Metadata : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1869. (60)

J.  Die  ständische  Reaktion.  30

Zollerträge  gaben  ihm  den  erwünschten  Anlaß  dazu;  auch  half  er
damit  einer  Hauptbeschwerde  der  preußischen  Stände  ab.  Alo
nun  aber  der  Kurfürst  unter  Berufung  auf  das  Joachim  Friedrich
und  Georg  Wilhelm  1621  Gewährte  noch  vor  erfolgter  Zuvestitur
  zur  Regierung  Preußens  zugelassen  sein  wollte,  setzte
Wladislaw  IV.  hier  ein,  um  weitere  Zugeständnisse  zu  erwirken.
Des  Beifalls  der  preußischen  Stände  war  er  dabei  sicher.  Darin
lag  die  Gefahr  für  Friedrich  Wilhelm,  während  der  König
wünschen  mußte,  die  Sache  vor  dem  Zusammentritt  des  Reichstags
  zu  erledigen,  um  sie  dem  zu  entziehen.  So  boten  des
Kurfürsten  Bevollmächtigte,  die  Neujahr  1641  nach  Warschau
gingen,  dem  König  für  die  sofortige  Zulassung  zur  Regierung
60  000  volnische  Gulden.  Dennoch  machte  man  Schwierigkeiten,
wollte  polnische  Kommissare  nach  Preußen  schicken  und  keinesfalls
  von  der  persönlichen  Huldigung  für  später  absehen.  Diese
sagte  der  Kurfürst  zu,  nur  müsse  die  Sache  zu  Ende  kommen,
ehe  der  Reichstag  die  alten  nationalen  Forderungen  erheben
könnte.  Wladislaw  IV.  stellte  Bedingungen,  unter  anderen  Ernennung
  des  Kommandanten  von  Pillau  durch  ihn  aus  drei
vom  Kurfürsten  vorgeschlagenen  Kandidaten,  Entschädigung
Abraham  Spirings,  Erbauung  einer  katholischen  Kirche  in
jedem  preußischen  Bezirke,  Kontrolle  der  Pillauer  Hafenzölle
durch  einen  seiner  Beamten  und  anderes  mehr.  Aber  neben
den  offiziellen  Verhandlungen  in  Warschau  gingen  private  in
Marienburg  her,  namentlich  über  die  pekuniäre  Seite  der  Sache.
Der  König  forderte  für  die  Belehnung  35  000  Thaler:  ohne
sie  könne  er  in  betreff  des  Pillauer  Zolles  nicht  nachgeben.
Schließlich  einigte  man  sich  auf  die  vom  Kurfürsten  gleich  anfangs
  gebotenen  60  000  polnischen  Gulden  (20  000  Thaler),
wovon  zwei  Drittel  der  König,  ein  Drittel  die  Königin  erhielt.
  Am  12.  April  1041  erfolgte  des  Kurfürsten  Zulassung
zur  Negierung,  zum  Kummer  der  nationalen  Partei  in
Polen  und  der  preußischen  Stände.  Doch  dauerte  es  noch
etliche  Monate,  bevor  man  vollends  einig  wurde.  Denn  polnischerseito
  versuchte  man  neue  Forderungen  durchzusetzen:  des
Kurfürsten  entschiedene  Weigerung  und  Handsalben  bei  den
beiden  polnischen  Großkanzlern  änderten  das.  Der  Senat  stimmte