Full text : Die katholischen Interessen und Die Deutsche Frage in Preußen.

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nicht  den  Lehren  und  Geboten  der  Kirche,  sondern  der  Staatsraison
  entnahm,  den  Rücksichten  auf  die  äußere  Größe  und  Stärke
des  Gemeinwesens.  Andererseits  nahm  der  Staat,  vom  neuen
Prinzipe  der  Souverainetät  aus,  und,  weil  er  rechtlich  noch  ein
christlicher,  mehr  und  mehr  Rechte  auf  die  Kirche  in  Anspruch,
drängte  er  sich  mehr  und  mehr  in  die  Verwaltung  derselben  ein.
Seitdem  die  Grundsätze  der  Französischen  Revolution  über  das
Verhältniß  des  Staates  zur  Religion  in  das  positive  Staatsrecht
eingedrungen,  seitdem  durch  die  Zulassung  von  Nichtchristen  zu
politischer  Wirksamkeit  jede  auch  nur  formelle  Gewähr  dafür  gewichen,
  daß  der  Staat  christlich  sei,  seitdem  die  neue  Politik  auf
ihr  Banner  das  Wort  „Religionslosigkeit,“  den  Wahlspruch:
der  Staat  ist  Atheist,  gestickt,  seitdem  für  alle  neu  auftauchenden
  Sekten  volle  Freiheit  gegeben  wird,  ist  die  Beschränkung,  welcher
  der  Staat  die  Kirche  unterworfen,  unleidlich  geworden,  und
der  Ruf  nach  Unabhängigkeit  der  Kirche  ertönt  aller  Orten.  In
der  That  ist  auch  die  Selbstständigkeit  der  Kirche  die  erste,  die
vorzüglichste  Forderung,  welche  gestellt  werden  muß,  eine  Forderung,
  von  deren  Bewilligung  die  Wirksamkeit  der  Kirche  selbst
zum  großen  Theile  abhängt.  Deshalb  haben  die  zu  Würzburg
versammelt  gewesenen  deutschen  Bischöfe  auch  die  Forderung  der
Selbstständigkeit  der  Kirche  an  die  Spitze  der  Forderungen  gestellt,
welche  sie  in  ihrer  Denkschrift  vom  14.  November  1848  dem
Staate  gegenüber  machen;  Selbstständigkeit  dem  Staate  gegenüber,
  nicht  Trennung  vom  Staate,  denn  die  Kirche  kann
und  darf  den  Anspruch  nicht  aufgeben,  Gesetzgebung  und  Regierung
  des  Staates  von  ihrem  Geiste,  vom  Geiste  des  Christenthumes,
  durchleuchtet  zu  wissen.  Sie  sagen:

„Die  Sitte,  das  im  Leben  sich  ausprägende  Gewissen
des  Menschen,  wird  vom  Glauben  regiert,  welchen  die  Kirche
lehrt.  Die  Kirche  ist  darum  die  Hüterin  der  Sitte,  wie
der  Staat  in  Wahrung  des  Friedens  und  Spendung  der
Gerechtigkeit  der  Hüter  der  nationalen  Einheit  ist.  Staat