Volltext : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Erzbiihof  Anno  von  Köhr.  Deffen  Staatsjtreih  (Djtern  1162).  177

voll,  voll  Ehrgeiz  für  die  Ehre  und  Macht  feines  Erzbistums,
herriich  und  zugleich,  wenn  er  wollte,  herablafjend  und  gewinnend,
von  ftrenger  Sitte  wie  Anno,  dem  aber,  einer  harten  und  ftrengen
Natur,  Adalbert3  geiftige  Überlegenheit  fehlte.  Heinrich  III  hatte
ıhn  einst  zum  Bapit  machen  wollen,  Adalbert  z0g  aber  jeinen
nordiichen  Bilchofsfiß  vor,  von  dem  aus  fein  Einfluß  weit  nad)
Norden  ausgriff  und  den  er  zu  einem  nordiichen  Batriarchat  auSzugeftalten
  plante.  Sn  der  Tat  wäre  Dies  gegenüber  den  noc
unbefehrten  oder  erit  halb  der  Kirche  gewonnenen  Slaven-  und
fandinavischen  Ländern  ein  nüblicheres  und  ausfichtsreicheres  Arbeit3-gebiet
  gewejen  als  die  Welt  von  Nänfen,  Gewalt  und  Lift,  Die
fih  um  den  päpftlihen  Stuhl  zu  Nom  drängte.  Er  jah  weiter
ala  Anno,  ein  Mann  engen  Geiftes,  befangen  in  mönchiicher  Srömmigfeit,
  mit  der  gleichwohl  Machtgier  und  Lift  fich  verband,  und
er  wußte  den  heranmwachlenden  füniglichen  Knaben,  der  von  nicht
gewöhnlicher  Begabung  und  Negfamfeit  des  Gerftes  war,  beijer  zu
behandeln  als  diefer.  Auch  war  er,  und  darin  beitärfte  ihn  der
zunehmende  Übermut  der  weltlichen  Reichsfürften,  ein  überzeugter
Verfechter  einer  ftarfen  monardhiichen  Gewalt.  Sm  Sahre  1063
machte  der  junge  König  einen  großen  und  auch  glüclichen  Feldzug
nad)  Ungarn  mit.  Die  Negentichaft  hatte  noch  die  wichtige  römische
Trage  des  Schigma  zu  Löfen:  Alerander  und  Honorius  hatten  fich
an  den  deutichen  Hof  gewandt.  Auf  einem  Konzil,  das  zu  Pfingften
1064  in  Meantua  gehalten  wurde,  ward  Alerander  anerkannt,
Sadalus  fallen  gelaffen:  ein  Beweis  der  fchwachen  und  fchwanfenden
Behandlung  der  großen  Angelegenheiten  Durch  die  damalige  Negierung.
  Die  Kaiferin  Agnes  bedeutete  nichts,  fie  ließ  geichehen,
was  in  ihrem  Namen  gefchah,  fie  jehnte  fich  nach  der  Zeit,  wo  fie
ihren  Flöfterlichen  Neigungen  folgen  und  Nonne  werden  fonnte.
Der  König  war  jet  in  fein  fünfzehntes  Jahr  eingetreten  und
wurde  1065  mit  dem  Schwert  umgürtet;  fein  erjter  Ratgeber  blieb
Adalbert,  fein  gewöhnlicher  Aufenthalt  war  Goslar,  auf  Sadjjenboden.
  Schon  Heinrich  TIT  Hatte  dort  den  deutichen  Köünigtum
eine  fete  militärifche  Stellung  zu  gründen  begonnen,  einige  Burgen
D.  Zäger,  Deutfche  Gefhichte.  I.  12