Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Aum̃mer  21

Geiecheuland.

Grobheiten  gegen  König  Konsi
  antin.

Berlin,  25.  Jan.  Zu  den  Anklagen  König
Konstantins  gegen  den  Vierverband  schreibt
Gust.  Herve  in  seiner  „Victoire“:  Der  König
ist  von  Frankreich  und  England  noch  riel  zu
glimpflich  rehandelt  worden,  denn  als  er  im

ttoler  den  Ministerpräsidenten  Venizelos
beimschickte  und  die  griechische  Kammer  auflöste,
das  heißt  sich  weigerte,  nach  dem  Willen  Venizelos
  und  seiner  Parteigänger  Griechenland.

in  den  Krieg  eintreten  zu  lassen,  sei  es  Pflichn?

Englands  und  Frankreichs  als  Wächter  der
griechischen  Verfassung  gewesen,  den  König  einfach
  wie  die  deutschen  Konsuln  in  Salonili,
Mgtilene  und  Korfu  hinter  Schloß  und  Niegel
zu  setzen.  Was  indessen  damals  nicht  geschehen
sei,  könne  immerhin  noch  werden.  (3.)

1101  „  „
Die  Kämpfe  im  Irak.
Konstantinopel,  24.  Jan.  Das  Hauptquartier

  teilt  mit:  An  der  Iralfront  dauern

die  Stellungslämpfe  bei  Kui-el-Amara  fort.
Englische  Streitkräfte,  die  aus  der  Richtung
Iman  Algygarbi  kamen,  grissen  am  21.  Jannar
unter  dem  Schutze  von  Flußlauonenbooten  unsere
  Stellungen  bei  Menlahie,  etwa  35  Kilometer
  ösllich  von  Kut-zel-Amara,  auf  beiden
Seiten  des  Tigris  an.  Die  Schlacht  danerte
sechs  Stunden.  Alle  Angriffe  des  Feindes  wurden
  durch  unsere  Gegenangriffe  zurüdgeworsen
und  der  Feind  einige  Kilometer  nach  Osten  zurückgetrieben.
  Auf  dem  Schlachtselde  zählten
wir  ungefähr  301  1  tote  Engländer.  Wir  nahzuen
  einen  feindlichen  Hauptmann  und  einige
Soldaten  gefangen.  Unsere  Aeriuste  sind  verhältnismäßig
  gering.  Ein  Wasfenstillfland  von
einem  Tage,  um  den  der  feindliche  Oberbefehlshaber,
  General  Aymler,  ersuchte,  um  seine  Tolen
zu  begraben,  wurde  von  uns  beu  illigt.  Gesangene
  erllärten  auf  unsere  Fragen,  daß  die  Engländer
  außer  den  Verlusten,  die  sie  in  dieser
Schlacht  erlitten  haben,  noch  weilere  3000  Tote
und  Verwundete  in  den  vorhergehenden  Kämpfen
  bei  Scheil  Said  verloren  haben.  Infolge
unseres  Angriffes  auf  eine  andere  englische  Kolonne,
  die  westlich  von  Korna  aus  der  Richtung
Muntefink  vorzugehen  rersuchte,  wurde  der
Feind  zum  Rückzug  gezwungen,  wobei  er  100
Tote  zurückließ.  Wir  erbeuteten  eine  Anzahl
Kamele  und  1000  Zelte.

London,  25.  Jan.  Der  Oberbefehlshaber
von  Mesopotamien  meldet,  daß  am  22.  Jannar
ein  Waffenstillstand  auf  einige  Stunden  abgeschlossen
  wurde,  um  die  Veruundeten  wegzuholen
  und  die  Toten  zu  begraben.  Während
der  letzten  zwei  Tage  stieg  der  Tigris  um
sieben  Fuß,  wodurch  alle  Truppenbeuegungen
zu  Lande  unmöglich  werden.  General  Townsend
  meldet,  daß  er  über  wenig  Vorräte  verfüge.
  Seine  Truppen  seien  in  der  letzten  Zeit
nicht  mehr  in  Gefechte  verwickelt  gewesen.
Persien  gegen  Rußland.
Konstantinopel,  24.  Jan.  „Ildam“
erfährt  vonr#ertrauenswürdiger  Quelle.  daß
mehrere  Häuptlinge  der  persischen  Stämme  in
der  Ueberzeugung,  daß  die  Verfügungen  der  gegenwärligen
  offiziellen  persischen  Regierung
üble  Folgen  für  die  islamitische  Welt  nach  sich
ziehen  lönnten,  sich  erhoben  haben,  um  den
Schutz  der  Rechte  des  Islams  zu  fordern.  Naibh
Hussein  Khan  flüchtele  mit  seinem  Sohne  von
Kaschan,  südlich  von  Kum,  und  schloß  sich  den
freiwilligen  Kriegern  an,  die  eine  Streitmach#
von  40000  Mann  darstellen  und  die  Russen  bei
Sare  (7)  angriffen.  Die  Russen  hatten  meh—
rere  Tote  und  verloren  zwei  Maschinengewehre,
eine  Menge  Lebensmittel  und  eine  Anzahl  Gesangene.


Politische  RNundschau.

Die  neuen  Reichssteuern.

Die  „Tägliche  Rundschau“  sagt,  es  sei  sicher,
daß  schon  im  März  die  Vorlagen  über  die
neuen  Reichssteuern  dem  Reichstag  zugehen
werden.  Als  Gesamtbetrag  sind  500  Millionen
Mark  in  Aussicht  genommen.  Es  werden  Zigaretten,
  Zigarren,  die  einzelnen  Zweige  der  Post,
Telegraphie  und  der  Eisenbahnverkehr  herangezogen
  werden.  Ein  anderes  Blatt  sagt:  In
dem  Steuerprogramm  des  Reichsschatzamtes
spielt  auch  die  Besteuerung  des  Eisenbahngüterverkehrs
  eine  nicht  unbedeutende  Rolle,  denn
wenn  eine  Erhöhung  der  Postpaketgebühren,
wie  geplant,  durchgeführt  werden  soll,  muß  auch
der  Frachtverkehr  auf  den  Eisenbahnen  zur
Steuer  herangezogen  werden.  Sonst  würde  ja
der  Verkehr  von  der  teureren  Verwaltung  zu
der  billigeren  Verwaltung  übergehen.  Demgemäß
  soll  der  Frachturlundenstempel  für  Wagenladungen
  auch  auf  den  Stückgut=  und  Eilgutverkehr
  ausgedehnt  werden,  jedoch  ist  eine  Entscheidung
  noch  nicht  getroffen,  unter  den  beutschen
  Staatseisenbahnverwaltungen  finden  über
diese  und  andere  Fragen  noch  Erwägungen  statt.
Auch  sind  statistische  Erhebungen  im  Gange,
namentlich  über  eine  etwaige  Verminderung  des
Vrrlehrs  an  der  Hand  frühexer  Erfahrungen,

 

1———4

NS

——  -——“"“““
die  man  ja  beispielsweise  bei  der  Fahrkarlensteuer
  hat  machen  können.  Die  beste  Verkehrs-!
siener  nützt  eben  nichts,  wenn  der  Verliehr  in
unern  ünschtem  Maße  zurückgeht.  An  eine  Erhöhung
  der  Fabrlartensteuer  wird  desmegen  nuch
nicht  gedacht,  aber  schließlich  wird  man  meoohl
auch  um  Zuschläge  für  die  Personenbeförderung
nicht  ganz  herumlommen,  wenn  nämlich  ein
zmeiter  Plan  durchgeführt  werden  soll  eine
Bruttoal  gabe  der  deutschen  Eisenbahnverwallungen
  an  das  Reich.  Auch  darüber  wird  noch
zuischen  der  preußischen,  Uayerischen,  sächfischen
u#,  Staatseisenkahnver##altung  verhandelt,
und  es  ist  noch  nicht  alzusehen,  auf  welcher
Grundlage  etma  eine  Einigung  zustande  lommen
  lönme.  Kommt  es  zu  einer  Einigung,  so
werden  die  Bundesstaaten  überlegen  müssen,
wie  sie  diesen  Ausfall  an  ihren  Einnahmen
miieder  einrringen  lönnen.  Die  Bundessiaaten
befinden  sich  samt  und  sonvers  in  finanziellen
Verlegenheiten  und  haben  deswegen  bereits
selbst  schon  Erhdhungen  ihrer  Landessteuern
ausgeschrieben  oder  doch  in  Auesicht  genommen.
Tritt  dazu  noch  die  Notmendigkeit  für  sie,  einen
Teil  ihrer  Eisenbahneinnalmen  an  das  Reich
alzutreten,  so  werden  sie  sich  durch  Eröffnung
neuer  Einnahmcquellen  helsen  müssen.  Da  könnten
  dann  allerdings  Zuschläge  zu  den  Personenfahrlarten
  vielleicht  in  Frage  kommen.  Das
deutsche  Volk  würde  auch  dieses  Opfer  um  des
großen  Zieles  willen  auf  sich  nehmen  müssen,
aler,  wie  gesagt,  sind  irgenowelche  Entscheidungen
  nuch  nicht  getroffen.

Bayerische  Ehrenkafel.

Kr.  A.  Landwehrmann  Mich.  O  lermeier  der
.  Komp.  des  1.  Inf.  Reglo.  von  Aibling.  verheirateter
  Kupferschmied  zu  Schloßberg,  V.
Rosenheim,  haite  am  11.  August  1915  Auftrag
  erhalten,  das  Volk-tum  des  gegenüberliegenden
  Feindes  feutzustellen.  Von  3  Uhr  morgens
  ub  mit  2  Mann  rechts  der  Straße  L.  M.
rorgehend,  richtete  sich  die  Patrouille  aui  ei—
niger  Entfernung  von  Drahtrerhau  des  Geg—
ners  in  einem  zugeschüttelen,  jedoch  immerhin
noch  Dedung  bietenden  Graben  ein  und  legte  sich
bis  vormitlags  11  Uhr  auf  die  Lauer.  Da  indes
  nicht  das  geringste  zu  bemerken  war,  kroch
Osltermeier  bis  zu  einem  Granattrichter  dicht
am  Drahthindernis  vor  und  sah  nun,  wie  ein
feindlicher  Posten  den  Kopf  über  die  Brustwehr
erhob,  während  andere  sich  ziemlich  laut  unterbieiten.
  Zu  seinen  Kameraden  zurückgelehrt,  begad
  er  sich  mittags  mit  einem  Begleiter  nochmals
  an  den  gleichen  Fleck,  stieg  in  den  Trichter
und  kroch,  weil  er  hier  leine  Aussicht  haatte.
ane  aute  Stree  wen  em  Drahtverhau  vor.  Da
alue  im  rundisichen  Grabenn#stebende  Bewegung
  annehmen  ließ,  daß  er  bemerkt  wurde,
begab  er  sich  wieder  zu  seinen  Kameraden  und
mit  diesen  nach  dem  zugeschütteten  Graben,
wo  der  zmeite  Mann  der  Patronille  verblieben
war.  Bevor  sie  ihn  jedoch  erreichten,  erhielten
sie  heftiges  Feuer,  das  Ostermeiers  Gefährten
eine  schwmere  Verwundung  eintrug.  Der  dritte
Mann  hatte  inzwischen  die  Vorgänge  mit  angesehen,
  war  dem  Führer  entgegengekrochen  und
half  nun  den  Vern  undeten  in  Deckung  schaffen;
bierauf  begab  er  sich  zur  Kompagnie  und  ktehrte
alends  mit  einem  Krankenträger  zurück,  so  daß
man  den  Schwmerverletzten  mit  vereinten  Kräften
bergen  konnte.  Als  lühner  Schleichgänger  schon
mehrfach  vortrefflich  bewährk,  hatte  O  stermeier
durch  seine  16  stündigen  Beobachtungen  als  erster
  festgestellt,  daß  den  eigenen  Truppen  Engländer
  gegenüberstanden.  (Silberne  Medaille.)

BerschiedeneN  Nachuchlen.

Berlin,  25.  Jan.  Ein  erschütternder  Kindessellmord
  hat  sich  lürzlich  in  Merseburg
zugetragen.  Eine  Schar  junger  Mädchen  wandelte
  am  Ufer  der  Saale  des  Weges.  Plötzlich
sprang  die  12  jährige  Schülerin  Marie  Flohr,
die  wegen  schlechter  Behandlung  durch  ihre  Stiefmutter
  schon  öfters  Todesgedanken  geäußert
hatte,  mit  dem  Rufe:  „Auf  Wiedersehen  im
Himmel“  in  den  Fluß.  Als  das  arme  Kind
an  einen  Pfahl  stieß  und  noch  lebend  emportauchte,
  gab  es  sich  von  dem  Pfahl  aus  einen
kräftigen  Stoß,  um  den  sicheren  Tod  zu  finden.
  Dabei  schrie  es  nochmals  laut:  „Auf
Wiedersehen  im  Himmel!“  und  verschwand  in
den  Wellen.  «-Mute-Weitem



München,25.Jan·Einschweketkkasp
wagenunfall  ereignete  sich  heute  nachmittag  in
der  Forstenriederstraße.  Ein  vom  Forstenriederpark
  kommender  Militärlraftwagen  fuhr  an
einen  Telegraphenmast  und  siel  um.  Der  Wagenlenker
  erlitt  Verletzungen  an  der  Hand  und
im  Gesicht;  überdies  klagte  er  über  Schmerzen
in  der  Brust.  Der  Begleiter,  ein  aus  Eggenfelden
  stammender  Unteroffizier,  kam  unter  den

gen  zu  liegen  und  wurde  so  schwer  verletzt,
daß  er  beim  Transport  ins  Lazarett  verschied.
Der  Unfall  wurde  dadurch  veranlaßt,  daß  der
Wagenlenker  einer  Frau  ausweichen  wollte,  die
mit  einem  Handwagen  die  Straße  überquerte.

 

 

 

+K4

"t“

Dillingen,  25.  Jan.  Echte  deutsche  Kameradschaft
  bewiesen  wieder  im  hiesigen  Reservelazarett
  Lefindliche  Verwundete.  Dort  liegt
ein  deutscher  Krieger  an  Blutarmut  schwer  darnieder.
  Auf  eine  Umfrage  erllärten  sich  zwei
Vermundete  sofort  dazu  bereit,  Blut  für  ihren
Kameraden  ihrem  Körper  entnehmen  zu  lassen.
Das  Anerbieten  eines  der  Braven  ist  angenommen
  worden.

 

—.

Kufstein,  25.  Jan.  In  den  Kroßen  Wiener
Lazaretten  werden  gegenmärtig  Lichtbilder  von
Kusslein  und  dem  Kaisergebirge  gezeigt,  die
auf  Veranlassung  der  Alpenvereinssektion  Kufslein
  von  dem  bekannten  Lichtbildner  Anton
Karg  in  Kufstein  hergestellt  sind.  Die  prächtigen
  Aufnahmen,  die  bereils  in  den  großen
Reservespitälern  in  Nürnberg  mit  ausgezeichnetem
  Erfolg  vorgeführt  wurden,  werden  durch
den  Vortrag  stimmungsvoller  Begleitworte,  versaßt
  von  Schriftsteller  August  Sieghardt  (Kufstein)
  erläutert  und  finden  begeisterten  Anlang.


 

Sägeicher  L#sers.

Tuntenhausen,  25.  Jan.  Am  Mittwochalend
  ist  Graf  Maximilian  von  Arco-Zinnelerg,
  Kgl.  Kämmerer  und  Oberleninant  a.  D.,
in  seiner  Wohnung  an  der  Mar  Josephstraße
in  München  jäh  und  überraschend,  nachdem  er
nur  lurze  Zeit  an  Bronchitis  darniederlag,  verschieden.
  Graf  v.  Zinneberg  war  in  Münchener
Gesellsc-  aftslreisen  nicht  nur  infolge  seiner  Stellung
  als  Vorsitender  dez  Münchener  Reunrereins
  allentlailen  belannt,  er  war  auch  wegen
seines  gegen  sodermann  lielenswürdigen  Wesens
  eine  hochgeschätzte  und  stels  gern  gesehene
Persönlichkeit.  Er  war  am  19.  Februar  1850
in  München  geboren,  hatte  als  Leulnant  im
3.  Feld-Art.  Rgl.  den  Feldzug  1370  71  mitgemackt,
  wobei  er  sich  mehrfache  Auszeichnungen
erwarl.  1873  schied  er  aus  dem  alktliven  Militärdiensie
  aus;  1884  wurde  ihm  der  Charakter
als?  Oberleulnant  verliehen.  Die  Leiche  wird
zur  Beisenung  in  der  Abnengruft  nach  Tuntenhausen
  ülergeführt  werden.

Miesbach,  25.  Jan.  In  der  Ausstellungshalle
  wird  am  Fastnachtsmontag  den  6.  März
der  alljährliche  Verbands-Zuchtviehmarkt  sfiattfinden,
  dessen  Beschicung  mit  Viehmaterial  nur
Verbandemitgliedern  zusteht.  Gleichzeilig  mit
diesem  Markt  wird  durch  die  Viehzuchtgenossenschaft
  Mieslach  eine  Prämiierung  von  Zuchtstieren
  veranstaltet.  Die  Prämiierung  erfolgt
in  drei  Klassen.

Kommunales.
Fi#  des  M  ts·  Uo
trung  des  Wioesrat=  elleglums

 

14.  Januar  1916.

Dem  vom  Neferale  vorgelegten  Entwurf  eines
  Vertrags  zmischen  dem  Kommunalverband
NRosenheim-Stadt  und  der  Walzmühle  Mühldorf
  wurde  zugestimmt.

Nach  Bekanntgabe  der  Zuschrift  des  Fremdenverlesrrereins
  in  ünchen  vom  10.  12.  ds.
Mis.  wird  zur  Vertretung  der  Stadtgemeinde
Rosenheim  im  Fremdenverkehrörate  für  das  Geschäftejahr
  1915  16  Rechtsrat  Kürzinger,  der
bisberige  Vertreter,  abgeorduct.

In  Sachen  Erwerbung  einer  Wasserkraft  im
Willinger  Mühlbach  zieht  der  Magistrat  mit
Nüdsicht  auf  die  einhellige  gegnerische  Stellungnahme
  des  Gemeindekollegiums  in  seiner  Sitzung
  vom  12.  ds.  Mts.  seinen  Beschluß  rom
23.  November  1915  zurüc  und  sieht  von  jeder
Weiterverfolgung  des  Projektes  ab.

Die  statistischen  Berechnungen  für  den  Siloneubau
  der  Kunstmühle  Nosenheim  Akt.-Ges.
werden  unter  der  Bedingung  genehmigt,  daß
die  vom  städtischen  Baurat  Dr.  Bosch  in  München
  bei  der  Revision  der  Pläne  und  der  statischen
  Berechnung  gestellten  Forderungen  genau
eingehallen  werden  und  die  Firma  Gebr.  Rank
in  München  die  ausdrückliche  Verantwortung  für
die  Beachtung  dieser  Revision  bei  der  Ausarbeitung
  der  Detail=  und  Armierungspläne  und
für  die  richtige  Ausführung  der  Eisenbetonarbeiten
  vor  dem  Stadtbauamt  Rosenheim  übernimmt.


Dem  Zementfabrikanten  Hans  Bernrieder
wird  die  Kiesentnahme  durch  Baggerung  aus
der  Mangfall  längs  des  gemeindlichen  Grundes
unterhalb  des  neuen  Mangfallwehres  auf  die
Dauer  von  5  Jahren  unter  den  nachstehenden
Bedingungen  genehmigt:  1.  für  Kiesentnahme
sowie  für  Benützung  des  Ufers  und  der  Strabe
ist  pro  Kubikmeter  eine  Entschädigung  von
10  Pfg.  an  das  städtische  Elektrizitätswerk  zu
leisten;  2.  Gesuchsteller  hat  sich  den  von  der
Direktion  des  Elektr.  Werkes  erlassenen  Konttrollvorschriften
  über  die  Kiesentnahme  zu  unterwersen;
  3.  die  Bezahlung  der  Entsch#digung

 

 

 

ür  die  Kiesentnahme  hat  jeweils  am  1  eines
ierxteljahres  zu  erfolgen.  a.

 

Donnerstag,  27.  Januar  1916

Rosenheim,  26.  Ja  uar.

Unser  Kaiser  vollendet  an  diesem  27.
Januar  sein  57.  Lebenssahr.  Zum  zweiten  Male
seiern  wir  Kaisers  Geburtstag  im  Krieg,  deshalb
  wird  der  Tag  nur  in  aller  Stille  be.
gangen.  Aber  ulrgends  in  deutschen  Gauen
und  im  Auslande,  wo  Deutsche  wohnen,  wird,
man  diesen  Tag  vorbergehen  lassen,  ohne  des
Kaisers  zu  gedenken,  dessen  hohes  Pflichtgefühl
sich  gerade  in  dieser  ernsten  Zeit  ganz  besonderg
geossenbart  hat.  Auch  bei  uns  in  Bayern  wird
man  morgen  des  Kaisers  und  seiner  rastlosen
Tätigleit  zum  Besten  des  schmer  bedrohten  und
von  einer  Welt  von  Feinden  angegriffenen  Va.
terlandes  gedenken.  Ueberall  werden  feierliche
Bittgottesdienste  algehalten,  bei  denen  auch  das
Gebet  zum  Himmel  sleigen  wird:  Gott  beschütze
  Kaiser  und  Reich!

Auozeichnungen  im  Felde.  Der  Cesreite
  Isidor  Kellermeyer  aus  Hofleiten,  der
im  1.  Juf.-Rgt.  steht,  wurde  mit  dem  Militär.
verdienstireuz  3.  Klasse  mit  Schwertern  ausgezeichnet,
  gleichzeilig  wurde  er  zum  Unteroffizier
  befördert;  Kellermeyer  ist  der  Sohn  des
Schifsere  Kellermeyer.  Dem  Rittmeister  Josef
  Grafen  v.  Arco-Zinneberg  der  Reserve  des
1.  Schweren  Reiter-Neglments  wurde  das  herzoglich
  braunschweigische  Kriegsverdienstkreuz
verliehen.  Der  Gefreite  Josef  Holzer,  Milleresohn
  aus  Litzldorf  und  der  Bindergehilse
Josef  Anzinger  aus  Feilubach  erhielten  das
Eiserne  Kreuz.  Der  Sanitätsunteroffizier  Franz
Adlhoch,  Rentamtosekretär  in  Bad  Aibling,  der
Juns.  Josef  Kögl  von  Ried  bei  Götting  und
der  Liendlgütler  Josef  Moser  von  Feilnbach
wurden  mit  dem  Militärverdienstlreuz  3.  Kl.
mit  der  Krone  und  mit  Schwertern  ausgezeichnet.
Justizdienst.  Der  Sekretär  am  Amts.
gericht  Miesbach  Amtsanwalt  Nudolf  Kirc.
Lauer  u  urde  zum  Amtsrichter  am  Amtsgericht
Oettingen  in  etatomäßiger  Weise  Lefördert  uno
der  Amtsanwalt  außer  dem  Status  bei  dem
Amtsgericht  Nüruberg  Ferdinand  Ritter  und
Edler  von  Arthalb  auf  die  Stelle  ei#nn.  Sekretäro
  am  Amtsgericht  Miesbach  in  etatsmäßiger
  Weise  versetzt.  Der  Sekretär  am
Landgericht  Nürnberg  Karl  Hofmann  wurde
zum  Amtsrichter  am  Amtsgericht  Wasserburg
in  etatsmäbiger  Weise  befördert.  Dem  ehemaligen
  Landgerichtsboten  Franz  Schönhärl  in
Traunstein  uurde  mit  NRücksicht  auf  seine  50.
jahrige  ehrenvolle  Dienstzeit  die  Ehrenmüni:
des  Ludu  igordens  verliehen.

Zur  Auomerzung  des  sog.  wilden
Viehbandels  in  Bayern  hat  das  Staats
ministerium  versügt,  daß  ab  1.  Februar  der
gewerbemäßige  Handel  mit  Vieh  und  Wild
zur  weileren  Veräußerung  für  sich  oder  andere
sowie  auch  das  Anbieten  und  Aufsuchenlassen
der  schriftlichen  Genehmigung  der  Distrikiopolizeibehörden
  jenes  Bezirkes  bedarf,  in  welchem
der  Ankauf  oder  das  Aussuchen  stattfinden
sollten.  Die  Genehmigung  soll  regelmäßig  nur
solchen  Personen  erteilt  werden,  welche  diesen
Handel  schon  vor  dem  1.  August  1914  betrieben
und  dafür  Steuern  entrichtet  haben.  Personen
unter  18  Jahren  sind  vom  Biehhandel  ausgeschlossen.
  Ohne  Erlaubnisschein  darf  niemand
den  Viehhandel  ausüben.  Gegen  die  Versagung
  der  Genehmigung  ist  Beschwerde  an  die
Kgl.  Negierung,  Kammer  des  Innern,  zulässig.

Freibändiger  Pserdeverkauf.  Fur
das  stellv.  Generalkommando  1.  Armeekorpo
findct  durch  Oberstleutnaut  Fels  freihändiger
Pferdeankauf  statt,  und  zwar:  Montag,  7.  Februar
  in  Prien,  Beginn  10  Uhr  vormitlags;
Dienstag,  8.  Februar  in  Rosenheim,  Baher—
miese,  Beginn  9  Uhr  vormittags.  Der  Ankauf
erfolgt  nach  den  Bedingungen  der  G.-K.-U.
vom  13.  9.  1915  Nr.  111  951,  bekannt  gegeben
im  Amtstlatte  des  Kgl.  Bezirksamts  Nosenheim
  1915  Nr.  101,  Seite  788,  wobei  ausdrücklich
  Letont  wird,  daß  Pferde,  die  im  Früljahr
  1916  vierjährig  werden,  die  also  im  Jahre
1912  geboren  wurden,  nicht  angekauft  werden
können.

Zur  Kartoffelversorgung.  Anttlich
wird  uns  aus  Berlin  berichtet:  Um  die  rechtzeilige
  Frühjahrsversorgung  der  größeren  Städte
und  Industrieorte  mit  Kartoffeln  zu  sichern
und  gleichzeitig  die  jetzt  unerwartet  günstigen
Witterungsverhältnisse  und  Transportmöglich.
leiten  auszunutzen,  ermächtigte  der  Reich-kanzler
  die  Reichskartoffelstelle,  bei  ihren  Ankäufen
für  diese  Städte  schon  jetzt  die  gesetzlichen  Höchst-.
preise  in  gemissen  Grenzen  zu  überschreiten.  Für
die  Verbraucher  wird  diese  Anordnung  bis  auf
weiteres  nicht  fühlbar  werden,  da  die  Absicht
besteht,  mit  Hilfe  von  Zuschüssen  aus  öffentlichen
  Mitteln  die  Kleinhandelshöchstpreise  für
den  Winterbedarf  aufrecht  zu  erhalten.  Dabei
ist  zu  hoffen,  daß  es  auf  diesem  Wege  auch
gelingt,  die  in  einzelnen  Orten  aufgetretene
Kartoffelknappheit  zu  überwinden.

Die  eisernen  Zehnpfennigstücke
werden  von  heute  ab  dem  Verkehr  #bergeben
  werden.  Hoffentlich  wird  dadurd#,  der
Mangel  an  Kleingeld  einigermaßen  behoben.

Falsches  Geld  gibt  es  zurzeit  in  Rosenbeim.
  Gestern  wurden  an  einer  Stelle  Falsche
Fünf-Pfennigstücke  vereinnahmt.  Die  Fälcher
haben  sie  aus  Blei  hergesteilt,  sodaß  die  Fälschung
  leicht  zu  erkennen  ist.  Auch  ihr  Gewicht
ist  lehr  auffallend.  s  ,  .-