Full text : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

rung  übelvermerkten  Aufruf  an  die  zivilisierte  Welt  zur  Unter—
stützung  der  notleidenden  Buren  erlassen.  Da  sie  über  Holland
auch  nach  Berlin  kommen  wollten,  wurde  von  dem  deutschen
Burenhilfsbund  und  alldeutschen  Blättern  Stimmung  für  ihren
Empfang  beim  Kaiser  gemacht.  In  der  ersten  Nachricht  über  den
Berliner  Besuch  hieß  es,  die  drei  Generale  würden  in  großen
Volksversammlungen  den  an  ihnen  von  England  begangenen
Treubruch  der  Welt  enthüllen.  Auch  wurde  vorgeschlagen,  daß  sie
an  einem  Sonntagnachmittag  ihren  Einzug  durch  das  Branden—
burger  Tor  mit  antienglischen  Ansprachen  halten  sollten.  Die
tapferen  Kriegsmänner  waren  jedoch  selbst  klug  genug,  um  zu  erkennen,
  daß  mit  solchem  Übereifer  nur  ihrer  eigenen  Sache  geschadet
  würde.  Schon  bei  ihrem  Empfang  in  Amsterdam  hatte
Dewet  auf  eine  antienglische  Rede  erwidert,  daß  er  und  seine
Kameraden  sich  ehrlich  in  das  neue  Untertanerverhältnis  schicken
wollten.  In  der  Frage  einer  Audienz  beim  Kaiser  ließ  sie  das
Auswärtige  Amt  wissen,  der  Empfang  hänge  davon  ab,  daß  sie
versprächen,  sich  jeder  antienglischen  Agitation  fernzuhalten,  und
daß  sie  sich  als  britische  Untertanen  durch  Vermittlung  des  englischen
  Botschafters  beim  Kaiser  anmelden  ließen.  Anfangs  erklärten
  sie  sich  bereit  hierzu,  wurden  jedoch  nachher  anderen  Sinnes
und  stellten  ihrerseits  die  Bedingung,  daß  vor  ihrer  Anmeldung
durch  den  englischen  Botschafter  ein  Ruf  des  Kaisers  an  sie  ergehen
sollte.  Man  vermutete  damals,  daß  dieser  Meinungswechsel,  durch
den  natürlich  der  Empfang  beim  Kaiser  vereitelt  wurde,  auf  den
Rat  des  ehemaligen  Staatssekretärs  und  Gesandten  der  Transvaalrepublik
  im  Haag,  Leyds,  zurückzuführen  sei.  Der  Gesandte  hatte
während  des  Burenkrieges  eine  rege  Tätigkeit,  namentlich  auch  in
der  Presse,  entfaltet,  um  die  feindselige  Stimmung  gegen  England
zu  verschärfen.  Es  war  immerhin  möglich,  daß  die  englische
Regierung,  die  schon  wegen  des  Aufrufs  der  Generale  an  die
Nationen  empfindlich  berührt  war,  ihren  Botschafter  in  Berlin
anweisen  würde,  das  Gesuch  um  Vermittlung  der  Audienz  abzulehnen.
  Wäre  vorher  die  nachträglich  von  den  Generalen  gewünschte
  Einladung  ergangen,  so  hätte  dann  die  Ablehnung  des
Vermittlungsgesuchs  bedeutet,  daß  die  englische  Regierung  zugleich
einen  Wunsch  des  Deutschen  Kaisers  ablehnte,  und  die  ganze  Sache

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