Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

400  Die  wissenschaftliche  Bedeutung  der  Akademie  Frienricu's  D.
rapporter  A  des  prineipes  susceptibles  d’applieation  lintluence  de  la  Physique  sur  les
diverses  parties  de  Y'(Economie  susdite.«

öin  ponnnerscher  Pastor,  Meyex,  löste  sie  zur  Zufriedenheit  der
Akademie.  Die  evangelischen  Geistlichen  haben  sich  überhaupt  lebhaft
  betheiligt:  unter  den  35  gekrönten  Arbeiten  sind  zehn  von
ihnen  verfasst.  In  den  ersten  20  Jahren  nach  Frıeprıcu's  Tode  ist
der  Procentsatz  evangelischer  Geistlicher  unter  den  von  der  Akademie
  Gekrönten  noch  grösser  gewesen.

Von  allgemeinerem  Interesse  sind  die  physiologisch  -medicinischen
  'Themata.  Gekrönt  wurden  drei  Arbeiten:  »Si  la  communi-:ation
  entre  le  cerveau  et  les  muscles,  par  l’entremise  des  nerfs,
s’execute  par  une  matiere  fluide,  qui  fait  gontler  le  muscle  dans  son
action?  Quelle  est  la  nature  de  ce  fluide?«  (1753,  Le  Cart  in  Rouen),
sodann  eine  Untersuchung  über  den  inneren  Bau  des  Ohres  und  den
Vorgang  der  Gehörempfindung  (1763,  Bez  in  Neustadt-Eberswalde)
und  eine  physiologisch-chemische  Abhandlung  über  die  Veränderungen
  der  Nahrungsmittel  im  menschlichen  Körper  (DurApe  in  Genf).
Dagegen  fand  die  Preisfrage,  die  seit  Jen  LEeEuUwExHorrR’schen  Entdeekungen
  brennend  geworden  war  und  um  die  sich  auch  Mav-PERTUIS
  selbst  bemüht  hatte,  nach  der  Natur  der  geschlechtlichen
Zeugung,  keine  ausreichende  Beantwortung.  Die  Akademie  hatte
die  Frage  scharf  gestellt:

»Si  tous  les  &tres  vivants,  tant  du  regne  animal  que  du  regne  vegetal,  sortent
dun  ceuf  feconde  par  un  germe,  ou  par  we  ıwatiere  prolifique,  analogne  au
germe.«

Dass  dieses  Problem  und  die  wit  ihm  verwandten  damals  weit
über  die  Kreise  der  Naturforscher  hinaus  die  wissenschaftlich  Interessirten
  beschäftigten,  erkennt  man  z.B.  aus  Moses  MENxDELSsonx’s
Beiträgen  zu  den  Briefen,  die  neueste  Litteratur  betreffend  (s.  Ges.
Werke,  Bd.  IV,  ı  8.512  fl.  vom  Jahre  1759).  Durch  LieBErkÜHn's
Arbeiten  war  das  Interesse  für  diese  Frage  auch  nach  Berlin  getragen
worden.  Die  akademische  Preisaufgabe  hat  zu  mehreren  Abhandlungen,
  die  im  Druck  erschienen,  den  Anstoss  gegeben.

Grösser  aber  als  die  Gemeinde  derjenigen,  die  mit  Spannung  die
naturwissenschaftlichen  Preisthemata  der  Akademie  erwarteten,  war
die  Zahl  der  Gelehrten  und  Litteraten,  die  den  philosophischen  und
philologischen  Aufgaben  ein  lebhaftes  Interesse  entgegenbrachten.
Nur  geschichtliche  Themata  im  strengen  Sinne  des  Wortes  hatten
ein  wenig  zahlreiches  Publikum:  denn  der  Geist  des  18.  Jahrhundlerts
  war  exacten  historischen  Studien  nicht  günstig.  Dennoch  hat
lie  Akademie  sieben  Mal  Aufgaben  aus  der  Geschichte  gestellt,  von