Metadaten : Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung.

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des  deutschen  Volkes  vergegenwärtigen:  Daß  die  höhere  bürgerliche
Schicht  die  Trägerin  aller  geistigen  Arbeit  war,  ist  schon  oben  erwähnt;
von  diesem  Boden  aus  war  der  großartige  neue  Aufstieg  des  deutschen
Geisteslebens  im  18.  Jahrhundert  erfolgt.  Aber  noch  ein  anderes  ist  es,
was  das  deutsche  Volk  besonders  dem  mittleren  Bürgertum  jener  Tage
stets  zu  danken  hat:  daß  das  bürgerliche  Familienleben  glücklich  der  Versumpfung
  durch  die  von  Frankreich  ausgehende  Frivolität  widerstanden  hat.

W.  H.  Riehl  hat  hierauf  mit  folgenden  Worten  hingewiesen:

„Der  Bürgerstand  der  Perücken=  und  Zopfzeit  erscheint  freilich  in  keinem
besonders  vorteilhaften  Lichte,  wenn  man  ihn  für  sich  allein  betrachtet.  Er  hebt
sich  aber  um  so  glänzender  ab,  wenn  man  ihn  mit  der  gleichzeitigen  Gesunkenheit
der  höheren  Stände  zusammenhält.  Gerade  in  diesen  trübseligen  Tagen  bewährte
sich  das  konservative  Element,  welches  namentlich  dem  kleineren  Gewerbestande  einwohnt.
  Er  blieb  wenigstens  sittlich  konservativ,  während  die  Aristokratie  in  sittlicher
Auflösung  unterzugehen  drohte.  In  treuer,  stiller  Arbeit,  im  ehrenfesten,  frommen
Familienleben  war  und  blieb  der  deutsche  Handwerker  damals  national,  ob  ihm
gleich  das  klare  nationale  Bewußtsein  erloschen  war.  Das  siebzehnte  und  achtzehnte
Jahrhundert  zeigte  den  Sondergeist  des  deutschen  Bürgerstandes  inmitten  trostloser
Gesamtzustände  in  seiner  größten  Glorie.  Daß  uns  heute  noch  die  Begriffe  des
„bürgerlichen“  und  des  ehrbaren“  als  sehr  nahe  verwandt,  wohl  gar  als  identisch
gelten,  datiert  von  daher.“

Politisch  allerdings  war  der  Bürger  jener  Tage  „eben  nicht  mehr
oder  minder  auf  dem  Hund  wie  alle  anderen  Stände“.

Und  bei  dem  „politischen“  Bürger  müssen  wir  noch  einen  Augenblick
  verweilen,  da  er  uns  hier  am  meisten  interessiert:

Die  absolute  Monarchie  hatte  sich  in  alle  Lebensverhältnisse  gemischt,
in  große,  wie  in  kleine.  Das  beste  Beispiel  hierfür  haben  wir  an  dem
Zeitalter  Friedrichs  des  Großen.  In  die  wirtschaftliche,  in  die  gewerbliche
Tätigkeit,  in  die  jetzt  neu  auftretende  Industrie,  in  alles  wurde  eingegriffen.
  Reglementiert  wurden  alle  Lebensäußerungen.  Die  staatliche
Polizei  mit  ihren  zahlreichen  Verordnungen  herrschte.  Wie  sollte  da  das
Bürgertum  einen  selbständigen,  freien,  unternehmenden  Geist  schwellen
fühlen,  wo  es  seit  langem  gewöhnt  worden  war,  alles  von  oben  zu  erwarten.
  Hatte  auch  der  große  Friedrich  in  eiserner  Arbeit,  ja  mit  Härte
gegen  sich  selbst  immer  seinem  hohen  Staatsideale  nachgestrebt,  sein  Volk
glücklich  zu  machen  —  zur  Selbständigkeit  hatte  er  es  nicht  erzogen.  Im
absolutesten  Sinne  hatte  er  seine  Herrscherstellung  aufgefaßt  und  mit  seiner
übermächtigen  Persönlichkeit  alle,  Minister,  Beamte  und  Offiziere  niedergedrückt.
  Die  Untertanen  vollends  waren  ganz  auf  den  Gehorsam  angewiesen.
  Über  ihre  Interessen  verfügte  der  König  nach  seinem  Ermessen.
So  drängte  das  Bürgertum  sich  vom  öffentlichen  Leben  zurück.

Noch  stehen  wir  aber  auch  in  der  Zeit,  in  der  auf  dem  Wirtschaftsleben,
  auf  Handel  und  Gewerbe,  Fesseln  lasten,  teils  selbstgeschaffen  durch
einseitige  volkswirtschaftliche  Anschauungen,  teils  als  Reste  einer  noch
nicht  abzuschüttelnden  Vergangenheit.  Noch  ruht  das  Spiel  der  freien