Die Stimmung in Angeln. 433
un ob he dat ok öbel (öwel) nehmen kunn, wat se em seggen, un ob se
ok schar (schadn) davron nebben kunnen, wen he dat to weten krog, un
wat noch sonst (sünst) all to bedenken sin (wesen) kann. Vör all so'n bedenklichkeiten
kriggt man denn ösft von ehr wahre menung nich vel to weten.
Op so'n maner sind (sünd) se vel klöker as de Holstener un gaus ehr (ehren)
nachbarn (nawern) nah’t (nab) noren to äbhnlich. Obglick se sik dabi öft
en bet (beten) verstellen möten, so kaen man se doch nicht so egentlich
falsch nennen (heton); se holen blot ehr menung för ehr egendom, worop
sonst (sünst) ken minsch en recht het. Se will'’n (wöllt) anvere nich wat
wis maken, se will'n sik man selbst (sülwst) vörsehn. En, de dor falsch
oder en windbüddel is, steit daför ok in grote (grot) misscredit. Bi dat
all is et (dat) doch öft en ärgerliche (argerlicher) kram, dat se mit ehr hartensmenung,
80 to seggen, achter 't(n) barg holen, wo't gar nich nödig wer
Doch finnt man ock so'n, de disso fehler insehn und sik davon fri to
maken öken.“
Die Bevölkerung des mageren Mittelrückens hatte seit Jahrhunderten
mit des Lebens Notdurst zu ringen, wenn auch sparsam
und von einfachen Lebensgewohnheiten, es nur zu geringer Wohlhabenheit
gebracht; mehr phlegmatischer Natur und wenig regsamen Geistes,
weit mehr abgeschiedener von der Welt und zäh an dem Hergebrachten
hängend, war sie allem Neuen, das sie in ihrer Ruhe störte und noch
dazu Kosten verursachte, mehr als abgeneigt. „De Dän“, sagte mir
ein Torfbauer aus jenen Gegenden im Jahre 1864 einmal sehr bezeichnend,
„de Dän wull uns wis maken, de ryg wer dürer as de
roggen un de mase beter as dat moor."
Der Widerstand gegen die Sprachreskripte erhob sich naturgemäß
zunächst in den anglischen Gebieten. über die Stimmung, die bei
der ersten Kunde davon die Gemüter ergriff, und über das Verhalten
der Regierungsbehörden gibt uns ein so dänischgesinnter Mann wie
v. Scheele, der entschiedenste Gegner der schleswig-holsteinischen Bewegung,
der aber als langjähriger Amtmann von Gottorp und späterer
Regierungspräsident mit den Verhältnissen des Laudes genau bekannt
war, in seinen „Fragmenten“ cine bezeichnende Schilderung:
„Auch in den Distrikten, wo die Volkssprache ganz und ausschließlich (nieder)=deuisch
ist, wo leine dänische (jürische) Beimischung stattsindet, verfügte der
Regierungsk issar durch das Departement des Kulius die Einführung der
däuischen Sprache in Kirche und Schule. Hier war nicht mehr die Rede von
einem bloßen politischen Mißgrifs, hier vergriff man sich in Wahrheit an der
Sprache des Menschen als an seinem Heiligtum. Die loyalsten und meist be-Sach,
Das Herzogtum Schleswig. I. 28