Full text : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

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I.  Von  den  Krankheiten  der  Wöchnerinnen.

Erstes  Kapitel.

Von  den  Krankheiten  der  Wöchnerinnen  im  Allgemeinen  und  von
dem  Kindbettsieber.

§.  363.

Jede,  auch  die  gesundeste,  Frau  ist  im  Wochenbette  zu  Erkrankungen
  geneigter,  als  außer  dieser  Zeit,  und  daher  besonderer  Schonung
  und  Pffege  bedürftig  (s.  o.  §.  128.).

Manche  Krankheiten  der  Wöchnerinnen  sind  die  unmittelbare
  Folge  schädlicher  Einwirkungen,  welche  dieselben  durch
die  Geburt  erfahren  hatten.  Diese  Erkrankungen  kann  die  Hebamme
öfters  durch  Sorgsamkeit  bei  der  Behandlung  der  Geburt  und  gewissenhafte
  Befolgung  der  ihr  dafür  gegebenen  Vorschriften  verhüten.

Unter  den  schädlichen  Einwirkungen,  welche  eine  Gebärende  treffen
  und  den  regelmäßigen  Verlauf  des  Wochenbettes  stören  können,
ist  vorzugsweise  die  lange  Dauer  der  Geburt  zu  nennen,  zumal
nach  vorzeitigem  Abflusse  des  Fruchtwassers  (s.  o.  8.  211.),
oder  wenn  dabei  die  Geburtswege  einer  stärkeren  Quetschung
ausgesetzt  sind,  sei  es  wegen  Enge  des  Beckens  (s.  o.  8.  247.),
oder  wegen  regelwidriger  Stellung,  oder  Haltung  des  vorangehenden
Kopfes  (s.  o.  §.  265.,  279.,  274.),  oder  wegen  einer  Schief=  oder
Querlage  des  Kindes  (s.  o.  §.  295.).  Hier  wird  also  die  Hebamme
manchmal  im  Stande  sein,  die  drohende  Gefahr  wenigstens  zu  vermindern,
  indem  sie  einen  vorzeitigen  Blasensprung  verhütet;  indem
sie  eine  regelwidrige  Kindeslage  rechtzeitig  durch  eine  passende  Lagerung
  der  Kreißenden  verbessert,  und  vor  allen  Dingen,  indem  sie  die
Herbeirufung  des  Arztes  nicht  zu  lange  hinausschiebt.

Auch  tiefere  Verletzungen  der  Geburtswege,  die  öfters
selbst  augenblickliche  Lebensgefahr  herbeiführen,  wie  die  Zerreißungen
  der  Gebärmutter  und  der  Scheide  (s.  o.  5.  232—238.,
235.,  250.),  lassen  sich  in  manchen  Fällen  durch  ärztliche  Kunsthülfe,
wenn  sie  rechtzeitig  beschafft  wird,  abwenden;  wogegen  die  Hebamme