Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1875. (2)

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Hebamme  vielmehr  die  zweite  Gebärende  unverzügl  ich  an  eine  andere  Hebamme  oder  an
einen  approbirten  Arzt  zu  verweisen.

g.  6.

Bei  regelwidrigen,  schwierigen  oder  irgendwie  bedenklichen  Geburtsfällen  haben  die
Hebammen  die  rechtzeitige  Herbeirufung  eines  approbirten  Arztes  zu  veranlassen.

Sollten  die  Gebärende  oder  deren  Angehörige  es  ablehnen,  einem  solchen  Ansinnen  zu
entsprechen,  so  hat  die  Hebamme  duich  Wiederholung  ihres  Antrages  vor  Zeugen  oder  auf
sonstige  Weise  dafür  zu  sorgen,  daß  sie  erforderlichen  Falles  die  Erfüllung  der  ihr  im  Absatze  1
dieses  Paragraphen  auferlegten  Verpflichtung  nachzuweisen  im  Stande  ist.

S.  7.

Leistet  eine  Hebamme  einer  an  Kindbettfieber  erkrankten  Wöchnerin  Hilfe,  so  hat
dieselbe,  wenn  sie  andere  Wöchnerinnen  besucht  oder  zu  Gebärenden  gerufen  wird,  die  größte
Reinlichkeit  zu  beobachten  und  insbesondere  vor  der  Vornahme  von  Untersuchungen  ihre  Hände  sorgfältig
  mit  desinficirenden  Stoffen  —  z.  Be  einer  dreiprocentigen  Lösung  von  Carbolsäure  —  zu  waschen.

S.  S.
Die  Hebammen  sind  verpflichtet,  bei  Ausübung  ihres  Berufes  den  Weisungen  approbirttr
Aerzte  Folge  zu  leisten.

K.  9.

Gelangen  Vorfälle,  welche  die  Verheimlichung  einer  Schwangerschaft  oder  Niederkunft,
die  Abtreibung  oder  Tödtung  der  Leibesfrucht  einer  Schwangeren,  die  Unterschiebung,  Verwechselung
  oder  Aussetzung  eines  Kindes  oder  die  Verübung  eines  Kindesmordes  vermuthen
lassen,  zur  Kenntniß  einer  Hebamme,  so  hat  dieselbe  hievon  unverzüglich  der  betreffenden  Ortspolizelbehörde
  Anzeige  zu  erstatten.

"  10.

Die  Verpflichtung  der  Hebammen  zur  Anzeige
a)  von  Entbindungen,
b)  von  dem  Ausbruche  einer  ansteckenden  Krankheit
bemißt  sich  nach  den  jeweils  hiefür  geltenden  Bestimmungen.