352 Entscheldungen des OLG. München.
hin giltigen Gesetze über Forstberechtigung, dann
alle früheren Gesetze, Verordnungen und Gewohnheitsrechte
über die Forstpolizei 2c. außer Wirksamkeit
gesetzt, so daß für den vorliegenden Fall die
Einleitung des Verfahrens nach Art. 164 nicht geboten
war.
Nachdem das Gesetz zwischen den einzelnen
Arten der Berechtigung keinen Unterschied gemacht
hat, kann der Strafkammer nicht zugestimmt werden
in der Aufstellung, daß die Strafvorschrift des
Art. 92 Ziff. 1 sich wohl gegen Triebberechtigte
richte, die Fahrtberechtigten aber nicht treffe.
Hienach hat die Strafkammer entgegen den im
Forstgesetze liegenden Grundsätzen angenommen, daß
derjenige, welchem ein Fahrtrecht zusteht, in Folge
dessen auch befugt sel, mit Außerachtlassung der forstpolizeilichen
Vorschriften den durch Art. 92 und 93
des Forstgesetzes bestimmten Schutzmaßregeln zuwider
zu handeln. Damit hat sie das Gesetz verkannt
und hat, indem sie den einer Zuwiderhandlung
gegen die Art. 92 Ziff. 1 mit 95 Abs. 4 und Art. 93
Ziff. 1 des Forstgesetzes angeklagten und hiewegen
in erster Instanz verurtheilten Johann St., ohne
sich über die zur Sache selbst getroffenen erstrichterlichen
Feststellungen ihrem vollen Inhalte nach zu
äußern, schon um deswillen freigesprochen hat, weil
ihm das unbeschränkte Recht, Über das fragliche
Objekt zu fahren, zustehe, die vorbezeschneten Gesetzesstellen
und mit diesen auch Art. 49 Abs. 2 des
Forstgesetzes verletzt. Urtheil vom 28. Mai 1886.
(Fortsetzung folgt.)
Redakteur: Dr. Jullus v. Staudinger in München.
Verlag: Palm & Euke (Carl Enke) in Erlangen.
Druck von Junge & Sohn.