Full text : Rede des Reichskanzlers Fürsten Bismarck über das Bündniß zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn vom 7. Oktober 1879.

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der  körperlichen  Unmöglichkeit  war,  dann  aber  auch,  weil  ich
keine  Neigung  hatte,  uns  so  weit  in  die  Sache  zu  verwickeln,
wie  die  Rolle  des  Präsidirens  eines  Kongresses  nothwendig
mit  sich  bringt.  Wenn  ich  schließlich  dennoch  nachgegeben
habe,  so  war  es  einerseits  das  deutsche  Pflichtgefühl  im
Interesse  des  Friedens,  namentlich  aber  das  dankbare  Andenken,
  das  ich  an  die  Gnade  des  Kaisers  Alexander  II.  für
mich  stets  bewahrt  habe,  das  mich  veranlaßte,  diesen  Wunsch
zu  erfüllen.  Ich  erklärte  mich  dazu  bereit,  wenn  es  uns  gelänge,
  die  Einwilligung  von  England  und  von  Oesterreich  zu
beschaffen.  Rußland  übernahm,  die  Einwilligung  von  England
  zu  besorgen,  ich  nahm  auf  mich,  sie  in  Wien  zu  befürworten;
  es  gelang,  und  der  Kongreß  kam  zu  Stande.

Während  des  Kongresses,  kann  ich  wohl  sagen,  habe  ich
meine  Rolle,  so  weit  ich  es  irgend  konnte,  ohne  Landesinteressen
  und  befreundete  Interessen  zu  verletzen,  ungefähr
so  aufgefaßt,  als  wenn  ich  der  vierte  russische  Bevollmächtigte
gewesen  wäre  auf  diesem  Kongreß  (Heiterkeit);  ja  ich  kann  fast
sagen,  der  dritte;  denn  den  Fürsten  Gortschakow  kann  ich  als
Bevollmächtigten  der  damaligen  russischen  Politik,  wie  sie  durch
den  wirklichen  Vertreter  Grafen  Schuwalow  vertreten  war,
kaum  annehmen.  (Heiterkeit.)

Es  ist  während  der  ganzen  Kongreßverhandlungen  kein
russischer  Wunsch  zu  meiner  Kenntniß  gekommen,  den  ich  nicht
befürwortet,  ja,  den  ich  nicht  durchgesetzt  hätte.  Ich  bin
infolge  des  Vertrauens,  das  mir  der  leider  verstorbene  Lord
Beaconsfield  schenkte,  in  den  schwierigsten,  kritischsten  Momenten
  des  Kongresses  mitten  in  der  Nacht  an  dessen  Krankenbett
  erschienen  und  habe  in  den  Momenten,  wo  der  Kongreß
dem  Bruch  nahe  stand,  dessen  Zustimmung  im  Bett  erreicht;
  —  kurz,  ich  habe  mich  auf  dem  Kongreß  so  verhalten,
daß  ich  dachte,  nachdem  er  zu  Ende  war:  nun,  den  höchsten
russischen  Orden  in  Brillanten  besitze  ich  längst,  sonst  müßte
ich  den  jetzt  bekommen.  (Heiterkeit.)  Kurz,  ich  habe  das
Gefühl  gehabt,  ein  Verdienst  für  eine  fremde  Macht  mir
erworben  zu  haben,  wie  es  selten  einem  fremden  Minister
vergönnt  gewesen  ist.

Welches  mußte  also  meine  Ueberraschung  und  meine
Enttäuschung  sein,  wie  allmählich  eine  Art  von  Preßkompagnie
in  Petersburg  anfing,  durch  welche  die  deutsche  Politik  angegriffen,
  ich  persönlich  in  meinen  Atbsichten  verdächtigt
wurde.  Diese  Angriffe  steigerten  sich  während  des  darauf
folgenden  Jahres  bis  1879  zu  starken  Forderungen  eines
Druckes,  den  wir  auf  Oesterreich  üben  sollten  in  Sachen,
wo  wir  das  österreichische  Recht  nicht  ohne  weiteres  angreifen
  konnten.  Ich  konnte  dazu  meine  Hand  nicht  bieten;
denn  wenn  wir  uns  Oesterreich  entfremdeten,  so  geriethen

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