Der Bauernkrieg. 151
Vieh, beguͤnstigte und von welchem unsere Zeit, zu ihrem
Heile, kaum noch eine Ahnung haben duͤrfte. Stumpfsinn
und beinahe thierische Mangelhaftigkeit der Verstandeskraͤfte,
welche durch das über sie verhaͤngte thierische Joch, wandellos
in ihren engen Schranken erhalten wurden, ließen
diese Unglücklichen in ihrem Elende bald eine Gewohnheit
finden und sie waren so ziemlich einig darüber, daß sie,
gleich dem Viehe gehalten, auch nicht viel mehr, als dessen
Ansprüche theilten. Den geistbefangenden Dunst, welchen
— in edler Brüderschaft mit dem faulen, fühllosen Aristokratismus,
der sich die Menschheit und ihren Jammer
zuckend und lebend, gleich einer Auster, ruhig über die Zunge
gleiten läßt — die Mutter Kirche um das Hirn jener Erbarmungswürdigen
zu erhalten wußte, mehrte diesen passiven
Stumpfsinn, und so durften die Ritter und edlen Herren
in Gemächlichkeit den Todesschweiß ihrer Bauern verdauen,
ohne Indigestionen befürchten zu dürfen. Aber die
Zeit ward anders; das neue Licht, welches über dem Dome
zu Wittenberg aufleuchtete, fand seinen Weg eben so leicht
zu den Jammerhöbhlen der unterdrückten Menschheit, als zu
den Audienzzimmern der deutschen Fürsten und zu dem Saale
der Kirchenconcilien. Ein mächtiges, seit lange nicht mehr
gehörtes Wort: Geistesfreiheit, dröhnte über die deutsche
Erde, es weckte auch den geschundenen Bauer aus seinem
schmerzerschöpften Halbschlummer, der Klang einer Freiheit
zuckte allgewaltig durch sein verdumpftes Wesen und riß
ihn in die Hôhe. Er bemerkte zum ersten Male, daß er
eben so aufrecht stehen köonne, als der Junker, der ihn in
den Staub bog, und daß seine Stirn eben so dem Himmel
zugerichtet sey, als die des frechen Ritters, der ihm nur auf
den Scheitel sehen wollte. Freilich vermeinten die Armen,
noch befangen vom langen, gewaltsamen Geistesschlummer,
daß die Reformation ihnen, statt geistiger Freiheit, eine grob
positive bringen werde, sie glaubten, eine Gleichstellung der
Stände, eine Abschaffung der Frohnen von ihr zu erhalten,
Dinge, welche die Reformation freilich erst durch lange
Reihefolgen der Zeit entwickeln und herbeiführen konn-