Full text : Schwerin und Bleichröder.

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man  ein  Billet  für  sie  nach  Hamburg  gelöst  und  sie  ins  Coupé
gebracht,  und  so  sei  sie  nach  Hamburg  gekommen.  Ferner  theilte
sie  ihm  mit,  daß  auch  ihr  Mann,  mit  dem  sie  früher  glücklich
gelebt  habe,  und  der  infolge  ihres  Ehebruchs  mit  Herrn  von  Bleich—
röder  von  ihr  getrennt  sei,  ganz  auf  demselben  Wege  durch
die  Polizei  nach  Condon  transportirt  worden  ist!

Herr  von  Schwerin  kehrte  nach  Ausführung  seines  amt—
lichen  Auftrags  nach  Berlin  zurück  und  hat  sich  dann  später
um  diese  Angelegenheit  nicht  mehr  gekümmert.  Sein  moralisches
Gefühl  hatte  aber  einen  ungeheuren  Stoß  erlitten.  Er  empfand
es  als  Schmach  der  ganzen  Polizeibehörde,  daß  sich  dieselbe  in
amtlicher  Weise  zu  Schergendiensten  eines  lüsternen  Juden  hergebe
und  sprach  dies  seinen  Vorgesetzten  gegenüber  auch
unumwunden  aus.  Insbesondere  erklärte  er  denselben,  daß
er  es  für  schändlich  halte,  ihn  gerade  zu  Weihnachten  aus  seiner
Familie  herauszureißen,  um  mit  einem  lüderlichen  Frauenzimmer
in  der  Welt  umherzureisen.  Er  halte  nicht  nur  seine  Derwendung
in  dieser  Angelegenheit  für  eine  ungesetzliche,  sondern  auch
das  ganze  Verfahren  gegenüber  der  Croner.

Welche  Früchte  Herr  von  Schwerin  sür  diese  offene  Sprache
erntete,  wird  sich  nunmehr  zeigen.  Herr  von  Schwerin  glaubte
auch  in  der  nächsten  Zeit  Wahrnehmungen  zu  machen,  daß  das
Holizeiwesen  durch  die  Juden  überhaupt  corrumpirt  sei,  und  da
er  als  eine  echte  pommersche  Natur  sich  hierüber  in  unzwei—
deutigen  Ausdrücken  ausließ,  so  zog  er  sich  bald  die  Feindschaft
mächtiger  Dersonen  zu.  Zwar  blieb  ihm  dieser  Umstand  nicht
unbekannt,  hatte  aber  jahrelang  keinen  merklichen  Einfluß  auf  die
dienstlichen  Derhältnisse,  trotzdei  inzwischen  Graf  Hückler  Dirigent
der  HKriminalabtheilung  geworden  war  und  er  mit  diesem  zur
Seit  seiner  staatsanwaltlichen  Thätigkeit  ein  persönliches  Rekontre
gehabt  hatte,  dessen  sich  der  Herr  Graf  bei  Uebernahme  der  Geschäfte
  sehr  wohl  erinnerte  —  vielleicht  nicht  zum  Besten  Schwerins,
denn  Thatsache  ist,  daß  es  ihm  nicht  gelang,  liebes  kKind  bei
seinem  Dorgesetzten  zu  werden,  wie  das  beispielsweise  mit  seinen
Hollegen  Schuchhardt  und  von  Meerscheidt-Hüllessem  der  Fall
war  und  heute  noch  ist.

Da  kam  eines  Tages  der  Rentier  Dierau  aus  der  Belle-Alliancestraße
  zu  Schwerin  und  theilte  Folgendes  mit:

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