  auf  einer  geige
bleiben  (Stieler),  —  immer  dasselbe  thun  oder  sagen,
eigentlich  dasselbe  Lied  anstimmen;  befahl  er  ihr,  siesolte

  nur  bei  ihrer  alten  geigen  bleiben  (es  machen

wie  bisher  immer)  Simpl.  1,  350;  der  Name  gige  für
das  Gerät  im  12.  Ih.  bekannt  und  seitdem  verbreitet,

gyge,  geig  Dief.;  mit  pauken,  mit  freuden  und  mit
geigen  1.  Sam.  18,  6;  harfen,  geigen,  psalter  Dan.
3,  5.  7;  zeuch  die  geig  aus  dem  sack  .  und  mach
uns  den  tutelei  Garg.  188;  die  geige  klingt;  lasz  die
geige  wilder  singen  Lenau  97;  für  die  geige  spielen,
streichen  auch  die  geigen  strühten  Spee  Trutzu.  133;
sprichwörtlich:  wer  die  warbeit  geigt,  dem  schlegt  man
die  geigen  an  kopf  Henisch;  nach  eines  geige  tanzen
mussen,  thun  müssen,  was  er  will;  der  bimmel  hüngt
voller  geigen,  es  ist  lauter  Lust  und  Wohlleben  (schon
15.  Ih.,  Fastn.  Sp.  752;  das  Bild  knüpft  an  die  Darstellungen
  des  Himmels  mit  musizierenden,  namentlich
geigenden  Engeln  an):  —  Geigenstimme:  die  erste,
Zwcite  geige  spielen;  übertragen:  er  will  uberall  die
erste  geige  spielen,  der  Erste  sein,  den  Ton  angeben.
geige  auch  ein  Strafwerkzeug  von  geigenäbnulicher  Form
für  böse  oder  leichtfertige  Weiber,  worein  Hals  und
Hände  gespannt  wurden  (vgl.  fiedel).  —  Zusammensetzungen:
  Geigenbogen,  m.  Streichbogen  für  die  Geige.
—  Geigenharz,  u.  Kolophonium.  Feigenmaheere  m.
Verfertiger  von  Geigen.  —  Geigenschule,  k.  Schule  für
die  Geige;  namentlich  Titel  von  Unterrichtswerken  für
das  Geigenspiel.  —  Geigenspiel,  u.  Spiel,  Streichen  der
Geige.  —  Geigenspieler,  w.  der  Geige  spielt.  —  Geigenstrich,
  m.  Strich  und  dadurch  entstandener  Ton  der
Geige:  vorm  letzten  geigenstrich  Heyse  3,  231.
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