Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

eln  und  warfen  sich  in  die  Schiacht.  Das  Korps  war  aus  der  Kampffront  der
7.  Armee  herauegezogen  und  hinter  der  ganzen  Front  vom  zußersten  rechten
zum  linken  Flügel  geworfen  worden,  bestimmt,  dem  rechten  Flügel  der  1.  Armee
als  Stütze  zu  dienen.  Zum  Glück  hatte  die  Kunde  von  der  del  Craonne  drohenden
  Durchdruchsgefahr  den  Oderkommandlerenden  der  7.  Armee,  der  mit  selnem
15.  Korps  aus  den  Vogesen  an  die  Nordfront  geellt  war,  noch  eben  rechtzeitlg
nreelcht.  Heeringen  catte  das  „Korp#  auf  der  Fohrt  anhalten  und  statt  in
n  können.  Nun  trafes  in  der  allerletzten  Mlnute
am  sn  der  Schlacht  ein,  wo  das  7.  Reseroekorps  soeben  zusammenzudrechen
  drohte.  Am  Abend  bes  14.  und  am  15.  September  wandte  sich  das
Blatt.  Engländer  und  Franzosen  wurben  aus  den  Trümmern  von  Craonne
beraus-  und  über  die  Aisne  zurückgeworfen.

Elelchzeitig  rückte  am  rechten  Flügel  der  ganzen  Schlachtaufstellung  als
erste  Derlängerung  nach  Norden  zu  das  9.  Reseroekorps  ein,  das  eden  erst  dei
Termonde  den  zweiten  hartnäckigen  Ausfall  der  Belgler  aus  Antwerpen  abweisen
  geholfen  hatte.

Dle  Gefahr  des  Durchbruchs  war  abgewendet.  Aber  laum  hatte
Joffre  erkannt,  daß  ihm  dlese  Hoffnung  verlegt  worden  war,  da  entschloß  er  sich
auch  schon,  den  zwelten  Weg  zu  deschreiten,  der  ihm  Aussicht  gad,  seinen  Slegestraum
  in  die  Wirklichkelt  überzuführen:  dle  Umgehung  des  In  der  Luft  hängenden
rechten  deutschen  Flügels.  Und  während  auf  der  langgedehnten  Front  die
Angriffe  der  Verfolger  ohne  Ermüden  gegen  dle  neue  Stellung  der  Deutschen
anbrandeten,  begann  jenes  seltsame  Schausplel,  das  man  den  „Wettlauf  zum
Meere“  getauft  hat.  Es  begannen  in  Zug  und  Gegenzug  die  Versuche  Joffree,
dle  deutsche  Front  von  Westen  ber  aufzurollen,  und  die  Adwehrmaßnahmen
der  Deutschen.

Den  Auftakt  dildeten  die  Angriffe  der  Franzosen  gegen  das  herdelgeellte
9.  Keservekorps.  Sie  wurden  blutig  abgewlesen  und  der  Angrelfer  bie  auf
Compiegne  zurückgeworfen.  Das  Heereskavalleriekorps  v.  d.  Marwitz  übernahm
  dle  Aufgabe,  die  deutsche  Front  elnstweilen  nach  Norden  zu  verlängern.

Aber  die  furchtbare  Gefahr,  welche  der  offenen  deutschen  Flanke  drohte,
war  damlt  nur  für  den  Augenbllck  deschworen.  Es  war  angeslchte  der  Tatkraft,
die  Joffre  disher  dewährt  hatte,  und  seiner  günftigen  Lage  als  Beherrscher
bes  französischen  Eisenbahnnetzes  mit  Bestimmthelt  zu  erwarten,  daß  er  In
Kürze  elne  großzügige  strategilsche  Aktion  einlelten  würde,  um  mit  stärksten
Mitteln  die  Umgehung  zu  erzwingen.  Denn  auch  seine  linke  Flanke  hatte  ja
jetzt  keine  Anlehnung  mehr,  und  er  mußte  mit  der  Mögllchkeit  rechnen,  daß
die  Deutschen  in  der  Lage  sein  würden,  lhren  rechten  Flügel  zu  verlängern
und  von  dort  aus  dle  strategische  Offensive  aufs  neue  aufzunehmen.  Zwischen
Complegne  und  dem  Meere  war  für  operatloe  Betätlgung  delder  Gegner  Raum.
Wem  würde  die  Vorhand  zufallen?  Wer  würde  zuerst  imstande  sein,  aus  dem
bartnäckigen  Ringen,  in  dem  sich  die  gesamten  Kräfte  deider  Partelen  auf  der
neuen  Front  inelnander  verdissen  hatten,  die  nötigen  Referven  herauszuzlehen,
dle  ihm  gestatten  würden,  bas  Heft  in  die  Hand  zu  dekommen?

Das  war  die  Frage,  die  sich  vor  den  Heeresleltungen  belder  Streittelle
auftürmte  und  gebleterlsch  elne  Lösung  verlangte.

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