Metadata : Kriegführung und Politik.

32  II.  Unter  König  und  Kaiser  Wilhelm  J.

„Die  Hechte  im  europäischen  Karpfenteich  hindern  uns,  Karpfen
zu  werden  .  .  ..  sie  zwingen  uns  zu  einer  Anstrengung,  die  wir
freiwillig  vielleicht  nicht  leisten  würden;  sie  zwingen  uns  zu  einem
Zusammenhalt  unter  uns  Deutschen,  der  unfrer  innersten  Natur
widerstrebt;  sonst  streben  wir  lieber  auseinander.“

Dann  führt  Bismarck  aus,  es  sei  dringend  notwendig:

„daß  wir  in  dieselbe  Lage  der  Unzerreißbarkeit  kommen,  die
fast  allen  andren  Nationen  eigentümlich  ist  und  die  uns  bis  jetzt
noch  fehlt.  Wir  müssen  dieser  Bestimmung  der  Vorsehung  aber
auch  entsprechen,  indem  wir  uns  so  stark  machen,  daß  die  Hechte
uns  nicht  mehr  tun,  als  uns  ermuntern.“

Für  Bismarck  lag  die  Gewähr  für  die  Erreichung  seines  großen
Zieles,  der  friedlichen  Entwicklung  des  Deutschen  Reiches,  vor—
nehmlich  in  der  Wehrmacht,  in  der  inneren  Geschlossenheit  des
Deutschen  Reiches  und  in  seiner  Bündnispolitik.

Ich  lasse  hier  die  äußere  Politik  Bismarcks  außer  Betracht.
Sie  ist  bekannt.  Bismarck  schuf  durch  sie  für  das  deutsche  Heer
günstige  Kampfbedingungen  in  einem  etwaigen  Krieg,  ganz  ab—
gesehen  davon,  daß  er  ihn  ausschloß.  Für  ihn  waren  die  Streitkräfte
  der  verbündeten  Mächte  ein  Zuschuß  an  Kraft,  nicht  etwa  ein
Grund,  die  deutschen  Streitkräfte  nicht  auf  voller  Höhe  zu  halten.

Die  Verstärkung  des  Heeres  im  Jahre  1888  war  der  Abschluß
der  Wehrkraftpolitik  Bismarcks.

Seine  innere  Politik  sieht  Bismarck  als  eine  Politik  „der  Konsolidierung
  und  der  Sicherstellung  des  Deutschen  Reiches“  an.

Es  ist  von  hohem  Reiz,  zu  sehen,  wie  Bismarck  über  den  Einfluß
  der  inneren  Politik  auf  die  äußere  und  damit  auch  über  ihre
Bedeutung  für  einen  kommenden  Krieg  dachte.

Am  1.  September  1866  sprach  er  in  seiner  Rede,  in  der  er  die
Entlastung  für  die  vom  Abgeordnetenhause  nicht  bewilligten  Unkosten
  für  die  Heeresvermehrung  König  Wilhelms  beantragte,  die
Worte:

„Wir  haben  mehr  zu  verlieren  als  vorher,  aber  gewonnen  ist
das  Spiel  noch  nicht.  Je  fester  wir  im  Innern  zusammenhalten,
desto  sichrer  sind  wir,  es  zu  gewinnen.  .  Deshalb,  meine  Herren,