Metadata : Kolonialpolitik. Mein politisches Vermächtnis.

Deutschland  hat  auch  niemals  die  uns  angedichtete  Absicht  gehabt,
  Britisch-Südafrika  anzugreifen.  Im  Gegenteil  hat  Deutschland
  stets  die  Auffassung  vertreten,  daß  im  Interesse  des  Ansehens
  der  weißen  Rasse  ein  europksischer  Krieg  nicht  nach  Afrika
übertragen  werden  dürfe.

Daß  die  deutsche  Regierung  keine  Angriffsabsichten  auf  Südafrika
  hatte  und  haben  konnte,  ergibt  sich  schon  daraus,  daß  die
Schutztruppe  in  Südwestafrika,  die  während  des  Eingeborenenaufstandes
  in  den  Jahren  1904,05  auf  über  10  coo  Mann  gestiegen
  war,  auf  weniger  als  2000  Mann  vermindert  worden  ist.
Hierüber  war  man  in  Britisch-Südafrika  genau  unterrichtet.
In  dem  weit  verbreiteten  englischen  Nachschlagewerk  „The
Statesman's  Vearbook“  wird  in  der  Ausgabe  für  1914  auf  Seite
92F  die  richtige  Stärke  der  in  Südwest  vorhandenen  Soldaten
und  Polizisten  angegeben.  Bei  meiner  Begegnung  mit  dem  Premierminister
  der  Südafrikanischen  Union,  Botha,  im  Jahre  1012,
fand  ich  ihn  über  die  Stärke  unserer  Schutztruppen  genau  unterrichtet.
  Die  betreffende  Stelle  aus  unserer  Unterhaltung  lautet
in  meinem  Tagebuch  wie  folgt:

„Botha  kam  dann  auf  die  Eingeborenen  in  Südwest  zu  sprechen
  und  auf  eine  mögliche  Wiederholung  des  Aufstandes.  Als
ich  in  diesem  Zusammenhange  auf  die  von  einem  Teil  unserer
Volksvertretung  gewünschte  Verminderung  der  Schutztruppe
kam,  riet  er  dringend  ab,  im  Interesse  der  Aufrechterhaltung
der  Ordnung  unter  die  Zahl  von  2000  als  Stärke  der  Schutztruppe
  herunterzugehen.  Auch  er  sei  der  Meinung,  daß  man  Eingeborenen
  niemals  trauen  könne  und  immer  auf  der  Hut  sein  müsse."

Deutsch-Südwestafrika  hatte  nach  demselben  Statesman's
Vearbook  im  Jahre  1913  eine  europaͤische  Bevölkerung  von  ins-77