Metadata : Blätter für Rechtsanwendung. XIX. Band. (19)

18  Erbschaftsanfall  an  Verschollene.;

und  überhaupt  zum  Erwerbe  neu  angefallener  Erbschaften
  beizulegen,  mit  der  Folge,  daß  er  dieselben
später  mit  seiner  eigenen  Habe  auf  seine  Nachfolger
transmittirt.  Die  umgekehrte  Ansicht,  obwohl  in
der  Fürsorge  für  das  wirklich  zurückgebliebene  Vermögen
  des  Abwesenden  nicht  minder  eifrig,  läßt  dennoch
  eine  solche  Erstreckung  nicht  zu,  erfaßt  den  Kurator
  des  Abwesenden  blos  als  einen  Güterpfleger,
und  spricht  ihm  die  Befugniß  ab,  neu  angefallene
Erbschaften  anzutreten.  Diese  letztere  Lehre,  die
unsere  Blätter  schon  früher  empfahlen  (Bd.  1,  S.  343),
scheint  in  der  gemeinechtlichen  Praxis  der  neueren
Zeit  die  Oberhand  erlangt  zu  haben.  Wir  wollen
versuchen,  den  Widerstreit  beider  Ansichten  einer  kurzen
  Prüfung  zu  unterwerfen.

S§F.  2.  Die  Lehre  des  gemeinen  Rechtes  beschäftigt
  sich  beinahe  ausschließend  nur  mit  der  Fürsorge
  für  das  wirklich  hinterlassene  Vermögen  des
Abwesenden,  welches  in  den  Betracht  einer  eventuell
zu  vertheilenden  Erbschaft  gestellt  wird;  die  meisten
Partikulargesetzgebungen  haben  diesen  utx--nicht
  überschritten.  Im  römischen  Rechte  sehen  wir
uns  vergeblich  nach  Bestimmungen  über  die  Behandlung
  des  Rücklasses  und  der  übrigen  Rechte  von
Personen  um,  welche  verschwunden  sind,  ohne  daß
von  ihrem  Schicksale  eine  verlässige  Kunde  zu  erlangen
wäre.  Die  Lehre  der  C.  4  „de  postlim.  rev.
(8,  51):  ejus  hereditatem  adiri  non  posse,  cujus
vita  ..  incerta  est,  liegt  wohl  tief  im  Wesen
der  Sache;  aber  der  weitere  Satz:  corum  bona,
dui  in  hostium  potestatem  rediguntur,  co  demum
  tempore  successionis  jurc  acquiri  posse,
cum  captos  apud  hostes  mortuos  esse
cognoscitur  —  läßt  immer  unentschieden,  wie
die  Sache  am  Ende  zu  halten  sei,  wenn  eine  solche
Nachricht  ausbleibt  oder  umnöglich  wird.  Dab  ge-