Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

Die  Akademie  im  Winter  1806/7.  559

wurden  ihr  Gipsabgüsse  versprochen.  Ihr  Archiv  war  so  verwüstet,
  dass  sie  im  Jahre  ı815  ihren  historischen  Bericht  über
die  Jahre  1S0o4-ıı  mit  den  Worten  einleiten  musste:  »Wenn  hie
und  da  der  Vollständigkeit  dieses  Berichts  und  seiner  Belege  etwas
abgeht,  so  ist  es  die  Folge  der  Verstreuung  und  theilweisen  Vernichtung
  des  akademischen  Archivs  durch  den  zweimaligen  gewaltsamen
  Einbruch,  der  während  der  feindlichen  Besetzung  der  Hauptstadt
  geschah,  und  durch  welchen  zugleich  der  Sternwarte  und  dem
physikalischen  Kabinet  ein  sehr  bedeutender  Schade  zugefügt  wurde'«.

Die  Sitzungen  sind  nie  unterbrochen  worden’,  aber  der  Druck
der  Abhandlungen  musste  eingestellt  werden,  da  die  Akademie  bereits
  im  December  1806  von  allen  Geldmitteln  entblösst  war’.  Die
Kalenderpacht  wurde  nicht  bezahlt;  in  Folge  davon  konnten  den
Mitgliedern  die  Gehälter  nicht  angewiesen  werden;  Einige  von  ihnen
geriethen  dadurch  in  die  grösste  Noth.  Die  Akademie  suchte  Kapitalien
  aufzunehmen,  um  die  Jdringendsten  Bedürfnisse  zu  befriedigen.
  Der  Friede  von  Tilsit  vollends,  der  Preussen  auf  die  Hälfte
seines  Gebiets  redueirte,  schmälerte  auch  die  Kalendereinnahme;
sie  konnte  in  Zukunft  höchstens  noch  zwei  Drittheile  der  früheren
betragen,  aber  auch  diese  waren  nicht  sofort  flüssig  zu  machen.  Da
der  ganze  Etat  der  Akademie  auf  den  Kalendern  berulite,  drohte
ihr  der  Bankerott.

Wenige  Tage  nach  der  Schlacht  von  Preussisch-Eylau  starb
der  greise  Secretar  und  Director  der  philologischen  Klasse  MerıAn

——  00.

ı  Abh.  d.K.  Preuss.  Akad.  d.  Wiss.  1804—  ıı  (erschienen  1815),  Vorrede.

®2  Es  ist  nicht  olıne  Interesse  festzustellen,  womit  sich  die  Akademie  im  September
  und  October  1806  beschäftigt  hat.  Am  18.  September  las  Kreın:  »Wie  weit
die  Akademieen  der  Wissenschaften  überhaupt  und  besonders  in  Beziehung  auf
Gesetzgebung  und  Rechtswissenschaft  praktisch  werden  können«,  am  25.  September
Burrmann:  »Einige  litterarische  Untersuchungen  über  Claudius  Ptolemaeus  und  die
Ausgaben  seiner  Werke«,  am  2.  October  HErRMBsSTAEDT:  »Versuche  und  Bemerkungen
über  den  wahren  und  den  eingebildeten  Gerbstoff  und  die  Möglichkeit,  den  ersten
künstlich  zu  erzeugen«,  am  9.  October  TraLres:  »ÜUntersuchungen  über  die  Refraction
  des  Lichts  in  der  Atinosphäre«,  am  16.  October  Bırsrer:  »Fortsetzung  der
Bemerkungen  über  das  Schicksal  oder  Fatum«,  am  23.  October  ErMAN  sen.  ein
Memoire  von  Basırıpe:  »Plagiat  de  Pıerre  CorsFrıLLEe«.  Am  20.  Noveinber  machten
die  beiden  Directoren  MErıAn  und  CasrıLL.ox  —  man  hatte  es  von  ihnen  verlangt  —
ihre  Aufwartung  bei  der  neuen  Regierung.  Am  27.  November  las  ALEXANDER  vox  Hı'n-»oLpr
  (Akademisches  Protokoll).

:  A.a.0.;  die  Vorrede  bemerkt  aber  auch,  dass  eine  grosse  Zahl  von  Akademikern,
  namentlich  aus  der  physikalischen  Klasse,  in  diesen  Jahren  theils  in
Fachzeitschriften  ihre  Arbeiten  veröffentlicht,  theils  grössere  Werke  besonders  herausgegeben
  haben.