Full text : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

178  Buch  II.  Kap.  3.

welche  zur  Zeit,  wo  ein  Barbarossa  des  Reiches  waltete,
guten  Grund  hatten,  die  rasch  wieder  verschwindende
Illusion,  sie  seien  die  Herren  der  Welt,  für  dauernde
Wirklichkeit  zu  halten.

Die  Römerzüge  nach  Italien  hatten  unsere  Altvorderen
  mit  einem  Lande  bekannt  gemacht,  auf  dessen  Ruinen
noch  immer  ein  Nachschimmer  der  Schönheit  des  klassischen
Alterthums  lag  und  dessen  auch  politisch  mächtige  Handelsstädte
  deutsche  Kriegs-  und  Handelsleute  bürgerliches
Lebensbehagen  und  bürgerliche  Freiheit  kennen  und  schätzen
lehrten.  Aber  wenn  der  Anblick  italischen  Lebens  bedeutend
  dazu  beitrug,  den  geistigen  Gesichtskreis  der
Deutschen  zu  erweitern  und  aufzuhellen,  ihren  Schönbeitssinn
  zu  wecken  und  zu  stärken  und  sie  für  eine  behaglichere
  und  reichere  Einrichtung  des  Daseins  in  Thätigkeit
zu  setzen,  so  waren  die  Kreuzzüge  ihrerseits  auf  dieses.
Alles  von  noch  größerem  Einfluß.  Die  umgekehrte  Völkerwanderung
  der  Kreuzzüge  hat  ja  überhaupt  die  christkatholisch-romantische
  Weltanschauung  auf  ihren  Höhepunkt
  gestellt,  indem  sie  dem  abendländischen  Waffenthum
eine  Seele,  d.  i.  eine  religiöse  Idee  einhauchte,  der  europäischen
  Kraft  und  Thatenlust  ein  ideales  Ziel  gab,  die
ganze  Christenheit  zu  einem  großartigen  Unternehmen
vereinigte  und  nach  allen  Seiten  hin  dem  materiellen  und
geistigen  Vorschritt  neue  Bahnen  aufschloß  und  ebnete.
Der  Orient  erwies  damals  noch  einmal  seine  alte  Befruchtungskraft;
  denn  unermeßlich  waren  die  Nachwirkungen
  dessen,  was  die  Kreuzfahrer  in  den  Ländern  des.
Morgens  gesehen  und  gehört.  Die  ganze  Fülle  orien-