Metadata : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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Die  Vereinigung  der  Vorstellungen  in  einem  Bewußtsein  bildet
nach  Kant,  wie  bereits  bemerkt,  das  Urteil.  Urteilen  ist  also  Verstandestätigkeit.
  Sofern  die  Urteile  nur  als  Bedingungen  der  Erkenntnisse
betrachtet  werden,  sind  sie  Regeln.  Sind  diese  Bedingungen  notwendig,
so  sind  es  Regeln  a  priori,  und  bilden  letztere  gleichzeitig  einen  Ausgangspunkt
  der  Ableitung  anderer  Urteile,  so  sind  es  Grundsätze
a  priori.  Diese  Grundsätze  a  priori  möglicher  Erfahrung  sind  zugleich
allgemeine  Gesetze  der  Natur,  die  a  priori  erkannt  werden  können,  und
die  wir  in  diesem  Sinne  nicht  von  der  Natur  erhalten,  sondern  die  der
Natur  von  uns  vorgeschrieben  werden.

Nachdem  also  Kant  zergliedert  hat,  wie  a  priori  synthetisch  erkannt
  werden  kann,  stellt  er  in  den  Grundsätzen  fest,  was  mit  den  Anschauungsformen
  a  priori  zu  erkennen  ist.  Der  logischen  Herleitung
der  Kategorien  und  der  Schematas  entsprechend  unterscheidet  er  neben
den  vier  logischen  Möglichkeiten  der  Urteile  vier  Verschiedenheiten  der
Grundsätze,  die  er  in  bezug  auf  Quantität,  Qualität,  Relation  und
Modalität  bezeichnet  als  Axiome  der  Anschauung,  Antizipationen  der
Wahrnehmung,  Analogien  der  Erfahrung  und  als  Postulate  des
empirischen  Denkens.

Das  Prinzip  der  Axiome  der  Anschauung  ist:  Alle  Anschauungen
sind  extensive  Größen.  —  Alle  Erscheinungen  enthalten  der  Form  nach
eine  Anschauung  in  Raum  und  Zeit.  Sie  entstehen  durch  Zusammensetzung
  des  Gleichartigen  und  durch  das  Bewußtsein  der  synthetischen
Einheit  dieses  Gleichartigen.  In  dem  Bewußtsein  der  Zusammensetzung
  liegt  aber  schon  analhtisch  der  Begriff  Größe.  Dieselbe  ist  extensiv,
  weil  sie  durch  dieselbe  Synthesis  vorgestellt  werden  muß,  die  den
Raum  und  die  Zeit  bestimmt.  Eine  extensive  Größe  ist  eine  solche,  in
der  die  Vorstellung  der  Teile  diejenige  des  Ganzen  möglich  macht  und
dieser  notwendig  vorhergeht.

Antizipationen  der  Wahrnehmung.  Das  Prinzip  derselben  ist:
In  allen  Erscheinungen  hat  das  Reale,  das  ein  Gegenstand  der  Empfindung
  ist,  eine  intensive  Größe,  d.  h.  einen  Grad.  —  Antizipation  ist
nach  Kant  die  Erkenntnis,  durch  die  dasjenige,  was  zur  empirischen
Erkenntnis  gehört,  a  priori  erkannt  und  bestimmt  wird.  —  Jede
Empfindung  ist  einer  Verringerung  bis  zum  allmählichen  Verschwinden
fähig.  Zwischen  Realität  und  Negation  ist  ein  kontinuierlicher  Zusammenhang
  vieler  Empfindungsgrade,  die  bis  ins  unendliche  Kleine
gehen.  Da  uns  Raum  und  Zeit  die  Empfindungen  zur  Anschauung
bringen,  können  die  Empfindungen  die  Kontinuität  nur  von  diesen,
denen  sie  a  priori  eigentümlich  ist,  haben.  Sowohl  das  Extensive  der
Anschauung  als  das  Intensive  der  Wahrnehmung  sind,  obwohl  sie
a  posteriori  gegeben,  durch  die  Verbindung  mit  Raum=  und  Zeitmaß