Full text : Der Deutsche Reichstag.

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Reichsbank  wesentliche  Dienste  zu  leisten  hoffte,  wenn  er  die  Seehandlung
  angriff.  Ob  er  persönlich  an  dem  Agio  der  Reichsbank-Aktien
unbeteiligt  geblieben  ist,  lassen  wir  dahingestellt.  Herr  von  Kardorff
traf  also  mindestens  zwei  Fliegen  mit  einer  Klappe,  als  er  gegen  die
Seehandlung  zu  Felde  zog  und  dabei  Herrn  Camphausen  empfindlich
beizukommen  suchte.

Herr  Camphausen  gedenkt  jedoch  einen  großartigen  Rückzug  zu
nehmen.  Er  weiß,  daß  eine  umfassende  Schutz=  oder  vielmehr  Prohibitivzollagitation
  im  Anzuge  ist,  da  unsere  Groß-Industriellen  das
Geld,  welches  sie  teilweise  sogar  an  der  Börse  verspielt,  jedenfalls  aber
seit  1873  infolge  der  für  Börse  und  Groß-Industrie  eigens  inaugurierten
  Schwindel-Aera  dann  verkracht  haben,  durch  einige  Schutzzollprivilegien
  bald  wieder  einbringen  möchten.  Herr  von  Kardorff
ist  ganz  der  Mann,  um  seinen  finanziell-industriellen  Freunden,  die
sich  oratorisch  als  die  „deutsche  Industrie  und  Volkswirtschaft“  darstellen,
  im  Reichs=  und  Landtage  Dienste  zu  leisten,  welche  seine  Verwendung
  zu  verwaltungsrätlichen  Stellen  und  seine  Mitwirkung  bei
mancherlei  Finanzangelegenheiten  höchst  gerechtfertigt  erscheinen  lassen
dürften.

Herr  Camphausen  sieht,  wie  gesagt,  ganz  richtig  voraus,  daß  die
mächtige  Koalition  der  großindustriellen  Schutzzöllner  mit  der  jüdischen
hohen  Finanz  in  nicht  sehr  ferner  Zeit  ihr  Ziel  erreichen  dürfte.  Und
da  zugleich  Herr  Camphausen  seine  Finanzpolitik  nun  doch  in  ihren
Früchten  sieht,  so  wird  er  Alles  aufbieten,  um  sich  zu  halten,  bis  die
Frage  herantritt,  ob  er  in  die  neue  Schutzzoll-Aera  mit  einwilligen
wolle  oder  nicht,  Alsdann,  das  hat  Herr  Camphausen  schon  erklärt,
wird  er  als  großer  Freihändler  zurücktreten  und  sein  Scheiden  gewissermaßen
  mit  dem  Glorienscheine  der  Treue  für  ein  großes  volkswirtschaftliches
  Prinzip  umgeben.

So  denkt  Herr  Camphausen,  aber  —  vielleicht  kommt  es  anders.
Vielleicht  wird  dennoch  alles  Papier  und  Geschreibe  der  dem  Herrn
Wolff,  einem  Juden,  gehörige  „National-Zeitung“,  welche  von  Herrn
Dernburg,  der  allerdings  nicht  mehr  mosaischen  Glaubens  ist,  redigiert
wird,  nicht  ferner  ausreichen,  um  die  Blößen  der  Bleichröder-Delbrück-Camphausen'schen
  Politik  stets  von  neuem  wieder  zu  bedecken.

Wir  unsererseits  hielten  es  aber  vorläufig  als  durchaus  im  Staatsinteresse
  liegend,  diese  Dinge  einmal  des  Näheren  darzulegen.  Wir
tappen  sonst  im  Dunkeln  und  vielleicht  in  noch  schlimmere  Verhältnisse
hinein.“