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Die Vereinigung der Vorstellungen in einem Bewußtsein bildet
nach Kant, wie bereits bemerkt, das Urteil. Urteilen ist also Verstandestätigkeit.
Sofern die Urteile nur als Bedingungen der Erkenntnisse
betrachtet werden, sind sie Regeln. Sind diese Bedingungen notwendig,
so sind es Regeln a priori, und bilden letztere gleichzeitig einen Ausgangspunkt
der Ableitung anderer Urteile, so sind es Grundsätze
a priori. Diese Grundsätze a priori möglicher Erfahrung sind zugleich
allgemeine Gesetze der Natur, die a priori erkannt werden können, und
die wir in diesem Sinne nicht von der Natur erhalten, sondern die der
Natur von uns vorgeschrieben werden.
Nachdem also Kant zergliedert hat, wie a priori synthetisch erkannt
werden kann, stellt er in den Grundsätzen fest, was mit den Anschauungsformen
a priori zu erkennen ist. Der logischen Herleitung
der Kategorien und der Schematas entsprechend unterscheidet er neben
den vier logischen Möglichkeiten der Urteile vier Verschiedenheiten der
Grundsätze, die er in bezug auf Quantität, Qualität, Relation und
Modalität bezeichnet als Axiome der Anschauung, Antizipationen der
Wahrnehmung, Analogien der Erfahrung und als Postulate des
empirischen Denkens.
Das Prinzip der Axiome der Anschauung ist: Alle Anschauungen
sind extensive Größen. — Alle Erscheinungen enthalten der Form nach
eine Anschauung in Raum und Zeit. Sie entstehen durch Zusammensetzung
des Gleichartigen und durch das Bewußtsein der synthetischen
Einheit dieses Gleichartigen. In dem Bewußtsein der Zusammensetzung
liegt aber schon analhtisch der Begriff Größe. Dieselbe ist extensiv,
weil sie durch dieselbe Synthesis vorgestellt werden muß, die den
Raum und die Zeit bestimmt. Eine extensive Größe ist eine solche, in
der die Vorstellung der Teile diejenige des Ganzen möglich macht und
dieser notwendig vorhergeht.
Antizipationen der Wahrnehmung. Das Prinzip derselben ist:
In allen Erscheinungen hat das Reale, das ein Gegenstand der Empfindung
ist, eine intensive Größe, d. h. einen Grad. — Antizipation ist
nach Kant die Erkenntnis, durch die dasjenige, was zur empirischen
Erkenntnis gehört, a priori erkannt und bestimmt wird. — Jede
Empfindung ist einer Verringerung bis zum allmählichen Verschwinden
fähig. Zwischen Realität und Negation ist ein kontinuierlicher Zusammenhang
vieler Empfindungsgrade, die bis ins unendliche Kleine
gehen. Da uns Raum und Zeit die Empfindungen zur Anschauung
bringen, können die Empfindungen die Kontinuität nur von diesen,
denen sie a priori eigentümlich ist, haben. Sowohl das Extensive der
Anschauung als das Intensive der Wahrnehmung sind, obwohl sie
a posteriori gegeben, durch die Verbindung mit Raum= und Zeitmaß