in dem Justizwesen, in dem Finanzwesen, im diplomatischen Fache und im
Alitär eine vornehme Geburt allerdings geehrt, aber gewiß wäre es um einen
btaat geschehen, wenn Geburt Vorzüge vor Verdiensten hätte. Von einem so
kschen, ungereimten Grundsatze würde eine Regierung, die ihn annähme, die
aAglücklichsten Folgen erfahren, denn die Talente sind von der Natur
hne Rücksicht auf die Genealogie vertheilt. Jeder, der sich durch
Ugend und Talente auszeichnet, ist ein Mann von Adel, und in diesem
binne kann man ihn betrachten wie einen Melchisedeck, der weder Vater noch
Kutter hatte.“ Friedrich nahm also die Sache faktisch, wie er fie in seinen
Staaten zur Zeit zu sehen glaubte und theilweise auch wirklich sah, und veruhr
um so unbefangener darnach, als er, der Schöpfer und einzige Leiter
cines Systemes, stets der Gebieter, nie der Sklave desselben war und jeden
lgenblick den Fehler der Regel durch verständig gewählte Ausnahmen versäten
konnte.
Solche Ausnahmen kommen im Militär= und Civildienste nicht selten bei
Kiedrich vor, obschon nur ein einziger Bürgerlicher unter seinen Ministern,
mmlich der schon oben genannte Michgelis, zu erwähnen ist. Dagegen sagt
#e# unter seinen Auspizien entworfene allgemeine Landrecht ganz ausdrücklich,
aß „dem Adel der Besttz der Rittergüter, auch vorzugsweise alle Ehrenellen
gehören.“
Trotz der vorgehenden Erklärung der eigenthümlichen Anfichten Friedrich's
iber den Adel und seine Stellung den anderen Ständen gegenüber, wollen
bir keinesweges behaupten, daß der große König sich bei dieser Gelegenheit auf
er richtigen Linie erhalten habe; vielmehr müssen wir zugeben, daß er den
ahren inneren Werth, so wie die Leistungsfähigkeit der scharf gegenüberge-Aten
Stände verkannte und deshalb nicht ohne Irrthum geblieben ist; doch
elcher Sterbliche ist gegen jeden Irrthum gesichert!
Daß des Königs Ansicht, trotz seiner großen Selbstständigkeit, mehr Schaen
gebracht hat, als er selbst wohl meinte, geht schon aus dem ganz natürchen
Grunde hervor, daß auch seine vornehmsten und einflußreichsten Diener
on ähnlichen und vielleicht noch stärkeren Irrthümern in dieser Beziehung
eherrscht wurden, wie wir dies von dem nach jeder anderen Seite hin ausgeichneten
Minister von Zedlitz wissen. Nicht jeder von den Letzteren behielt
amer der einmal vorurtheilsvoll gefaßten Meinung zum Trotz, wie Friedrich,
och den gesunden Blick über die wirklich herrschenden Verhältnisse. Friedrich
ab stets Beweise von diesem freien Sinne. Noch im Jahre 1783 schrieb er
& den Hannsvrischen Hofmarschall von Schulenburg, der ihn gebeten, seinen
fohn von der Stelle als dritter Junker bald zum Offizier zu befördern, weil
: als Graf diesen Vorzug verdiene: „Wohlgeborner, lieber Getreuer! Jch
abe aus eurem Schreiben u. s. w., euer Gesuch wegen eures Sohnes gesehen;
ch muß euch aber sagen, daß Ich schon den Befehl gegeben habe, keinen
kafen in meiner Armee anzunehmen, denn wenn sie ein oder zwei Jahre
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