— 266 —
I. Von den Krankheiten der Wöchnerinnen.
Erstes Kapitel.
Von den Krankheiten der Wöchnerinnen im Allgemeinen und von
dem Kindbettsieber.
§. 363.
Jede, auch die gesundeste, Frau ist im Wochenbette zu Erkrankungen
geneigter, als außer dieser Zeit, und daher besonderer Schonung
und Pffege bedürftig (s. o. §. 128.).
Manche Krankheiten der Wöchnerinnen sind die unmittelbare
Folge schädlicher Einwirkungen, welche dieselben durch
die Geburt erfahren hatten. Diese Erkrankungen kann die Hebamme
öfters durch Sorgsamkeit bei der Behandlung der Geburt und gewissenhafte
Befolgung der ihr dafür gegebenen Vorschriften verhüten.
Unter den schädlichen Einwirkungen, welche eine Gebärende treffen
und den regelmäßigen Verlauf des Wochenbettes stören können,
ist vorzugsweise die lange Dauer der Geburt zu nennen, zumal
nach vorzeitigem Abflusse des Fruchtwassers (s. o. 8. 211.),
oder wenn dabei die Geburtswege einer stärkeren Quetschung
ausgesetzt sind, sei es wegen Enge des Beckens (s. o. 8. 247.),
oder wegen regelwidriger Stellung, oder Haltung des vorangehenden
Kopfes (s. o. §. 265., 279., 274.), oder wegen einer Schief= oder
Querlage des Kindes (s. o. §. 295.). Hier wird also die Hebamme
manchmal im Stande sein, die drohende Gefahr wenigstens zu vermindern,
indem sie einen vorzeitigen Blasensprung verhütet; indem
sie eine regelwidrige Kindeslage rechtzeitig durch eine passende Lagerung
der Kreißenden verbessert, und vor allen Dingen, indem sie die
Herbeirufung des Arztes nicht zu lange hinausschiebt.
Auch tiefere Verletzungen der Geburtswege, die öfters
selbst augenblickliche Lebensgefahr herbeiführen, wie die Zerreißungen
der Gebärmutter und der Scheide (s. o. 5. 232—238.,
235., 250.), lassen sich in manchen Fällen durch ärztliche Kunsthülfe,
wenn sie rechtzeitig beschafft wird, abwenden; wogegen die Hebamme