schwörerwesen mache die russische Presse gegen Deutschland mobil.
Richtig daran mochte sein, daß die polnischen Beamten und Jour—
nalisten eine bessere Kenntnis der inneren russischen Schwäche be—
saßen und hauptsächlich darauf ihre Zukunftshoffnungen stellten.
Während seiner Amtszeit hat Bismarck Stunden gehabt, in
denen er sich für den Fall eines deutsch-russischen Zusammen—
stoßes mit dem Gedanken einer Lostrennung Kongreßpolens von
Rußland beschäftigte. Das stärkste Zeugnis dafür liefert eine
Stelle in den Hohenloheschen Denkwürdigkeiten (II, S. 343) aus
dem Jahre 1883. Danach äußerte Fürst Bismarck: Ein Krieg
mit Rußland, bei dem wir Österreich unterstützen müßten, sei ein
Unglück, denn wir könnten ja nichts gewinnen, nicht einmal die
Kriegskosten bekommen. Bei günstigem Verlauf müßten wir Polen
bis an die Düna und den Dnjepr herstellen. Wir würden
zwar Polen nicht revolutionieren, aber Österreich-Ungarn gewähren
lassen, das dann einen Erzherzog zum König von Polen machen
würde. Gegen das neue Königreich würde sich dann wieder ein
Drei-Kaiser-Bündnis bilden. Im Oktober 1887 warf Bismarck
zu seinem Friedrichsruher Gast Crispi die Bemerkung hin: Wenn
man den Polen ein wenig hülfe, sich zu erheben, könnten sie ihr
Joch abschütteln und unter einem österreichischen Erzherzoge einen
selbständigen Staat bilden. Drei Jahre später, kurz nach seiner
Entlassung, sagte er zu einem russischen Zeitungsmann: Bekäme
Deutschland in einem Kriege mit Rußland die Oberhand, so müßte
es die Polen nehmen, deren wir schon genug hätten. Gewiß, der
erste und der dritte Ausspruch richteten sich gegen das Unglück eines
Krieges mit Rußland. Aber für den schlimmsten Fall hielt sich
der Altmeister doch den Weg zu einer vollständig veränderten Behandlung
der Polenfrage offen.
Hermann Orncken, der sich in seiner erwähnten Schrift über
das alte und das neue Mittelenropa ausführlicher mit der Polenpolitik
beschäftigt, beruft sich auch auf das Buch: „Bismarck. Zwölf
Jahre deutscher Politik 1871—1883“, erschienen in Leipzig 1884,
in dem ein wundersames Gespräch Bismarcks mit dem Grafen
St. Vallier (von 1878—1882 französischer Botschafter in Berlin)
wiedergegeben ist. Die Unterredung sollte nichts Geringeres zum
Gegenstand gehabt haben, als einen Freundschaftsbund zwischen
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