Krieg in Pommern und Hessen. 435
Eine starke russisch-schwedische Flotte erschien zu Ende August vor
dieser Stadt und landete 8000 Mann, zu denen noch andere Truppen
durch Polen her stießen. Der tapfere 2 Major v. d. Heyde und die
patriotische Bürgerschaft ließen sich aber durch das starke Bombardement
der Russen nicht schrecken, und erhielten schon am 18. September
Hülfe durch den General Werner, der in Eilmärschen von Glogau
her mit einer kleinen Schaar angelangt war. Die bestürzten Russen
ließen 22 Geschütze im Stich und eilten, die hohe See zu erreichen.
Da nun gleich darauf Werner gegen die Schweden rückte und auch
von der anderen Seite der Prinz von Würtemberg herankam, so zogen
sich die Schweden zu derselben Zeit zurück, als die Russen und
Oesterreicher nach Berlin vordrangen. Der General Belling trieb
dann- nebst Werner die Schweden zu Ende October über die Peene
zurück.
In den Rheingegenden, wo bedeutende Truppenmassen einander
gegenüberstanden, — die Franzosen unter Broglio zählten 125,000
Mann, die Verbündeten unter Ferdinand werden auf 90,000 Mann
angegeben, — wurde trotzdem keine Entscheidung herbeigeführt. Der
Krieg hielt sich vorzugsweise in den Gegenden um die Diemel, wo
man durch kühne Manöver sich gegenseitig zu verdrängen suchte. Wenn
auch am 31. Juli die Verbündeten bei Warburg den Franzosen
einen empfindlichen Verlust beibrachten, so wurde doch dadurch keine
Entscheidung herbeigeführt, vielmehr nahmen letztere Kassel und
machten sich zu Herren von ganz Hessen. Hierauf schickte Ferdinand
den Erbprinzen Karl von Braunschweig, der sich durch seine Tapferkeit
und Umsicht besonderen Ruhm erwarb, zur Eroberung von Wesel,
um dadurch die Franzosen zum Rückzug zu bewegen; doch mußte der
Prinz dies Unternehmen aufgeben, nachdem er am 16. October mit
unentschiedenem Glücke beim Kloster Kamp in der Nähe von Geldern
gekämpft hatte. Die Franzosen behaupteten ihre Winterquartiere
an der Werra und Fulda, rechts bis Gotha, links an der Sieg bis
zum Rhein.
Ungeachtet der beiden Siege, welche den preußischen Waffen neuen
Glanz verliehen, hatte sich die Lage des Königs so verschlimmert, daß
er mit Freuden die Aussicht auf Frieden begrüßte. Als nämlich im
October 1760 König Georg II. gestorben und ihm sein Enkel
Georg III. gefolgt war, benutzte Frankreich, das fortgesetzt unglücklich
in Amerika gekämpft, diese Thronveränderung, England zu einem
Waffenstillstand aufzufordern, um desto bequemer über den Frieden zu
berathen. Da feinen Verbündeten, vielleicht nur Oesterreich ausgenommen,
ein ehrenvoller Frieden nicht weniger erwünscht war, so forderte
es im März 1761 unter Zustimmung von Maria Theresia und
Elisabeth England und Preußen auf, zu diesem Zwecke Gesandte nach
Augsburg zu schicken, während es noch insgeheim in London
dahin arbeitete, sich unmittelbar mit England zu einigen. Doch weder
hier noch in Augsburg wurde ein Erfolg erzielt. England wie Preußen
weigerten sich, zu den Verhandlungen einen kaiserlichen Ge-287