Full text : Gesetzes- und Verordnungs-Blatt für das Großherzogtum Baden. Jahrgang 1915. (47)

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Die  alte  deutsche  „Misoͤre“,  der  alte  Fluch,  die  Uneinigkeit,  hat
sich  in  die  Fraktionen  geflüchtet,  mitten  in  das  Parlament,  welches
nach  dem  Kaiser  der  vornehmste  Vertreter  der  Einigkeit  Deutschlands
  sein  soll.  —

Das  Parteileben,  auf  gesunder  Basis  eine  Nothwendigkeit

für  das  Staatsleben,  ist  in  dem  Fraktionswesen  zum  Unwesen
geworden.
In  Frankreich  hat  der  Fraktionsgeist  viel  Schandbares  zu
Wege  gebracht  —  aber  die  Opferwilligkeit  und  den  Patriotismus
hat  er  noch  nicht  getödtet.  Denn  nachdem  Frankreich  seit  1871
die  ungeheuersten  Opfer,  zuletzt  durch  die  Reorganisation  von  1889,
gebracht  hat,  da  bietet  der  jetzt  tagende  Heeresausschuß  dem
Kriegsminister  mehr  an,  als  er  fordert.  —

1!I.
Die  Angriffe  auf  die  Armee.

Für  jeden,  der  sich  in  die  Tendenzen  und  die  Geschichte  der
sozialdemokratischen  Partei  vertieft  hat,  kann  darüber  kein  Zweifel
bestehen,  daß  die  revolutionären  Ziele  derselben  nicht  aufgegeben
sind.  Die  große  Theorie-Debatte  im  Reichstage  vom  Februar
hat  zwar  die  Haltlosigkeit  der  sozialistischen  Lehren  dargethan;
damit  ist  aber  wenig  erreicht,  denn  es  handelt  sich  vorläufig  gar
nicht  um  die  Verwirklichung  derselben,  sondern  um  den  Sturz
des  Staates  und  der  Gesellschaft,  um  die  Befriedigung  des  Hasses
und  des  Neides,  wie  sie  sich  in  den  von  der  Sozialdemokratie
durchtränkten  Schichten  angesammelt  haben,  und  um  die  „Diktatur
des  Proletariats“.  Das  Weitere  wird  sich  aus  den  „Mauserungen“
der  Sozialdemokratie  ergeben.

Der  Damm  nun,  welcher  der  Umwälzung  sich  entgegenstemmt,
  ist  das  Heer.  Wir  erinnern  an  die  bekannten  Worte
Scherrs.  —  Daß  doch  diese  Wahrheit  von  allen  Parteien,  die
überhaupt  auf  dem  Boden  der  jetzigen  Gesellschaftsordnung  bleiben
wollen,  erkannt  würde!  —  Nicht  wollen  wir  die  geistigen  Waffen
geringschätzen,  aber  sic  werden  nicht  hindern,  daß  der  Gegner  zur
Gewalt  greift,  wenn  er  es  vermag.