IV Naturlehre. 61
6. Mechanisches Gemenge, chemische Verbindung, Element. #) Vermischen
wir Salz und Sucker miteinander, so erscheint das weiße Dulver dem bloßen Kuge
wie ein gleichartiger Stoff. Mit hilfe des Mikroskopes aber erkennen wir die
einzelnen Salz= und Suckerkörnchen. — Wir reiben in einer Horzellanschale Eisenpulver
und Schwefel gut durcheinander, so daß ein graugrünes Dulver entsteht, das wie
ein gleichartiger Stoff aussieht. Mit hilfe des Mikroskopes erkennen wir jedoch, daß
das Dulver ungleichartig zusammengesetzt ist. Wir können auch die Eisen= und
Schwefelteilchen durch einen Magneten, also mechanisch, leicht voneinander trennen.
— Die Luft ist ebenfalls ein solches Hemenge oder Gemisch; sie wirkt wie ein
durch Stickstoff verdünnter Sauerstoff (Absch. 7).
b) Das rote Guecksilberoxyd besteht zwar, wie wir gesehen haben, auch aus
zwei verschiedenen Stoffen. Trotzdem ist es ein einheitlicher, gleichartig zusammengesetzter
Körper, der ganz andre Eigenschaften als seine Bestandteile hat,
in die er nur durch einen chemischen Dorgang zerlegt werden kann. Man sagt:
Quecksilberorxyd ist eine chemische Derbindung. — Quecksilber und LSauerstoff hat
man bisher auf keine Weise in noch einfachere Stoffe zerlegen können. Das gleiche
gilt von dem Stickstoffe, dem Eisen, dem Kupfer und von allen andern chemischen
Grundstoffen oder Elementen. — Erhitzen wir das Dulver, das wir uns aus Eisen
und Schwefel hergestellt haben, so daß es an einer Stelle zu glühen anfängt, dann
pflanzt sich das Glühen von selbst durch die ganze Masse fort. Nachdem sie sich abgekühlt
hat, können wir leicht feststellen, daß der entstandene grauschwarze Körper kein
Gemisch mehr ist (Beweis!). Es ist vielmehr eine chemische Derbindung, das „Schwefeleisen“,
entstanden, und zwar hat sich auch bei diesem chemischen Dorgange Wärme entwickelt
(S. 21, Kbsch. 16).
7. Eigenschaften und vorkommen des Sauerstoffes. a) Wie Luft und
Stickstoff ist der Sauerstoff ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. halten wir einen
Dolzspan, der an der Luft nur glüht, in ein mit Sauerstoff gefülltes Gefäß, so flammt
er hell auf, wobei jedoch die Flamme nicht in das Gefäß hineinschlägt. Der Sauerstoff
unterhält und beschleunigt also die Derbrennung; aber er selbst ist nicht brennbar.
Ein Stück öchwefel brennt an der Luft mit schwacher, bläulicher Klamme.
Bringen wir es aber in ein Glas, das wir vorher mit Sauerstoff gefüllt haben, so
brennt es mit hellem, blauem Lichte. Nachdem der Schwefel verbrannt ist, gießen
wir etwas Wasser in das Glas und schütteln. Das Wasser schmeckt jetzt säuerlich und
färbt blaues Lackmuspapier rot. (Lackmus ist ein Harbstoff, der aus einer Slechte
hergestellt wird.) Der Schwefel hat sich nämlich bei der Derbrennung mit dem
Sauerstoffe zu schwefliger Säure verbunden.
Verbrennen wir Hhosphor in reinem Sauerstoff, so entstehen unter sonnenheller
Lichterscheinung dichte, weiße Nebel, die eine Derbindung von Phosphor und
Sauerstoff, nämlich hosphorsäure, sind.
Derbrennen wir in gleicher Weise ein Stückchen Holzkohle, so können wir mit hilfe
von feuchtem, blauem Lackmuspapier feststellen, daß sich gleichfalls eine Säure, nämlich
Kohlensäure, d. i. eine Derbindung des Kohlenstoffes (s. 68) mit dem Sauerstoffe,
bildet.
Kuch mit den meisten andern Körpern verbindet sich der Sauerstoff; man sagt,
er „oxydiert“ sie. Einige seiner Derbindungen, die „Oxyde“, sind Säuren („Sauer“stoff)).
b) Der Sauerstoff ist ein hauptbestandteil der Luft, des Wassers und fast aller